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Seit 01:10 Uhr Hintergrund
StartseiteForschung aktuellGrenze zum Gift im Nanobereich15.05.2017

Schnelltest für Superdroge FentanylGrenze zum Gift im Nanobereich

Fentanyl ist ein Opiat, das 1000 Mal so stark wirkt wie Heroin. US-Dealer mischen damit mittelmäßige Chargen Heroin ordentlich auf. Das kann nicht nur Junkies töten, sondern auch Retter in Gefahr bringen - bei einem so potenten Gift genügt es häufig schon, den Staub einzuatmen. Ein neuer Schnelltest zeigt nun, wieviel Stoff im Blut ist und wieviel Gegengift man braucht - jede Sekunde zählt.

Von Joachim Budde

Drei Flaschen Fentanyl in einem Notfall-Paket (Franziska Kaufmann / dpa)
Auf die Dosis kommt es an: Fentanyl ist ein sehr starkes, dem Opium ähnliches Schmerzmittel, das in Deutschland unter das Betäubungsmittelgesetz fällt. Es ist als Narkotikum und in der Notfallmedizin gebräuchlich. (Franziska Kaufmann / dpa)
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Als Dan Kallen aus dem US-Bundesstaat New Jersey im Jahr 2015 zusammen mit Kollegen ein Haus durchsuchte, stieß er auf ein Plastiktütchen mit weißem Pulver. Der Polizist öffnete den Beutel, löffelte eine Probe heraus und verschloss ihn wieder. Dabei drückte er Luft und einen dünnen Nebel aus der Tüte – kurz darauf ging es ihm so schlecht, dass er in die Notaufnahme eines Krankenhauses musste.

Vor solchen Situationen wollen Forscher des NIST, des Nationalen Instituts für Standards und Technologie der USA in Gaithersburg bei Washington, Polizisten künftig bewahren. Denn das weiße Pulver in dem Plastikbeutel war Heroin, das mit Fentanyl aufgepeppt war. Das ist ein synthetisches Opiat, sagt Edward Sisco:

"Fentanyl ist eintausend Mal wirksamer als Morphium und etwa hundert Mal wirksamer als Heroin. Es genügen wenige Mikrogramm bis Milligramm, um es überzudosieren. Bei Heroin sind es hunderte von Milligramm."

2015: 52.000 Fentanyl-Tote in den USA

Fentanyl ist eigentlich ein Schmerzmittel. Doch immer häufiger wird es Rauschgift beigemengt. Das hat laut US-Gesundheitsbehörde dazu geführt, dass im Jahr 2015 in den USA mehr als 52.000 Menschen an einer Überdosis starben. Das sind 75 Prozent mehr als 2014. Manche Fentanyl-Analoga, also Stoffe, die Fentanyl in ihrer chemischen Struktur sehr ähnlich sind, wirken zum Teil noch einmal weitaus stärker als Fentanyl. Edward Sisco hat eine Methode entwickelt, um diese Substanzen zu identifizieren:

"Heroin und Fentanyl lassen sich leicht auseinanderhalten, denn ihre Massen sind sehr unterschiedlich. Das eigentliche Problem stellt sich bei Stoffen mit derselben Masse aber unterschiedlicher chemischer Struktur – so wie bei manchen Fentanyl-Analoga. Die im Massenspektrometer zu unterscheiden hat, uns einige Mühe gekostet."

Schnelltest für Polizei und Rettungskräfte

Edward Sisco und seine Kollegin Jessica Staymates wollten, dass ihre Methoden auch unterwegs funktionieren, damit Polizei und Rettungskräfte schnell feststellen können, womit sie es zu tun haben, sagt Jessica Staymates: 

"Wir verwenden zwei Methoden. Eine heißt Ionenmobilitäts-Spektrometrie oder IMS. Sie kommt häufig an Flughäfen oder bei anderen Sicherheitskontrollen zum Einsatz, etwa bei der Suche nach Sprengstoff oder Drogen nachweisen. Wir haben uns angeschaut, wie gut wir damit die verschiedenen Opiate unterscheiden können."

So ein Ionenmobilitätsspektrometer ist gerade einmal doppelt so groß ist wie eine Mikrowelle. Jessica Staymates demonstriert, wie es funktioniert.

"Ich habe hier ein Papiertuch, mit dem ich Partikel von dieser Ein-Dollar-Note wische. Ich stecke sie in das Instrument. Die Analyse dauert zwischen sieben und zehn Sekunden, damit die Leute schnell durch die Sicherheitskontrollen kommen. Wir haben Kokain auf dem Dollar. Das ist nicht besonders überraschend, weil sehr viele Geldscheine Kokainspuren tragen."

Verdächtige Tütchen ohne Risiko testen

Die zweite Spektrometrie-Methode funktioniert ganz ähnlich. Sie basiert auf der sogenannten Direkt­analyse in Echtzeit, kurz DART. Sie ist etwas empfindlicher, dafür weniger flexibel einsetzbar, sagt Ed Sisco.

"Unsere Studie zeigt die Stärken und Schwächen der beiden Techniken. In einem kriminaltechnischen Labor zum Beispiel ist DART die bessere Option. Für einen Schnelltest im Kofferraum eines Polizeiautos hingegen IMS."

Die NIST-Chemiker haben die Profile von 16 Fenta­nyl-Analoga beschrieben. Sobald die Hersteller ihre Geräte damit programmiert haben, können Polizisten verdächtige Plastiktütchen testen, ohne sie öffnen zu müssen. Denn Spuren des Inhalts gelangen beim Befüllen immer auch an die Außenseite und bleiben dort haften.

 

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