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StartseiteHintergrundFamilienglück aus dem Reagenzglas02.02.2014

SamenspendeFamilienglück aus dem Reagenzglas

Seitdem ein Gericht urteilte, dass ein Kind eines Samenspenders die Identität seines Vaters erfahren durfte, bewegen sich diese in einer rechtlichen Grauzone. Die Samenspende ist ohnehin noch immer ein gesellschaftliches Tabu.

Von Thomas Gesterkamp

Weiterführende Information

Umgangs- und Sorgerecht - Der väterliche Kontakt zum Kuckuckskind (Deutschlandfunk, Hintergrund, 18.01.2014)

Samenspende - Leben im Ungewissen (Deutschlandfunk, Tag für Tag, 13.01.2014)

Verschreckte Samenspender (Deutschlandfunk, Europa heute, 14.10.2013)

"Es war so, dass ich anfangs an eine Samenbank einmal gespendet hab. Dort habe ich ein lesbisches Pärchen kennengelernt. Und mit dem bin ich dann in Kontakt gekommen. Die konnten sich die teure Anwendung in der Samenbank nicht mehr leisten. Und so war das der erste private Auftrag. Und nach und nach immer mehr in die Szene hineingetaucht ist."

Martin Bühler, 40 Jahre alt, privater Samenspender.

"Der erste Kontakt ist dann so weitergegangen, dass wir an der Samenbank die Adressen ausgetauscht haben. Man hat sich dann getroffen, man hat zusammen Kaffee getrunken. Und dann war relativ schnell klar, okay, lass es uns versuchen. Das war dann ein Versuch über mehrere Monate, über mehrere Zyklen bis zum Erfolg."

Martin Bühler ist Einkäufer für eine Großhandelskette und lebt an der deutsch-dänischen Grenze in Nordfriesland. Er ist verheiratet, wohnt mit Frau und Kind zusammen - und war fast 20 Jahre lang sozusagen nebenberuflich Samenspender.

"Meine Frau wusste von Anfang an, als sie mich kennengelernt hat, dass ich Spender bin. Es war nie ein Geheimnis, natürlich gehört ein extremes Vertrauen dazu, dass die Frau auch weiß, dass dort eben sexuell nichts ist. Dass es wirklich nur eine Spermienabgabe ist und nicht mehr. Man empfindet für ein so gezeugtes Kind nicht ansatzweise das, was man für das eigene Kind empfindet. Ich habe selber eine Tochter, das ist ganz was anderes, als ein Kind, das so gezeugt worden ist."

Etwa 100.000 Kinder durch künstliche Befruchtung

Keine der Frauen, die mit Bühlers Hilfe Mutter geworden sind, wollte vor dem Mikrofon reden. Private Fernsehsender zahlen teilweise vierstellige Eurobeträge, wenn Betroffene bereit sind, vor der Kamera zu berichten. Bei der Zeugung eines Kindes fremde Hilfe in Anspruch zu nehmen, ist immer noch ein Tabu. Obwohl der Bedarf an Samenspenden wächst: Lesbische Paare wünschen sich ein Baby, Frauen mit zeugungsunfähigem Partner suchen nach einer Alternative. Und auch Singlefrauen gehen ungewöhnliche Wege, um sich ihren Kinderwunsch zu erfüllen. Nach Schätzungen sollen in Deutschland seit den 1970er-Jahren etwa 100.000 Kinder durch künstliche Befruchtung oder den Samen von Spendern geboren worden sein. So, wie bei Katharina Schneider und ihrer Lebenspartnerin. Sie gehören zu den wenigen, die bereit sind, über das Thema öffentlich zu sprechen.

"Für uns stand sehr schnell fest, dass wir gemeinsam Kinder haben wollen. Und da war die Frage: Wie machen wir das als lesbisches Paar? Suchen wir uns einen Spender, der sein Sperma spendet, im Umfeld? Oder wollen wir lieber einen Spender haben, den wir eben nicht kennen? Wir haben uns dann für eine Klinik in Holland entschieden, die Sperma spendet an deutsche Frauen."

Katharina Schneider - ihr wirklicher Name lautet anders - ist Mutter von zwei Kindern. Das Sperma des Vaters stammt von einer Samenbank in den Niederlanden.

"Das ist ein sogenannter anonymer Spender. Einiges wissen wir von ihm, die Augenfarbe, Haarfarbe, Blutgruppe. Aber wir haben keine Bilder von ihm und wir kennen ihn auch nicht."

Dass lesbische Paare Samenbanken nutzen, ist in Deutschland laut Gesetz nicht grundsätzlich verboten. Allerdings legt eine Richtlinie der Bundesärztekammer fest, dass die Befruchtung per Samenspende bei Frauen in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft ausgeschlossen ist. Die Mediziner sind nicht unbedingt verpflichtet, sich an diese Vorschrift zu halten, die meisten deutschen Ärzte aber tun es. Die Abgewiesenen wenden sich dann häufig an Kliniken jenseits der Landesgrenze. Katharina Schneider und Anne Wündrich - auch sie heißt in Wirklichkeit anders - ließen sich den Samen per Post aus den Niederlanden schicken. Sie schildern den ungewöhnlichen Zeugungsvorgang.

- "Das Sperma ist in kleinen Röhrchen, und diese Röhrchen sind in dem Stickstoffbehälter."

- "Dann wird der aufgemacht. Der Stickstoff fängt an zu blubbern, da kommen Schwaden raus, das war ein bisschen wie in der Hexenküche. Mit der Pinzette habe ich diese kleinen Röhrchen rausgezogen, wo das Sperma drin ist."

- "Dann wird das Sperma - wir haben es zu Hause gemacht - zum passenden Zeitpunkt inseminiert. Man kriegt von der Klinik eine Spritze und eine Kanüle. Dann wird das Sperma in den Gebärmutterhals eingespritzt, und dann läuft alles so wie beim Geschlechtsverkehr."

Juristische Grauzone bei einer Befruchtung durch Samenspende

Die Befruchtung per Samenspende befindet sich in einer juristischen Grauzone. Im Februar 2013 sorgte ein Urteil des Oberlandesgerichts Hamm für Aufsehen. Eine junge Frau, die vor über 20 Jahren mithilfe einer Spende aus einer Essener Samenbank auf die Welt gekommen war, verklagte den damals verantwortlichen Reproduktionsmediziner. Sie wollte den Namen ihres Vaters erfahren, dem einst Anonymität zugesichert worden war - und bekam Recht. Seither ist offensichtlich, dass rechtlicher Handlungsbedarf besteht. Michaela Verweyen, Fachanwältin für Familienrecht:

"Das Thema Samenspende ist in der Praxis durch die gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften zum Gegenstand geworden. Es gibt immer mehr lesbische Paare, die sich einen Samenspender suchen, um sich ihren Kinderwunsch zu erfüllen. Und die Frage, welche Rechte ein Samenspender hat oder nicht hat, ist gesetzlich in keiner Weise geregelt."

Kritiker der Hammer Entscheidung fürchten, dass sie abschreckend wirken könnte: Wenn Männer später mit Unterhaltsforderungen für ihr leibliches Kind rechnen müssen, könnte ihre Bereitschaft zur Samenspende sinken. Signifikant nachweisbar ist ein solcher Trend aber bislang nicht. Das dürfte nicht zuletzt daran liegen, dass diese Dienstleistung auch ein florierendes Geschäft ist.

"Reich durch Samenspende - so verdienen Sie Geld mit ihrem Sperma! Der männliche Samen wird gerne als Lusttropfen bezeichnet. Tatsächlich aber kann er auch zur sprudelnden Ölquelle werden."

So heißt es auf der Internetseite "der berater.de. Alles was Männer wissen müssen". In der Samenbank kostet jeder Versuch einer Befruchtung bis zu 800 Euro. Und nicht wenige Frauen brauchen viele Versuche. Wer das Geld nicht aufbringen kann, wendet sich an Männer wie Martin Bühler. Diese "privaten Samenspender" sind erheblich billiger - ab 150 Euro, plus Nebenkosten für Atteste und Anreise.

"Die erste Motivation war definitiv finanzieller Art, ich hab damals mein Studium damit finanziert. Aber man kommt dann immer tiefer in die Materie rein, man sieht, dass Frauen vier, fünf, sechs Jahre lang Kredite aufnehmen, um sich staatliche Samenbanken und professionelle Reproduktionsmedizin leisten zu können. Dann sieht man natürlich schon, dass hinter jeder einzelnen Empfängerin ein großes Schicksal steht."

Etwa 5000 private Samenspender in Deutschland

An die 5000 private Samenspender soll es nach Schätzungen in Deutschland geben. Und auch nach dem Hammer Urteil ist ihre Zahl nicht wesentlich gesunken. Wenn man bei Google sucht, stößt man schnell auf Martin Bühlers Internetauftritt. Tausende Anfragen per E-Mail bekommt er nach eigenen Angaben pro Jahr. Aber nur ein ganz kleiner Teil dieser Kontakte führte am Ende zur Samenspende. Auch Katharina Schneider hat sich im Netz über private Spender informiert.

