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StartseiteAus Kultur- und SozialwissenschaftenDen Betroffenen zuhören19.05.2016

Sexueller MissbrauchDen Betroffenen zuhören

Sexueller Missbrauch an Kindern und Jugendlichen sorgt immer wieder für Schlagzeilen. Vielen Opfern fällt es schwer, sich Angehörigen oder Beratungsstellen anzuvertrauen - das Gefühl der Scham ist oft zu groß. Eine unabhängige Expertenkommission will die Fälle in Heimen, Schulen und Familien jetzt aufarbeiten.

Von Dörte Hinrichs

Ein kleines Mädchen sitzt an eine Wand gelehnt neben ihrem Schulranzen und hält sich die Hände vors Gesicht. (picture alliance / dpa / Nicolas Armer/dpa)
Viele Opfer von sexueller Gewalt trauen sich nicht, über das Erlebte zu sprechen. (picture alliance / dpa / Nicolas Armer/dpa)
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Am Anfang steht eine Zahl. Eine unfassbare Zahl. Sie bestätigt die enorme gesellschaftliche Dimension von sexuellem Missbrauch an Kindern und Jugendlichen:

"Die Zahlen sind ja auch lange bekannt, sind jetzt kürzlich auch wieder belegt worden, durch eine Studie, die im Auftrag des Missbrauchsbeauftragten publiziert wurde:  Also etwa für Deutschland jenseits dieser 12-13 000 Fälle, die jedes Jahr aktenkundig und juristisch verfolgt werden, eine Zahl von 1 Million betroffenen Kindern und Jugendlicher."

So die Schätzung. Hinzu kommt "eine Zahl von 7-8 Millionen Erwachsenen, die in ihrer Kindheit sexueller Gewalt ausgesetzt waren", so Jens Brachmann, Prof. für Allgemeine Pädagogik und Historische Wissenschaftsforschung an der Universität Rostock.

So verbreitet wie eine Volkskrankheit

"Und in der Tat ist es diesbezüglich auch angezeigt davon zu reden, dass sexueller Missbrauch das Ausmaß einer Volkskrankheit hat."

Damit ist sexueller Missbrauch hierzulande etwa so verbreitet wie Typ-2- Diabetes. Das belegen die Zahlen, die Wissenschaftler der Ulmer Universitätsklinik um Prof. Jörg Fegert in diesem Frühjahr publiziert haben. Sie werteten am Kompetenzzentrum Kinderschutz in Baden-Württemberg internationale Studien aus. Danach sind Mädchen stärker betroffen als Jungen und tritt sexuelle Gewalt häufig in Verbindung mit anderen Gewaltformen auf. Öffentlich wahrgenommen wird die erschreckende Dimension erst seit einigen Jahren, seit 2010, als eine Welle von Missbrauchsskandalen die Republik erschütterte:

"Insofern ist den Medien auch zu danken, dass die in 2010 belegten Fälle eine so große Aufmerksamkeit gefunden haben. Denn dank solcher pädagogischer Leuchttürme wie die Odenwaldschule oder die vorgebliche Eliteeinrichtung Canisius-Kolleg oder die Benediktiner-Gymnasien Ettal etc., die haben schließlich dann doch ermöglicht, dass man genauer hinschaute. Es gab natürlich auch schon vorher entsprechende Verdachtsfälle, die im Hinblick auf einzelne Einrichtungen artikuliert wurden: Also etwa wenn wir die Vorfälle sexualisierter Gewalt in den Heimeinrichtungen anschauten, aber diese Betroffenen hatten zunächst keine Lobby, das war wieder anders bei den "prominenten" Opfern an den großen Eliteeinrichtungen, da war der gesellschaftliche Reflex dann zunächst, dass man hinschaute."

