• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
Seit 22:00 Uhr Nachrichten
StartseiteInformationen am MorgenLeben mit dem Klimawandel02.12.2015

TansaniaLeben mit dem Klimawandel

Es gießt aus Kübeln, wenn doch eigentlich Trockenheit herrschen sollte und bleibt knochentrocken, wenn in früheren Zeiten mit Regen gerechnet wurde. Tansania ist der Klimawandel deutlich zu spüren. Darunter leiden auch die Massai. Ein EU-finanziertes Entwicklungsprojekt sucht nach Möglichkeiten, um das Nomadenvolk für die neuen Bedingungen fit zu machen.

Von Sabine Hackländer

Eine Massai im Norden Tansanias (AFP / Joseph Eid)
Eine Massai im Norden Tansanias (AFP / Joseph Eid)

"We get a very bad way of life because goats and cows are dying, because of this climate change. And we don't know how to do."

Ziegen und Kühe sterben wegen des Klimawandels, und wir wissen nicht wie wir damit umgehen sollen, erzählt Issaja, einer der Dorfältesten. Diese Ratlosigkeit ist der Grund dafür, dass die Europäische Union eben hier, in der Savanne Tansanias, ein zwei-Millionen-Euro-Projekt ins Leben gerufen hat. Das Öko-Boma-Dorf Mkuru. Es befindet sich im Norden Tansanias, nicht weit entfernt vom schneebedeckten Gipfel des Kilimandscharo, während sich der Serengeti-National-Park rund 100 Kilometer weiter westlich erstreckt. Früher, erzählt Issaja, sei sein Stamm mit den Viehherden umhergezogen, heute bleibe man besser, wo man sei.

"Die Massai sind niemals nur an einem Ort geblieben. Wenn es irgendwo sehr trocken war, dann sind wir eben dorthin hingezogen, wo es Regen gab, aber das tun wir heute nicht mehr, weil es so viele von uns gibt. Wenn du also wegziehst und später wieder kommst, ist der Platz schon von andern besetzt. Also bleiben wir hier."

Doch auch die Sesshaftigkeit bringt Probleme. Das Grasland ist überweidet, Ziegen und Kühe unterernährt, und das Wasser wird immer knapper, während die Zahl der Menschen, die von diesen Ressourcen leben müssen, immer größer wird. Das Entwicklungsprojekt, das nun seit April dieses Jahres von der EU finanziert wird, soll helfen, diese Probleme zu bewältigen, erklärt Hevucatus Maschunda, Ökologe am Nelson Mandela African Institute in der nahen Bezirkshauptstadt Arusha .

"Ein Ziel ist zum Beispiel die Zucht von Kühen, die mehr Milch produzieren. Dann könnte man nämlich die Anzahl des Viehs reduzieren, und so, mit weniger Kühen, mehr produzieren."

Maschundas Institut hat maßgeblich an den neuen Überlebensstrategien des Öko- Dorfs Mkuru mitgearbeitet. Es soll Vorbild sein für viele weitere Massai-Dörfer in der Region. Eine der ersten Aktionen der Helfer war die Instandsetzung und der Ausbau bereits bestehender Wasserspeicher: Endlich wieder Wasser in guter Qualität, und in unmittelbarer Nähe, was für die Frauen des Dorfes ein Grund zum Feiern ist, denn sie sind es die, notfalls kilometerweit laufen müssen, um Wasser und Feuerholz zu besorgen.

Traditionen werden aufgebrochen

Im Ökodorf Mukuru versucht man also, mit dem Klimawandel Schritt zu halten. Doch es ist gleichzeitig auch eine Abkehr von traditionellen Strukturen, die stattfindet. In der patriarchalischen Welt der Massai lernen die Frauen nun, wie man selbsthergestellten Schmuck, oder Lederprodukte auf dem Markt verkauft. Auch das ist Teil des EU-Projekts in Mkuru. Zunächst wird allerdings Grundsätzlicheres geübt: Wie kauft man selbst ein, ohne dabei betrogen zu werden?! Circa 15 Frauen sind für diese Übung im Gemeindehaus zusammengekommen. Francesca von der tansanischen Nichtregierungsorganisation Oikos erklärt die Spielregeln.

"So, ein Verkaufsstand wird von Josefine geführt, die selbst Massai ist, ihre Sprache spricht und, die sie seit langem kennen. Und der andere Stand wird von mir, einer Musungu, also einer weißen Frau geführt. Vielleicht wird sie das abschrecken, oder aber neugierig machen. Wir werden sehen, was passiert."

Schnell wird klar, dass die Frauen keinen blassen Schimmer haben, wie man Handel treibt. Schon beim Einkaufen von Zucker, Reis und einer Flasche Cola lassen sie sich gnadenlos übers Ohr hauen. Doch die Hoffnungen sind groß, demnächst selbst handgefertigte Produkte auf dem Markt verkaufen zu können.

Auf insgesamt vier Jahre ist das EU-Projekt in Mkuru nun angelegt. Am Ende sollen bessere Lebensbedingungen für mehr als 5000 Menschen und der Erhalt des Ökosystems dieser einmaligen Landschaft stehen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk