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StartseiteKalenderblattAls der Handel mit Elfenbein verboten wurde17.10.2014

Vor 25 JahrenAls der Handel mit Elfenbein verboten wurde

Königshäuser waren erpicht auf das "weiße Gold", und auch die Kirchen wollten das kostbare Material, um Gott damit zu ehren. Die Nachfrage nach Elfenbein und Wilderei wuchs. In den 1980er-Jahren war der Weltbestand an Elefanten um die Hälfte dezimiert worden. Deshalb verbot das Washingtoner Artenschutzabkommen am 17. Oktober 1989 den Handel mit Elfenbein.

Von Regina Kusch

(epa / Tia Goldenberg)
Elefanten an einer Wasser-Stelle (Bild: epa / Tia Goldenberg). (epa / Tia Goldenberg)
Weiterführende Information

Elefantengipfel in Botswana - WWF fordert Bekämpfung von Elfenbein-Schmuggel
(Deutschlandfunk, Umwelt und Verbraucher, 03.12.2013)

Elfenbein gegen Waffen
(Deutschlandradio Kultur, Weltzeit, 02.09.2013)

In China boomt das illegale Geschäft mit dem Elfenbein
(Deutschlandfunk, Umwelt und Verbraucher, 08.10.2012)

Eine Olifante, geblasen von Musikern der Berliner Staatsoper. Auf den Schlachtfeldern des Mittelalters riefen diese reichlich mit Schnitzereien verzierten Elefantenhörner zum Angriff. Doch nicht nur Ritter, auch Monarchen und vor allem Geistliche begehrten das "weiße Gold".

"Je kostbarer ein Material ist, desto geeigneter ist es, um Gott zu ehren."

Julien Capuis, Leiter der Skulpturensammlung im Berliner Bodemuseum, hat etwa hundert ganz unterschiedliche Elfenbeinarbeiten ausgestellt. Die meisten sind religiöse Darstellungen.

"Wenn man Stücke wie diese hier ... sieht, wir stehen hier vor einem wunderschönen ... zweiteiligen Relief aus dem 16. Jahrhundert aus Konstantinopel, mit einer Darstellung von Maria und Christus, kann man den Reiz dieses Materials verstehen. Es glänzt, es hat eine Struktur, es hat sehr deutliche haptische Qualitäten."

Außerdem lässt sich Elfenbein vielseitiger bearbeiten als z.B. Holz erklärt die Restauratorin im Bodemuseum, Hiltrud Jehle.

"Es ist einerseits sehr dicht gewachsen, aber man kann es trotzdem in alle Richtungen beschnitzen. Es ist hochpolierbar, das hat man im Barock sehr attraktiv gefunden und man kann Elfenbein zum Beispiel auch sehr gut drechseln. Das lässt kein Material so schön zu.

Ende des 19. Jahrhunderts erreichten durch den Elfenbeinhandel der britischen, niederländischen und portugiesischen Kolonien bald größere Mengen den europäischen Markt. Über 800 Tonnen jährlich wurden eingeführt, das entsprach etwa 800.000 getöteten Tieren. Elfenbein wurde billiger und industriell verarbeitet z. B. zu Griffen für Essbestecke oder Spazierstöcken, Spielsteinen, Klaviertastaturen, Billardkugeln oder Schmuck. Es wurde zur Massenware und verlor seine Bedeutung in der Kunst.

"Die Entwicklung des Porzellans hat dem Elfenbein Konkurrenz gemacht, man konnte auch diese weiße, glänzende Oberfläche herstellen."

Dennoch blühte international ein unkontrollierter Elfenbeinhandel und damit die Wilderei. Vor allem in Asien war die Nachfrage gestiegen. Die wohlhabenden Schichten schmückten sich damit als Statussymbol. Außerdem wird bis heute zerriebenes Elfenbein als Wundermittel zur Potenzsteigerung teuer gehandelt. In den 80er-Jahren waren die Elefantenbestände weltweit um die Hälfte dezimiert. Am 17. Oktober 1989 unterzeichneten deshalb auf der Washingtoner Artenschutzkonferenz (CITES) 177 Staaten ein globales Handelsverbot für Elfenbein. Doch mittlerweile wurden die Bestimmungen durch zahlreiche Ausnahmeregelungen aufgeweicht. Namibia, Botswana und Simbabwe exportieren weiterhin Elfenbein nach China und Japan. Stoßzähne dürfen als nichtkommerzielle Jagdtrophäen ausgeführt und antikes Elfenbein kann legal gehandelt werden. In Thailand befindet sich einer der größten unkontrollierten Elfenbeinmärkte Südostasiens. Der Handel mit Stoßzähnen von einheimischen, domestizierten und eines natürlichen Todes gestorbenen Elefanten ist dort erlaubt. Dieses Schlupfloch wird ausgenutzt, um illegales afrikanisches Elfenbein ins Land zu schmuggeln und dann als Thai-Elfenbein zu deklarieren. Artenschützer gehen davon aus, dass jährlich bis zu 50.000 Elefanten von Wilderern getötet werden.

Für Julien Capuis kann jeder zum Artenschutz beitragen. Privatpersonen, indem sie kein Elfenbein kaufen. Das Bodemuseum klärt in seiner Skulpturensammlung über den illegalen Elfenbeinhandel auf.

"Es ist unsere Rolle, das Publikum auf die Ausrottung der Elefanten in Afrika und in Asien aufmerksam zu machen. Gleichzeitig haben wir eine Verpflichtung und eine Verantwortung, wir sammeln kulturhistorische und künstlerisch bedeutende Objekte aus der Vergangenheit. Man muss sich beider Verantwortungen bewusst sein als Museum."

Das soll auch für die Kirchen gelten. Denn immer noch stehen Devotionalien aus Elfenbein bei Gläubigen aus allen Erdteilen hoch im Kurs. Naturschützer fordern deshalb von allen Religionen, öffentlich zum Schutz von Elefanten aufzurufen. Auf der Artenschutzkonferenz in Bangkok 2013 haben Vertreter aus Buddhismus, Hinduismus, Islam und Christentum solche Bekundungen abgegeben. Offiziell ist der Vatikan dem Artenschutzabkommen bisher allerdings noch nicht beigetreten.

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