Verzögertes Medienecho auf die Missbrauchsfälle an der Odenwaldschule

Doch auch hier gab es lange eine Kultur des Wegschauens. Dabei geht der 2010 von ehemaligen Schülern der Odenwaldschule gegründete Verein "Glasbrechen" heute von fast 500 Betroffenen an der Schule aus und von 17-18 Tätern, allen voran der inzwischen verstorbene Schulleiter Gerold Becker. Prof. Jens Brachmann hat die Geschichte der Vereinigung Deutscher Landerziehungsheime untersucht, und dabei auch den sexuellen Missbrauch an der Odenwaldschule und seine mediale Aufarbeitung rekonstruiert.

Weiter massiv in der Kritik: Die Odenwaldschule (OSO) in Ober-Hambach bei Heppenheim. (picture alliance / dpa / pdh-online.de)Fast 500 Betroffene gab es an der Odenwaldschule (OSO) in Ober-Hambach bei Heppenheim. (picture alliance / dpa / pdh-online.de)

"Selbst 1999, als der Missbrauchsskandal, veranlasst durch einen Schülerbrief, das erste Mal öffentlich wird, wird das Thema nicht weiter verfolgt. Wir wissen von drei Artikeln, die 1999 veröffentlicht worden sind, das war in der Frankfurter Rundschau, das war in einem Darmstädter Lokalblatt und einem Stuttgarter Lokalblatt. Diese hatten den Mut tatsächlich die Causa öffentlich zu machen, aber keines der großen Leitmedien hat das Thema weiterverfolgt, also weder 'Die Zeit', noch der 'Spiegel' etc."

Stockende Aufarbeitung

Brachmann spricht in diesem Zusammenhang von personellen Allianzen zwischen dem Journalismus, Repräsentanten der Reformpädagogik und der Odenwaldschule.

"Wir wissen inzwischen auch, dass es da in der Tat Informationsverhinderungsstrategien gab, die deutlich ausgeprägt waren, dass bei einflussreichen Redaktionen der Leitmedien angerufen wurde, das Thema doch bitte nicht weiter zu verfolgen. Wir schauen jetzt noch, dass wir diese Hinweise auch validieren können, dass wir hierfür entsprechende Belege auch in Archivmaterialien finden oder möglicherweise auch noch briefliche Zeugnisse, das wissen wir aber bisher aus Interviews."

Die Medien spielen eine entscheidende Rolle bei der Aufdeckung von sexuellem Missbrauch. Während über 10 Jahre das große mediale Echo auf die Missbrauchsfälle in der Odenwaldschule ausblieb, wurde ab 2010 umso ausführlicher über sexuelle Gewalt in verschiedenen Institutionen berichtet.

"Glücklicherweise konnte dieses Aufarbeitungsfahrwasser dann genutzt werden und es wurden eben auch auf politischer Ebene entsprechende Strukturen geschaffen, dass hier etwas intensiver eine Aufarbeitung in Gang kam."

Unabhängige Kommission beleuchtet sexuelle Gewalt

Die Öffentlichkeit ist seitdem stärker sensibilisiert und neue Forschungsprojekte wurden initiiert. Im Januar 2016 hat der Unabhängige Beauftragte für Kindesmissbrauch, Johannes-Wilhelm Rörig, neben Prof. Jens Brachmann sechs weitere Wissenschaftler in die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs berufen. Sie hat unter Vorsitz der Frankfurter Erziehungswissenschaftlerin Prof. Sabine Andresen in diesem Monat ihr Arbeitsprogramm präsentiert:

"Die Aufgaben beziehen sich darauf, dass wir Erkenntnisse gewinnen sollen durch die Anhörungen von Betroffenen und von anderen Zeitzeugen über das Ausmaß und die strukturellen Bedingungen, die sexuellen Kindesmissbrauch ermöglicht haben in Ost- und Westdeutschland. Wir gehen weit zurück, wir gehen einen breiten Fokus an. Und das international wirklich Einzigartige dieser Kommission ist, dass wir nicht alleine auf eine Institution blicken oder auf einen größeren institutionellen Kontext, wie etwa die Kirche, wie in Irland, sondern dass wir auch den Missbrauch in der Familie sehr genau aufarbeiten wollen. Wir wollen es wirklich wissen und das sind wir den Betroffenen von sexuellen Gewalt in der Kindheit auch wirklich schuldig."

