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StartseiteInformationen am MorgenSchwule Katholiken unerwünscht 30.07.2016

Weltjugendtag in KrakauSchwule Katholiken unerwünscht

Homosexualität ist in Polen noch immer ein Tabu. Die Gruppe "Glaube und Regenbogen" will das ändern und kämpft für mehr Verständnis für Schwule und Lesben. Offiziell agieren darf die Gruppe beim Weltjugendtag in Krakau aber nicht. Also treffen sie sich heimlich.

Von Florian Kellermann

Homosexualität. (picture alliance / Jose Jacome)
Schwule und Lesben sind in Polen noch immer massiver Ausgrenzung ausgesetzt. (picture alliance / Jose Jacome)
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Eine Vorstadt-Kneipe in Krakau, im ersten Stock eines alten Mietshauses. Der 20-jährige Jakub schaut sich vorsichtig um. Er ist hierher gekommen, weil sich hier während des Weltjugendtags schwule und lesbische Katholiken treffen.

"Ich bin von Klein an im katholischen Glauben erzogen worden, deshalb fühle ich mich auch als Katholik. Hier in Krakau habe ich einen anderen Schwulen getroffen, der mir von diesem Treffpunkt erzählt hat. Meine Eltern wissen nichts von meiner sexuellen Orientierung, sie wissen nur, dass ich beim Weltjugendtag bin."

Den Treffpunkt in der Kneipe organisiert die Gruppe "Glaube und Regenbogen". Das sind Schwule und Lesben, die in der katholischen Kirche bleiben wollen - obwohl diese ihren Lebensstil missbilligt. Die Gruppe bemühte sich vergeblich, ihr Projekt offiziell in den Weltjugendtag zu integrieren.

Immerhin habe sie der Krakauer Kardinal Stanislaw Dziwisz empfangen und ihnen zugehört, sagt Marcella Koscianczuk, eine der Organisatoren:

"Zu unserer Gruppe kommen viele, die sehr leiden. Daran ist auch die Sprache schuld, die mit der Kirche verbundene Menschen verwenden. Und, weil sie auf die Kirche hören, grenzen manche Familien Schwule und Lesben völlig aus, vor allem auf dem Land. Sie glauben, dass Schwule vom Teufel besessen sind. Sie rufen sogar bei ihren Arbeitgebern an und stellen sie bloß. Sie ruinieren ihr Leben und glauben, das sei zu ihrem Besten."

Hoffen auf Papst Franziskus

Schon deshalb will die 33-jährige Marcella in der Kirche bleiben: Nur so kann sie dort auch Einfluss nehmen. Außerdem macht ihr Papst Franziskus Hoffnung: Sie rechnet ihm hoch an, dass er Homophobie in der Kirche und von Gläubigen verurteilt.

Wie groß der Hass ist unter konservativen Katholiken, erfuhr die Gruppe, als sie ihren Treffpunkt zum Weltjugendtag im Internet ankündigte:

"Als wir gelesen haben, dass sie kommen wollen, um uns zu töten, dass sie internationale Schlägertrupps zusammenzustellen, da waren wir schon entsetzt und hatten Angst. Jetzt patrouilliert die Polizei die ganze Zeit vor dem Gebäude, wir fühlen uns geschützt."

Besonders die Tatsache, dass in der Kneipe auch ein Gottesdienst für Schwule und Lesben stattfand, stieß im Internet auf wütende Kommentare. Der Pfarrer stammte aus dem Ausland, seinen Namen hält Marcella lieber geheim.

Auch zu polnischen Pfarrer unterhalte die Gruppe Kontakt, erzählt Daniel, ein 29-jähriges Mitglied:

"Viele Pfarrer sind homosexuell, ich kenne einige persönlich. Die einen kommen zu uns und nehmen teil. Den anderen macht unsere Gruppe Angst, sie fürchten, ihre Neigung könne ans Licht kommen. Manche von ihnen versuchen sogar, unserer Gruppe zu schaden."

Worten Taten folgen lassen

Daniel denkt radikaler als Marcella: Er hält es für einen Skandal, dass der Treffpunkt nicht offiziell zum Weltjugendtag gehört. Er erwartet von Papst Franziskus auch Taten: So solle die Kirche Schwule nicht mehr diskriminieren, wenn sie für ihren Einrichtungen Mitarbeiter sucht, meint Daniel.

An ihrem Treffpunkt organisiert die Gruppe in diesen Tagen auch Übungen, die jungen Homosexuellen helfen sollen, sich zu öffnen. Jakub, der 20-jährige Besucher des Weltjugendtags, hat teilgenommen:

"Schön war, dass ich zum ersten Mal mit Menschen reden konnte, die so sind wie ich."

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