"Irgendwie war uns das suspekt, was sind das für Männer? Wollen die nur Sex? Das kam für uns gar nicht infrage. Für uns war das Wichtigste, dass die Spender gesund sind, dass die getestet sind. Das ist halt in diesen Kliniken der Fall, dass wir wissen, das ist alles clean. Und wir wollten auch keinen Mann, der dann plötzlich da ist und vielleicht nachher sagt, ich möchte das Kind miterziehen, ich möchte das Kind dann und dann sehen. Wir wollten, dass da keine Missverständnisse aufkommen. Und deswegen kam für uns die Klinik in Frage und kein privater Samenspender."

"Hallo, ich bin Deutscher, aber als Soldat in Frankreich tätig. Und biete euch ganz unkompliziert meinen Samen. Ich bin hundertprozentig gesund, habe eine richtige Pferdenatur, haha! Und dass mein Samen gut ist, belegen schöne große Kinder - und sogar Problemfälle werden schwanger."

www.spermaspender-samenspender-sofort.com

"Ich glaube, dass die private Samenspende deswegen so in Verruf ist, weil viele Männer versuchen, sexuelle Gelüste auszuleben. Aber wer privater Samenspender ist, der hat sich echt im Thema vergriffen, wenn er denkt, er kann sexuelle Fantasien ausleben."

Groß, ein bisschen stämmig, blonde Haare, blaue Augen. Martin Bühler wirkt im Gespräch sympathisch, glaubwürdig und integer. Man kann sich gut vorstellen, wie er mit potenziellen Kundinnen ganz ähnlich zusammensitzt - und dass die Hilfe suchenden Frauen ihm schnell vertrauen. Auf seiner Webseite präsentiert Bühler die private Samenspende als seriöses Angebot.

"Das Wichtigste ist, dass man sich wirklich zwei, drei Mal trifft, schaut, wie sind die Lebensumstände, die Hintergründe einfach hinterfragt, warum der Weg gegangen wird. Und dann entscheidet im Endeffekt immer ein gewisses Bauchgefühl. Das kann natürlich sein, dass die Empfängerin sagt, Mensch, du bist so gar nicht unser Typ und die Wellenlänge stimmt nicht. Und dieses Recht hat natürlich auch der Spender zu sagen: Nein, ich stehe für euch nicht zur Verfügung. Und dann suchen die sich einen anderen. Die Option müssen beide Parteien einfach haben."

Wenn es dann ernst wird, muss es schnell gehen.

"Man kann schlecht mit einem Billigticket planen, denn der weibliche Zyklus richtet sich nicht nach Sparangeboten der Deutschen Bahn. Sondern es ist so, dass man dann hoppla-hopp abreist. In dem Moment, wo bei der Frau der LH-Wert ansteigt, heißt das, dass man sich innerhalb von ein paar Stunden auf die Reise macht. LH-Wert ist das Hormon, was der Frau anzeigt, dass die fruchtbare Zeit jetzt direkt bevorsteht. Das ist jedes Mal eine Art Feuerwehreinsatz. Es gibt die Nachricht per Mail oder SMS, dann wird entsprechend der Flug gebucht oder mit dem ICE die kurzmöglichste Verbindung gewählt."

Zu Martin Bühlers Kundinnen gehören neben lesbischen Paaren auch alleinstehende Frauen, die keinen passenden Partner finden. Und in solchen Fällen hat er auch die Grenzen einer einfachen Dienstleistung überschritten.

"Als dieser Markt entstanden ist mit Singlefrauen, war ich bei Entbindungen dabei. Weil natürlich auch eine Singlefrau ungern allein ins Krankenhaus geht. Da ist es natürlich wichtig, dass man nach der Geburt sagt: Jetzt entlasse ich euch in eure Welt, euer Leben, das ihr euch alle gewünscht habt. Man hat dann noch sporadisch Kontakt, schreibt noch. Aber man muss nach der Geburt, auch wenn es sich brutal und emotionslos anhört, einen Schnitt machen."

Noch heikler ist die Samenspende bei heterosexuellen Paaren - wenn der Kinderwunsch am Mann scheitert.

