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"Wikidata geht es nicht darum, Wahrheit zu speichern"

Wie das Projekt mit unstimmigen Daten jongliert

Eigentlich soll das Projekt Wikidata nur 'harte' Fakten speichern. Sich dabei mit vielen Ländern auf einheitliche Angaben zu einigen, ist aber schwerer als man annehmen mag. Manch scheinbar harmlose Antwort auf eine Sachfrage kann leicht zum Politikum werden, weiß IT-Journalist Keywan Tonekaboni.

Manfred Kloiber: Wikidata soll also die Fakten speichern, aber keine festen Positionen beziehen. Werden dann die Daten in der Datenbank nicht irgendwie beliebig, Keywan Tonekaboni?

Keywan Tonekaboni: Nein, denn ich kann nicht nur die reinen Daten eintragen. Es gibt auch ein Feld für die Quelle: 'Woher stammt diese Information'? Die große Frage war ja: Wie schaffen es Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen, Ländern, sich zu einigen? Denn scheinbar harmlose mathematische Fakten, wie 'Wie viele Kurden gibt es?', oder 'Wie groß ist die Fläche von Jerusalem?' werden zu einem Politikum. Lydia Pintscher sagte, es ist halt eine komplexe Welt – und die möchte man nicht in ein starres Gerüst packen. Also, Wikidata geht es nicht darum, Wahrheit zu speichern – sondern strukturierte Informationen jeglicher Art.

Kloiber: Aber dennoch sollen ja diese Daten auch verwendet werden können. Wer entscheidet denn, was aus den Dateneinträgen in der Wikipedia erscheint und welche Daten nicht erscheinen?

Tonekaboni: Das entscheidet jedes Wikipedia-Projekt, also jede Sprachfassung individuell. Wie das genau passieren soll, ist aber noch nicht klar. Genauso wenig wie, wann eine Quelle nicht mehr akzeptabel ist. Die Wikidata-Entwickler sehen das als Aufgabe der Community. Die soll Regeln entwickeln, also soziale Strategien, wie mit den Inhalten umgegangen wird. Wichtig ist aber auch: Wikidata ist ein eigenständiges Projekt. Es ist zwar für die Wikipedia gedacht, aber auch jeder andere kann diese Daten abfragen und nutzen. So gibt es zum Beispiel Experimente mit einer natürlichsprachigen Abfrage der Daten. Also: 'Nenne mir den Geburtsort von Angela Merkel' und ich bekomme die Antwort. Also wie bei Siri fürs iPhone. Nur halt ohne Spracherkennung. Und das Ganze heißt dann auch Wiri.

Kloiber: Die Wikipedia musste ja auch angepasst werden, so dass sie direkt auf Wikidata zugreifen kann. Ist jetzt damit die Arbeit an diesem Projekt Wikidata abgeschlossen?

Tonekaboni: Abgeschlossen nicht. Jetzt steht erst einmal Phase drei an – die automatische Aktualisierung und Übersetzung von Listenartikeln. Das sind Artikel, wie der Name schon sagt, die nur aus Listen bestehen, etwa die Liste aller Bundespräsidenten oder Großstädte mit Seehafen. Das ist insbesondere für die kleineren Wikipedien interessant. Außerdem fehlen in Wikidata noch wichtige Statements, also Datentypen. Zum Beispiel für Geodaten oder sogar für Zeit. Ausgelaufen ist dagegen die Anschubfinanzierung durch Google und durch die Stiftungen zweier Computerpioniere, nämlich die von Paul Allen, den Mitbegründer von Microsoft, und die von Gordon Moore, Internetbegründer. Damit, mit diesem Geld, wurden 13 Entwickler bezahlt. Jetzt geht es aber weiter mit einem kleineren Team. Und das wird finanziert durch den deutschen Wikimediaverein.

Kloiber: Sie haben ja eben gesagt, dass die Stifter für die Anschubfinanzierung Amerikaner waren. Dennoch: Das Projekt findet Betreuung durch den deutschen Wikimediaverein. Wie kommt das, dass gerade die deutsche Wikimedia das Projekt koordiniert?

Tonekaboni: Lydia Pintscher begründet das damit, dass es vor Ort bereits Leute gab, die mit dem Thema vertraut waren. Ein weiterer Grund ist sicher, dass die deutsche Wikimedia organisatorisch ganz gut aufgestellt ist und Infrastruktur hat, um so ein Projekt zu betreuen. Dann die Wikimedia Foundation, also die Stiftung hinter Wikipedia in den USA, ist zurzeit mit anderen Projekten beschäftigt.

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