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StartseiteInterview"Ein Festival der schlechten Laune"24.12.2017

Weihnachten"Ein Festival der schlechten Laune"

Man sitzt tagelang mit Leuten zusammen, die man den Rest des Jahres nicht sieht, bekommt Geschenke, die man nicht braucht und hört zum 1.000 Mal dieselben Anekdoten: Schlechte Laune sei an Weihnachten vorprogrammiert, sagte die Journalistin und Autorin Andrea Gerk im Dlf. Schlimm findet sie schlechte Laune aber nicht.

Andrea Gerk im Gespräch Kathrin Hondl

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Eine zerbrochene goldene Weihnachtskugel (imago/Bahnmüller)
Streit unter Weihnachtsbaum gehört oft zum Fest dazu (imago/Bahnmüller)
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Was tun, wenn sich die fröhliche Festtagsstimmung unterm Christbaum nicht einstellen will? Das sei gar nicht schlimm und eigentlich eher die Normalität, meint Andrea Gerk. Sie hat ein Buch übers Motzen geschrieben - ein "Lob der schlechten Laune". Gerade an Festtagen sei man in einer Sondersituation, man sitze tagelang mit Leuten zusammen ohne die Möglichkeit, sich dem zu entziehen. Hinzu kämen Faktoren wie ungeliebte Geschenke, der Stress der Vorweihnachtszeit oder Verwandte, mit denen man sonst kaum etwas zu tun habe.

Geschenke unter einem Weihnachtsbaum. (Unsplash/Thought Catalog)Geschenke unter einem Weihnachtsbaum. (Unsplash/Thought Catalog)

Interessant sei, dass die schlechte Laune gesellschaftlich immer weniger akzeptiert werde. Im Kino sei das anders. Dort zeige die schlechte Laune viele Gesichter. Ein Beispiel: Jack Nicholson als motziger Einzelgänger in "Besser geht's nicht". Gleiches gelte für die Literatur. Der Roman "Ein Mann namens Ove" von Fredrik Backman über einen verbitterten alten Mann, der sich nach dem Tod seiner Frau zurückzieht, sei ein Bestseller geworden, sagte Gerk.

Im Alltag unerwünscht

Im Alltag hingegen sei schlechte Lauen unerwünscht. Sie führte auf die stark von sozialen Netzwerken geprägte Gegenwart zurück. Allgemein herrsche "ein Zwang zur guten Laune". Gesundheit, Körper, Leistung, alles werde optimiert - das betreffe auch das Gemüt.

DieAutorin Andrea Gerk (Deutschlandradio / Bettina Straub)DieAutorin Andrea Gerk verteidigte im Dlf den Gemütszustand der schlechten Laune, der auch Thema ihres aktuellen Buches ist (Deutschlandradio / Bettina Straub)

Dabei sei gerade schlechte Laune etwas Positives. Sie wirke wie ein reinigender "Störfall" und mache darauf aufmerksam, dass etwas in der ansonsten auf Perfektion getrimmten Alltagswelt nicht in Ordnung sei.

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