"Frauen sind da viel rationeller. Die sagen, Mensch, wenn ich einen Mann habe, der zeugungsunfähig ist, ihn liebe, warum soll ich dann nicht die Spermien eines anderen Mannes nutzen, um mit dem Mann, der zeugungsunfähig, mein Familienglück zu bekommen? Oft war es dann notwendig, dass man nur mit dem Mann spricht, unter vier Augen, ohne Frau. Und versucht, diese Angst zu nehmen von den Männern. Männer haben da oft starke Komplexe und ein Problem mit der Tatsache, dass seine Frau ein Kind austrägt, wo er nicht dran beteiligt ist. Auch, wenn kein Sex im Spiel ist, trotzdem."

Was die rechtliche Absicherung angeht, verlässt sich Martin Bühler auf individuelle Verträge mit seinen Kundinnen.

"Wenn man anguckt, wer sich im Internet alles tummelt, da wird mir ganz bange, gerade wenn Singlefrauen sich mit irgendwelchen Männern treffen, die sie im Internet kennengelernt haben. Das Problem ist, dass wir in Deutschland eine gewisse rechtliche Problematik haben mit dem Ganzen. Diese rechtliche Grauzone nutzen viele Spender, um zu argumentieren, dass sie nicht namentlich benannt werden möchten. Dafür bin ich nie zur Verfügung gestanden. Ganz einfach aus dem Grund, weil ich persönlich der Meinung bin, dass ein Kind das Recht hat, zu wissen, von wem es abstammt. Ich hab das mit der bestmöglichen rechtlichen Sicherheit gemacht mit einem notariellen Vertrag, den ein Familienanwalt ausgearbeitet hat. Man kann einen Vertrag machen, dass die Paare in der Haftung wären für den Fall, dass ein Kind auf Unterhalt klagt. Daher hatte ich nie Bedenken, dass da was passiert."

Unterhaltsfragen sind noch nicht geklärt

Umstritten ist, ob solche privaten Verträge juristisch bindend sind. Nach dem richtungsweisenden Hammer Urteil, das die Samenbank zur Auskunft über den leiblichen Vater der Klägerin verpflichtete, ist die Unsicherheit aller Beteiligten eher noch größer geworden. Zwar besteht kein akuter Umsetzungsbedarf, solange der Bundesgerichtshof nicht dazu auffordert. Mittelfristig aber muss und will der Gesetzgeber das rechtliche Dilemma auflösen.

"Wir werden das Recht des Kindes auf Kenntnis seiner Herkunft bei Samenspenden gesetzlich regeln."

So steht es auf Seite 99 im schwarz-roten Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung. Doch das Kapitel "Zusammenhalt der Gesellschaft”, in dem die anstehenden familienpolitischen Themen behandelt werden, belässt es bei diesem einen Satz. Im Ministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend erwartet man in absehbarer Zeit keinen Gesetzentwurf dazu. Ähnliche Signale kommen aus dem Justizressort und dem teilweise ebenfalls zuständigen Gesundheitsministerium. Das Thema Samenspende stehe derzeit nicht ganz oben auf der Prioritätenliste, heißt es unisono - frühestens 2015 sei mit einer entsprechenden Initiative zu rechnen. Und solange bleibt die rechtliche Situation kompliziert. Familienanwältin Michaela Verweyen:

"Es kommt darauf an, wie die Konstellation ist. Wenn zum Beispiel ein Samenspender einem lesbischen Paar gespendet hat, das in eingetragener Lebenspartnerschaft lebt und die auch die Stiefkindadoption durchgeführt haben, dann ist der Spender mit allen Rechten und Pflichten raus aus diesem Verhältnis zum Kind. Es wird kein Unterhalt geschuldet, es bestehen keine gegenseitigen Erbansprüche oder Ansprüche auf Waisenrente. Dann ist die Adoptivmutter der zweite Elternteil dieses Kindes. Wenn ein Samenspender Samen spendet und es kommt nicht zur Stiefkindadoption - sei es, dass das Paar nicht verheiratet ist, sei es, dass sie sich vor der Adoption trennen - dann kann er auf Unterhalt in Anspruch genommen werden, wenn die Kindesmutter ihn als Vater feststellen lässt. So ganz klare Antworten kann man in diesem Bereich nicht geben, weil es ist eine ganz neue Materie. Im Grunde genommen preschen die Paare vorweg. Und das Recht hinkt hinterher."

