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StartseiteUmwelt und VerbraucherWindkraft wird jetzt zur "Regel"21.12.2015

StromnetzeWindkraft wird jetzt zur "Regel"

Wenn der Wind nicht weht und wenn die Sonne nicht scheint, dann übernehmen häufig konventionelle Kraftwerke die Stromversorgung. So ist es bisher, doch so soll es nicht bleiben. Stromnetzbetreiber wollen die Netzstabilität künftig auch durch Windenergie regeln. Damit steigt die Konkurrenz für die fossilen Energien.

Von Ludger Fittkau

Ein Feld in Sachsen-Anhalt nach der Ernte. Im Hintergrund stehen Windräder. (imago/Westend61)
Ein Feld in Sachsen-Anhalt mit Windrädern im Hintergrund. (imago/Westend61)
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Die deutschen Übertragungsnetzbetreiber heißen 50Hertz, Amprion, Transnet BW und TenneT. Sie sind dafür verantwortlich, dass Schwankungen im Stromnetz ausgeglichen werden. Dazu benutzen sie das Instrument des "Regelenergiemarktes", an dem sie täglich Strom kaufen können, um das Netz stabil zu halten. Ulrike Hörchens, Sprecherin des Netzbetreibers TenneT in Bayreuth: "Bislang halten ja vor allem konventionelle Kraftwerke Regelleistungen vor oder beteiligen sich am Regelleistungsmarkt. Und jetzt wäre es das erste Mal so, dass das auch Windparks können. Das heißt, wir haben immer mehr erneuerbare Energieanlagen, die eben auch Regelleistungen liefern können und damit eben auch das System stabil halten können. Und das ist schon ein Paradigmenwechsel."

Das findet auch der Physiker Dr. Werner Neumann. Er ist Sprecher des Arbeitskreises Energie für den Bund für Umwelt und Naturschutz in Deutschland – BUND: "Hier ist es ein ganz wichtiger Schritt, dass Windenergie, und mit der Photovoltaik wird das wahrscheinlich auch noch kommen, das erneuerbare Energien an diesem Markt teilnehmen können, der bislang nur den fossilen Kraftwerken vorbehalten war."

"Die Prognosen werden immer besser"

Die Grundlage für den Beschluss der vier deutschen Stromnetzbetreiber, Windparks für den Regelenergiemarkt zuzulassen, ist ein stark verbessertes Wissen darüber, wie stark der Wind in den kommenden Tagen wehen wird. Mit der Windkraft ist einfach besser zu kalkulieren als noch vor ein paar Jahren, so Ulrike Hörchens, Sprecherin des Netzbetreibers TenneT in Bayreuth: "Die Prognosen werden tatsächlich immer besser, das ist ein Entwicklungsprozess, das stellen wir auch fest. Man muss dazu sagen, das sind immer noch Prognosen. Aber sie sind so gut geworden, dass die Teilnahme für die Windparks an Regelleistung möglich ist."

Vor der Windkraft waren bisher lediglich Biogasanlagen und Wasserkraft als regenerative Energieformen am Regelenergiemarkt vertreten. Auch gegen diese anderen regenerativen Energiequellen wird die Windenergie auf diesem Markt künftig täglich konkurrieren. - wie auch gegen Erdgas oder Braunkohle. Am Ende entscheidet der angebotene Strompreis darüber, welche Reserveenergien die vier Netzbetreiber zum Ausgleich möglicher Leistungsschwankungen im Internet kaufen. Ulrike Hörchens vom Netzbetreiber TenneT: "Die Windparks stehen in Konkurrenz zu den konventionellen Anlagen, also auch Gaskraftwerken und Kohlekraftwerken, aber eben auch zu Wasserkraft und Biogasanlagen. Und seit Neuestem dann auch zu Batteriespeichern. Und gerade bei den erneuerbaren Energien haben wir mehrere tausend Biogasanlagen schon am Regelenergiemarkt."

"Das drängt fossile Kraftwerke zurück"

Doch trotz dieser Konkurrenz begrüßt die Windenergiebranche den Beschluss der Netzbetreiber ausdrücklich. Wie es mit der Windkraft am Regelenergiemarkt klappt, soll jetzt in einem Pilotprojekt erprobt werden. Werner Neumann vom BUND geht davon aus, dass die Windenergie den erneuerbaren Energien in der Konkurrenz mit den fossilen Energien auf dem liberalisierten Strommarkt zusätzlichen Schwung geben könnte: "Wenn da neue Marktteilnehmer, insbesondere Windenergie, das werden aber nicht Einzelanlagen, sondern ganze Pools sein von mehreren Anlagen gemeinsam, wenn die dann halt auch auf diesem Markt mitwirken können und entsprechend günstigere Preise anbieten können, dann drängt das auch fossile Kraftwerke am Regelenergiemarkt zurück und aus der Sicht von Umwelt- und Klimaschutz kann man das nur gut heißen."

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