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StartseiteUmwelt und VerbraucherMenschenaffen sollen Grundrechte bekommen08.05.2014

TierschutzMenschenaffen sollen Grundrechte bekommen

Wissenschaftler haben längst belegt, dass Menschenaffen genetisch und evolutionsgeschichtlich uns Menschen am nächsten sind. Schimpansen, Gorillas, Orang-Utans & Co. sollen nun auch Grundrechte in deutschen Zoos eingeräumt werden. Eine entsprechende Initiative wurde heute in Berlin vorgestellt.

Von Dieter Nürnberger

Zwei Schimpansen (picture alliance / dpa)
Studien belegen dass Menschenaffen zumindest in Ansätzen abstrakt denken und Gefühle wahrnehmen können. (picture alliance / dpa)
Weiterführende Informationen

Das Rätsel Mensch: Wie wir wurden, was wir sind (Deutschlandfunk, Wissenschaft im Brennpunkt, 16.03.2014) 

Erhaltungszucht schützt Arten, nicht Individuen (Deutschlandfunk, Forschung aktuell, 10.03.2014) 

Spiel statt Streit (Deutschlandfunk, Forschung aktuell,  09.08.2013)

Spöttisch könnte man jetzt sagen, dass das allgemeine Wahlrecht immerhin nicht darunter fallen soll. Aber: Die Initiative, die heute vormittag hier in Berlin Grundrechte für Menschenaffen forderte, kennt natürlich inzwischen längst auch solche Häme. Ein ernstes Anliegen hat sie aber dennoch.

Bei den Grundrechten für Menschenaffen denken die Initiatoren vor allem an Rechte auf persönliche Freiheit, auf Leben und auch auf körperliche Unversehrtheit. Und diese Rechte will man tatsächlich auch im deutschen Grundgesetz verankert sehen.

Ein wichtiger symbolischer Schritt

Beispielsweise Laura Zimprich, sie ist die Vorsitzende der Organisation "animal public" und auch Tierrechts-Expertin, die aktuell auch am Säugetiergutachten der Bundesregierung mitgearbeitet hat: "Wir glauben, dass das einfach ein wichtiger symbolischer Schritt ist. Man erkennt somit an, dass die Grenze zwischen Mensch und Tier eine willkürliche ist, die der Mensch einmal gezogen hat. Ähnlich willkürlich, wie früher die Grenze zwischen Mann und Frau oder auch Schwarz und Weiß. Diese Grenzziehung wollen wir mit dieser Grundrechts-Initiative hinterfragen. Wir können es nicht einfach über das Tierschutzgesetz regeln, sondern wir müssen anerkennen, dass diese Tiere Bedürfnisse haben und auch so weit entwickelt sind, dass sie eigentlich wie schutzbedürftige Menschen angesehen werden müssen."

Geht es nach den Vorstellungen der Initiative, dann würde es künftig beispielsweise als Unrecht gelten, wenn Menschenaffen in medizinischen Experimenten geschädigt würden. Oder auch generell, wenn sie unter unwürdigen Bedingungen gehalten werden oder auch der Lebensraum zerstört wird. Zu den Menschenaffen gehören beispielsweise der Gorilla oder Orang-Utan, ebenso der Schimpanse oder der Bonobo. Menschenaffen - das ist wissenschaftlich nicht mehr groß umstritten - gelten als unsere nächsten Verwandten im Tierreich. Sie zeigen zahlreiche Verhaltensweisen, die denen des Menschen ähnlich sind. Sie können beispielsweise mehr oder wenig einfache Werkzeuge benutzen, sie leben in ähnlichen Strukturen wie wir Menschen. Dennoch sind die meisten Arten stark bedroht in ihren Populationen, so Laura Zimprich von "animal public": "Das eine sind die Tiere in freier Natur, die hoch bedroht sind. Sie werden verfolgt und ausgerottet - etwa für die Gewinnung neuer Palmöl-Plantagen. Auf der anderen Seite haben wir viele Tiere, die in Gefangenschaft gehalten werden. Aus rein wirtschaftlichen Interessen, nicht aber, um ihre Art zu schützen."

Haltungsbedingungen in Zoos katastrophal

Parallel zur Forderung einer Verankerung von Grundrechten für Menschenaffen wurde heute auch eine Studie über die Haltungsbedingungen in deutschen Zoos veröffentlicht. Hier gab es in den vergangenen Tagen stets auch Einzelfälle, die bundesweit Schlagzeilen machten. Colin Goldner ist Leiter der deutschen Sektion des "Great-Ape"- Projekts, welches sich für die Interessen dieser nächsten tierischen Verwandten des Menschen einsetzt. Goldner hat in den vergangenen zwei Jahren 38 deutsche Zoos besucht und sich dort die Haltungsbedingungen angesehen. Sein Fazit: Von wenigen Ausnahmen abgesehen, seien diese Bedingungen eine Katastrophe, die vor allem zu Verhaltensstörungen bei den Menschenaffen führen würden. Goldner: "Besonders auffällig - selbst für Laien - sind Bewegungsstereotypien - die Tiere schaukeln mit dem Oberkörper, sie werfen den Kopf hin und her. Oder sie gehen innerhalb ihrer Gehege im Kreis immer dieselben, kleinen Distanzen ab. Hyper-Aggressivität, gelegentlich auch Hyper-Sexualität, gehören dazu, hinzu kommen auch Apathie, Lethargie oder Essstörungen. Es gibt kaum eine Störung zoonotischer Art, die sich gerade bei Menschenaffen nicht finden ließe."

Deshalb die Forderungen, künftig auf Nachzuchten zu verzichten, auch keine Neuimporte mehr zuzulassen und somit die Haltung auslaufen zu lassen. Und Colin Goldner hat auch schon eine Idee, wie die künftigen Lebensbedingungen der Menschenaffen aussehen könnten: "Meine Utopie wäre eine Insel, etwa in Griechenland oder auch Kroatien, wo die Tiere das ganze Jahr über weitgehend eigenverantwortlich leben könnten. Auch im Winter keine energieintensiven Warmhäuser brauchten, die ja immer beengt sind und zu neuem Leiden führen."

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