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StartseiteMarkt und MedienSuche nach der Reporter-Drohne31.01.2015

US-MedienSuche nach der Reporter-Drohne

Zum Handwerkszeug des Journalisten könnte neben Notizblock, Kamera und Mikrofon bald auch eine Drohne gehören. Eine Allianz von US-Medien, zu der unter anderem die New York Times und die Washington Post gehören, forscht mit Wissenschaftlern fieberhaft an Einsatzszenarien.

Von Kerstin Zilm

Eine Kleindrohne des Typs "Surveycopter" der Firma Airbus (Foto: Tom Schimmeck)
Eine Kleindrohne vom Typ "Surveycopter" der Firma Airbus: Bald könnten die unbemannten Flugobjekte auch im Journalismus eingesetzt werden. (Foto: Tom Schimmeck)
Weiterführende Information

20 Jahre Spiegel Online - Kampf um Klicks und Anzeigen
(Deutschlandfunk, Markt und Medien, 25.10.2014)

Undercover-Journalismus - "Wäre eigentlich Aufgabe der Öffentlich-rechtlichen"
(Deutschlandfunk, Markt und Medien, 27.09.2014)

Social Media - Hyperlokaler Journalismus per Smartphone
(Deutschlandfunk, Markt und Medien, 22.02.2014)

Ein Flug über brennende Hügel von Kalifornien; Bilder von abgesperrten Regionen nach Naturkatastrophen wie Erdbeben, Tornados oder einem Tsunami; Aufnahmen von einer Demonstration gegen Polizeibrutalität oder einem Unfall. Es ist leicht vorstellbar, wie der Einsatz von Drohnen Nachrichtenberichterstattung ergänzen könnte - mit Bildern und mit Informationen. Drohnen kommen dorthin, wo Menschen nicht hinkommen oder wo sie Gefahren ausgesetzt sind, wenn sie es versuchen. Eine Drohne könnte bald zum Werkzeug jedes Journalisten gehören, wie Mikrofon, Kamera, Notizblock, Stift und Smartphone. Rose Mooney leitet das journalistische Drohnenforschungsprojekt an der Universität Virginia Tech:

"Was uns interessiert, ist der regelmäßige Gebrauch der Technologie. Das bedeutet, dass ein Journalist das unbemannte Flugsystem aus dem Kofferraum holen und einsetzen kann, ohne die Sicherheit zu gefährden. Das wird noch ein paar Jahre dauern, aber in den nächsten sechs bis neun Monaten wird es sicher eingeschränkte Einsätze geben.

Virginia Tech leitet die 'Mid Atlantic Aviation Partnership', eine Organisation von sechs Standorten, die der US-Kongress für den Test von unbemannten Drohnen eingerichtet hat. Zum ersten Mal wird sich die Universität mit journalistischen Einsätzen befassen. Sie arbeitet dabei unter anderem mit der Washington Post, der New York Times, NBC, der Nachrichtenagentur AP und Getty Images zusammen. Es geht darum, Regulierungen zu finden, die der Informationspflicht dienen und gleichzeitig Sicherheit und Privatsphäre garantieren. Keine leichte Aufgabe, gibt Rose Mooney zu:

"Nachrichten passieren überall. Mitten in der Stadt, mitten auf dem Land. Eine der Herausforderungen für Journalisten ist, dass sie oft von Gegenden berichten, wo viele Menschen sind, anders als beim Drohneneinsatz für Landwirtschaft oder die Inspektion von Gebäuden. Die Grundfragen sind eher wie bei der Polizei - mehr Leute sind vor Ort. Die Konsequenzen müssen untersucht werden."

Auch ethische Fragen zu klären

CNN und Georgia Tech arbeiten an einem ähnlichen Projekt. Die Wahrung von Sicherheit, Privatsphäre und Datenschutz steht auch hier im Mittelpunkt. Bisher haben in den USA nur wenige öffentliche Einrichtungen die Erlaubnis, Drohnen einzusetzen. Zum Beispiel zum Sammeln von Klima- und Wetterdaten und bei Rettungseinsätzen. Bei der Forschung zum journalistischen Einsatz der unbemannten Flugsysteme geht es um grundsätzliche Fragen. Es geht um die Regulierung moderner Technologie. CNN-Rechtsexpertin Mel Robbins:

"Es sieht schick aus, aber in Wirklichkeit ist es nur die neuste Entwicklung von ferngesteuerten Modellfliegern mit einer Kamera dran. Ich denke die Privatsphäre ist mehr gefährdet durch Smartphones, Tablets und so weiter. Die kommen dir ganz nah, im Fitnesscenter oder anderswo. Wer sich im öffentlichen Raum bewegt wird aufgenommen."

Die US Luftfahrtbehörde hat angekündigt, in wenigen Monaten Regelungen für den kommerziellen Einsatz der unbemannten Flugsysteme bekannt zu geben. Bei den Formulierungen sollen auch die Studienergebnisse der Medienorganisationen helfen. Rose Mooney von Virginia Tech sieht sie als bahnbrechende Forschung.

"Für mich ist an dem Projekt am aufregendsten, dass Drohnen nicht nur nützlich sind, indem sie schnell Informationen für Journalisten und andere sammeln können, sondern auch, dass die sich dafür nicht mehr in Gefahr bringen müssen."

Sicherheitsprobleme beim Einsatz von Drohnen dürften bei den Studien einfacher zu lösen sein als die grundsätzlichen Fragen nach Grenzen zwischen investigativem Journalismus und Paparazzi-Jagd, zwischen Pressefreiheit und dem Recht auf Privatsphäre.

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