Erfahrungen von Opfern in Forschung einbeziehen

Die Kommission meint es ernst mit der Aufarbeitung und will die Erfahrungen von Missbrauchsopfern gezielt in die Forschung einbeziehen:

"Jede betroffene Person kann sich an die Kommission wenden, wir haben eine Website, es gibt ein Infotelefon Aufarbeitung, wir haben schon eine Reihe von Anfragen für Anhörungen. Wir tragen dafür Sorge, dass Betroffene sehr schnell eine Rückmeldung bekommen, wann und wo die Anhörungen stattfinden werden. Denn die Grundidee ist, dass wir zusammen als Kommission und auch das Anhörungsteam der Kommission, dass wir durch die Republik reisen werden in den nächsten Jahren und die Anhörungen auch so durchführen können, dass Betroffene nicht weit reisen müssen. Es ist auch möglich, dass Betroffene eine Person ihres Vertrauens mitbringen, da ist Vertrauen, ein geschützter Raum, das ist gewährleistet. Wir werden vor Ort mit Beratungsstellen kooperieren, das ist ein unverzichtbares Element der Aufarbeitung."

Ende des langen Schweigens

Das Schmerzhafte, so lange Unausgesprochene, so lange Verdrängte soll endlich ausgesprochen werden. Dabei ist das lange Schweigen der Betroffenen für Sabine Andresen durchaus nachvollziehbar: 

"Diejenigen, die lange geschwiegen haben, verbinden das häufig mit dem Gefühl der Scham oder mit der Erfahrung und wie Täter sie beeinflusst haben, dass sie dieses Geheimnis nicht brechen dürfen, weil zum Beispiel dann die gesamte Familie gefährdet werden würde. Also dieser große Komplex, wie hat man Betroffene in ihrer Kindheit auch davon abgehalten, sich jemandem anzuvertrauen, wie wurde Druck ausgeübt, welche Gefühle sind entstanden? Das ist etwas, was eine ganz große Rolle spielt und was mit dazu beiträgt, nicht allein, aber was mit dazu beiträgt  dass es für viele Betroffene sehr lange braucht, um über diese zutiefst traumatischen Erlebnisse auch berichten zu können, darüber sprechen zu können."

Um diese Erlebnisse aufzuarbeiten ist für die von Missbrauch Betroffenen eine flächendeckende psychotherapeutische Versorgung wichtig mit kurzen Wartezeiten und qualifizierten Behandlern. Für betroffene Kinder und Jugendliche vergehen oft Monate und Jahre bis zu einer geeigneten Therapie.  Die Frankfurter Kindheitsforscherin Prof. Sabine Andresen und ihre Mitstreiter in der Unabhängigen Kommission wollen auch ergründen, warum so viele missbrauchte Kinder gescheitert sind, wenn sie doch versucht haben, sich anderen anzuvertrauen.

"Also dieses Schweigen der anderen und Wegsehen der anderen ist ein ganz wichtiger Punkt, auf den wir blicken müssen. Wir haben in den Gesprächen mit Betroffenen auch darauf zu gucken, wer hat denn einem Kind in einer solchen Situation geholfen, welche positiven Erfahrungen haben Kind oder Jugendlich auch gemacht? Auch daraus können wir ja Rückschlüsse ziehen, was ermöglicht es einem Erwachsenen, einem Kind Glauben zu schenken? Welche Fähigkeiten, welche Empathie muss man haben, die es ermöglicht, auch handeln zu können?"   

Mehr Wissen zu sexuellem Missbrauch in Ausbildungen und Studiengängen

Eine Konzeptgruppe Forschung im Beirat des Unabhängigen Beauftragten hat einen Forderungskatalog aufgelegt unter der Überschrift "Forschung  zu sexuellem Missbrauch - Vom Tabu zur gesamtgesellschaftlichen Aufgabe."  Daran mitgewirkt haben auch Mitglieder des Betroffenenrates, der sich im letzten Jahr konstituiert hat. Der fordert z.B. in Ausbildungs- und Studiengänge von Pädagogen, Psychologen, Medizinern und Juristen mehr Kenntnis zum Thema sexueller Missbrauch:  

"Zum Aufkommen, zum Wissen, zu Handlungsstrategien, zu Prävention und Intervention. Und in dieser Förderlinie sind nun 5 Juniorprofessuren eingerichtet worden an verschiedenen Standorten in Deutschland, deren eine zentrale Aufgabe es ist, Curricula zu entwickeln für verschiedene Studiengänge und diese auch zu prüfen. Damit verbunden ist auch das Anliegen über die Forschung und eine Vernetzung von Forschungsaktivitäten an vielen Unis und Fachhochschulen in Deutschland, also Wissen generieren über Forschung, Wissen vermitteln über die Lehre an Studierende und auch Wissen vermitteln in die verschiedenen Praxisfelder hinein. Also in die Schulen hinein, in die Kinder- und Jugendarbeit, in die Sportvereine hinein."

LED-Lichtsignale, die an zwei Haltestellen-übergängen in Augsburg im Boden eingebaut sind. Rote LED-Leuchten entlang des Bordsteins am Übergang blinken, sobald das Fußgängersignal der Ampel auf Rot schaltet und sich eine Straßenbahn nähert. So soll die Sicherheit für Fußgänger erhöht werden, die im Straßenverkehr auf ihr Smartphone schauen.  (picture alliance / Thomas Hosemann/Stadtwerke Augsburg)Sexuelle Gewalt im Alltag wird häufig fotografiert und ins Netz gestellt (picture alliance / Thomas Hosemann/Stadtwerke Augsburg)

Damit die Pädagogen sensibel und professionell mit Verdachtsfällen umgehen. Das ist auch im Interesse von Ursula Enders, Dipl.-Pädagogin und Trauma-Therapeutin sowie Mitbegründerin und Leiterin von "Zartbitter Köln", einer Kontaktstelle gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen und Jungen.

"Ich habe in den letzten Jahren mit großer Erleichterung festgestellt, dass viele Forschungsprojekte gelaufen sind, nach 2010, nachdem der große Missbrauchsskandal war. Im Augenblick haben wir einen anderen Skandal:  dass die Wissenschaft abgesichert wird, dass wir Juniorprofessoren haben,  und dass nach 2010 die Praxis nicht gestärkt worden ist. Zartbitter bekommt heute weniger Gelder vom Land NRW als zur Jahrtausendwende. Wenn Sie in die neuen Bundesländern gehen, haben Sie noch weniger Angebote, es gibt ein immenses Defizit im ländlichen Bereich. Es gibt ein irrsinniges Defizit an Angeboten für männliche Opfer sexueller Gewalt."

Erfahrungen der Fachberatungsstellen sind gefragt

Das bestätigt auch die Unabhängige Kommission des Missbrauchsbeauftragten. Sie möchte außerdem, dass Forschungsprojekte stärker an die Erfahrungen in den Beratungsstellen anknüpfen und so eine engere Verzahnung zwischen Wissenschaft und Praxis entsteht. Denn in den letzten 20 Jahren, so Ursula Enders, hat sich einiges getan:

"Betroffene Mädchen und Jungen können heute früher über Übergriffe sprechen, ihnen wird früher geglaubt, und deshalb werden viele massive Formen von sexueller Gewalt verhindert. Das liegt daran, dass es eine breite Informationsarbeit gibt in den Medien zu dem Thema und Kinder schon im Kindergarten, in der Schule, im Verein insgesamt über sexuelle Gewalt aufgeklärt werden und wissen, dass sie das Recht haben, sich Hilfe zu holen."

