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StartseiteSprechstundeTherapien besser als Medikamente22.08.2017

Soziale AngststörungenTherapien besser als Medikamente

Für Menschen mit einer sogenannten sozialen Phobie sind Situationen wie das Vortragen von Referaten extrem belastend. Sie kann erhebliche Folgen, wie etwa einen Schul- oder Studienabbruch, nach sich ziehen. Der Psychotherapeut Falk Leichsenring rät bei solchen Angststörungen von einer medikamentösen Behandlung ab.

Falk Leichsenring im Gespräch Christian Floto

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Eine Frau sitzt vor einem Laptop und schlägt angesichts von Hassbotschaften per Facebook die Hände vors Gesicht. (imago / Reporters)
Menschen mit einer sozialen Angststörung fürchten sich vor Bloßstellung, etwa vor einer Prüfung oder einem Vortrag. (imago / Reporters)
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Er könne nicht pauschal sagen, welche Therapie er empfehlen würde, so Leichsenring. Das hänge von dem jeweiligen Menschen und der persönlichen Bevorzugung ab. Sowohl die kognitive Verhaltenstherapie, als auch die psychodynamische Therapie seien ungefähr gleich wirksam.

Er rät von Medikamenten, den Selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI), ab, da sie zwar im ersten Moment Wirkung zeigten, aber keine dauerhafte Lösung seien. So würden Symptome nicht behandelt, sondern lediglich unterdrückt. Diese treten wieder auf, sobald die Medikamente abgesetzt werden.

Eine Möglichkeit sei die kognitive Verhaltenstherapie. Sie beschäftige sich mit den Prozessen, die solche Ängste aufrecht erhalten. Das sogenannte Sicherheitsverhalten werde dabei problematisiert, erläuterte Leichsenring. So schrieben sich Betroffene zum Beispiel ihren Vortrag Wort für Wort vor und lesen diesen ab. Sie denken, dass der Vortrag nur geklappt hat, eben weil sie sich alles aufgeschrieben haben. Bei der kognitiven Verhaltenstherapie werde dann beleuchtet, was passiere, wenn das Sicherheitsverhalten ausgeübt wird und was, wenn dies nicht gemacht wird.

Beeinträchtigung des sozialen Lebens

Auch die psychodynamische Therapie beschäftigt sich laut Leichsenring mit den Prozessen und den Konflikten, die der Störung zugrunde liegen. So möchten sich die Betroffenen zum einen in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stellen, um angeschaut und auch bewundert zu werden, während gleichzeitig die Zweifel aufkommen von den anderen Kritik zu bekommen. Eben wegen dieser Befürchtung würden Situationen wie Präsentationen in der Schule, in der Uni oder bei der Arbeit vermieden.

Das könne zu erheblichen Beeinträchtigungen im Leben führen, wie ein früher Schul- oder Studienabbruch oder die Krankschreibung, so Leichsenring. Aber auch bei der Teilnahme in anderen Lebenssituationen können sich diese Ängste negativ auswirken. Betroffene hätten Angst, unter Menschen oder auf Partys zu gehen oder generell neue Menschen kennenzulernen.

Leichsenring empfiehlt Menschen, die handlungsorientiert sind und nicht in sich hinein schauen möchten, eher die kognitive Verhaltenstherapie. Menschen, die verstehen möchten, warum sie diese Ängste schon seit langer Zeit haben, legt er die psychodynamische Therapie nahe.

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