Koalitionsvertrag gibt Absichtserklärung ab

Die kurze Passage im Koalitionsvertrag zur Samenspende kann man immerhin als Absichtserklärung werten, dass sich die Bundesregierung in dieser Legislaturperiode um das Thema kümmern möchte. Solange diese Planungen aber Theorie bleiben, wie aus den Fachreferaten zu hören ist, müssen alle Betroffenen weiterhin persönliche Risiken eingehen: die Spender, weil sie nicht wissen, ob die ihnen zugesagte Anonymität Bestand hat. Die gezeugten Kinder, weil es keine per Gesetz fixierte Auskunftspflicht über ihre biologischen Väter gibt; die Empfängerinnen, weil bei gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften die Frage der Adoption nach wie ungeklärt bleibt. Im Fall des lesbischen Paares zum Beispiel ist die zweite Mama Anne Wündrich für ihre beiden Samenbank-Kinder formaljuristisch eine Fremde. Die leibliche Mutter Katharina Schneider:

"Ich gelte als alleinerziehend, weil wir nicht verpartnert sind. Wenn mich jemand vom Amt fragt, ist der Vater halt einfach unbekannt. Ich sage das auch, wie die Kinder entstanden sind, aber in der Geburtsurkunde steht nur die Mutter drin."

"Es wäre schön, wenn die künftige Adoptivmutter ihre Mutterschaft anerkennen könnte schon vor der Geburt des Kindes - wie es ja für ein heterosexuelles Paar möglich ist, auch wenn die nicht verheiratet sind."

Samenspender Martin Bühler plädiert schon aus ethischen Gründen für ein Verfahren, bei dem der leibliche Vater identifizierbar bleibt.

"Eine anonyme Spende, da wird eigentlich einem Kind das Recht auf Abstammungswissen genommen, das ist nicht in Ordnung. Auch deswegen immer mein Angebot, dass ich später bereitstehe, die Kinder zu treffen. Ich habe mit Spenderkindern Kontakt, weil natürlich nach einem gewissen Alter die Kinder einfach wissen möchten, woher sie abstammen. Ich habe oft gemerkt, dass die Kinder nach ein, zwei Treffen, dass diese Neugierde einfach gesättigt ist. Das sind oft ganz banale Fragen, die Kinder haben: Was ist das für ein Typ, was hat er für Augenfarben, wie redet er? Ich finde das Schlimmste, was man machen kann, dass man Kindern so etwas verheimlicht."

Für Bühler ist aber auch klar:

"Ein Spender ist kein Papa-Ersatz, kein Vater, der sich kümmert."

Die Zahl der Kinder, deren leiblicher Vater er ist, möchte er nicht nennen.

"Ganz einfach aus dem Grund, weil ich glaube, es würde eine öffentliche Diskussion entstehen: Wie oft darf sich eine Person vermehren? Wir haben auch das Problem der Inzucht, auch das ist bei der privaten Spende nicht geregelt. Das heißt, dass sich zum Beispiel Geschwister verlieben könnten, die von einem Spender sind. Da wird in der Reproduktionsmedizin immer ganz arg drauf geachtet, dass eine Samenbank von einem Spender nur zwischen vier und sechs Kinder zeugt. Das ist aber ein Schönreden, weil Fakt ist, dass jeder Spender an jede Samenbank so oft spenden kann wie er möchte. Ich werde oft gefragt, ob man einen gewissen Stolz hat, wenn man so viele Kinder gezeugt hat. Da muss ich sagen: Nein, man hat da keinen besonderen Stolz. Stolz können eigentlich die Väter sein, die diese Rolle auf sich nehmen und Kinder erziehen, sich kümmern. Aber nicht Männer, die einmal Sperma abgegeben haben. Auf die genetische Herkunft wird viel zu viel Augenmerk gelegt. Ich glaube, dass das ein Mittel zum Zweck ist, den Kinderwunsch zu erfüllen."

Die meisten Samenspender wollen nicht nur gegenüber Empfängerinnen und Kindern anonym bleiben. Sie scheuen auch die Öffentlichkeit. Dass Martin Bühler zu einem Interview bereit war, noch dazu mit seinem richtigen Namen, hat einen simplen Grund.

"Für mich ist eine Samenspende wie Blutspenden, nur sind die Auswirkungen natürlich langwieriger, immerhin geht es um ein Leben, das entsteht. Es ist nicht nur so, dass man Spermien abgibt, es ist so, dass man mit den Paaren teilweise über viele Jahre mitleidet. Weil jeder Misserfolg ist eine Niederlage für das Paar, heißt, wieder ein neuer Versuch. Irgendwann kommt der Zeitpunkt, wo es nicht mehr so einfach ist, das alles beiseitezuschieben. Das ist der Punkt, wo man aufhören sollte. Das habe ich gemacht, ich bereue es nicht, ich bereue aber auch nicht, vorher das so lang gemacht zu haben."

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