Schon für Kinder ab dem 1. Lebensjahr gibt es beispielsweise bei "Zartbitter" Präventionsangebote, zunächst als Elterninformationen, dann über Bilderbücher und in der Grundschule über Theaterstücke, die die Kinder in der Wahrnehmung ihrer Gefühle stärken und ihnen Mut machen sollen.  "Dein Körper gehört Dir" und "Hilfe holen ist kein Petzen" heißen bewährte Programme, mit denen schon eine ganze Elterngeneration aufgewachsen ist. In den Beratungsstellen reagiert man aber auch auf die vielfältigen aktuellen Erscheinungsformen von sexuellem Missbrauch:

"In der Präventionsarbeit von Zartbitter machen wir unterschiedliche Formen von Gewalt zum Thema, weil wir z.B. es häufig haben, dass gerade bei sexueller Gewalt durch Gleichaltrige, die übrigens einen großen Teil unserer Beratungsfälle ausmachen, häufig andere Formen von Gewalt dabei haben, z.B. Mobbing oder auch bei Jungen extrem viel körperliche Gewalt. Wir erleben es ständig, dass sexuelle Gewalt im Alltag z.B. fotografiert und ins Netz gestellt wird. Zartbitter arbeitet ja seit Anfang 2000 zum Thema sexuelle Gewalt im Netz und wir haben in ca. 50 Prozent aller 700 Beratungsfälle, die wir hier aus Köln im Jahr haben, pornografisches Bildmaterial."

Mangel an Schutzkonzepten 

Die Forschungsfelder wie auch die Beratungsarbeit im Bereich sexueller Kindesmissbrauch müssen sich den aktuellen Herausforderungen stellen. Dazu zählt auch der Einbau von Schutzkonzepten, was in kirchlichen und pädagogischen Institutionen auch zunehmend passiert: Da werden bei der Einstellung von Pädagogen z.B. erweiterte Führungszeugnisse verlangt. Aber das ist nicht überall selbstverständlich.

"Ganz kritisch sind die privaten Institutionen wie Nachhilfedienste, Musikschulen, Ballettschulen, Fitnessstudios, die nicht der staatlichen Kontrolle und Verpflichtung unterstehen, dort Schutzkonzepte zu implementieren. Bei den Flüchtlingsunterkünften ist es ehrlich gesagt im Augenblick verheerend, weil die unterstehen den Wohnungsämtern und die Wohnungsämter machen nicht wie die Jugendämter Auflagen, dass z.B. Mädchen und Jungen von Anfang an  über ihre Rechte informiert werden, dass es ein Beschwerdesystem gibt, d.h. Flüchtlingskinder in den meisten Flüchtlingsunterkünften in Deutschland haben eine riesige Gefahr, missbraucht zu werden, psychische Gewalt und auch körperliche zu erleben, hier haben wir eine komplette Kindeswohlvernachlässigung, Kindeswohlgefährdung noch."

Es gibt also noch viel Handlungs- und Forschungsbedarf, um Kinder und Jugendliche hierzulande besser vor sexuellem Missbrauch zu schützen. Es hat sich aber auch einiges getan, so Ursula Enders von "Zartbitter". Seit Anfang der 1990er Jahre hat sie sich auch mit dem Missbrauch in Einrichtungen beschäftigt und sie bei der Aufdeckung und Verarbeitung von sexualisierter Gewalt in den eigenen Reihen begleitet. Ohne die enorme Dimension von sexuellem Missbrauch kleinreden zu wollen, kommt sie zu dem Schluss:

"Die Präventionsarbeit der letzten 20 Jahre war wirklich effektiv und das sieht man z.B. daran, dass Missbrauch häufig sehr viel früher gestoppt wird, wenn es noch keine strafrechtlich relevante Handlung ist und folglich gibt es auch weniger Strafanzeigen. Oder es ist so, wenn die Vermutung eines Missbrauchs auftaucht, werden Pädagoginnen und Pädagogen ja viel früher freigestellt. Und früher wurde es hingenommen und irgendwann platzte die Bombe, dass dann immer mehr Kinder missbraucht worden waren."

Die Internetseite der Missbrauchsbeauftragten und ein Hinweis auf ein kostenloses Hilfetelefon finden sie hier:

https://beauftragter-missbrauch.de/

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