Samstag, 28. Mai 2022

Bühnen-Abschied vor zehn Jahren
Biermösl Blosn - Bayerns böse Sängerknaben

In das Phänomen singender Familienensembles à la Trapp-Familie oder Kelly Family brachten die bayerischen „Biermösl Blosn“ einen sehr eigenen Ton - und sangen munter gegen die CSU-Hegemonie in ihrer Heimat an. Vor zehn Jahren traten sie von der Bühne ab.

Von Carola Zinner | 18.01.2022

Die bayerische Kultband Biermösl Blosn mit Christoph Well (l-r), Hans Well und Michael Well tritt am Dienstag (17.01.2012) im Stadttheater in Fürth (Mittelfranken) zum vorletzten Mal auf. Mit insgesamt zwei Auftritten beenden die Biermösl Blosn ihre mehr als drei Jahrzehnte dauernde Karriere. Grund für die Auflösung des Trios war nach Angaben von Hans Well ein längerer Prozess der Entfremdung unter den Brüdern.
Der vorletzte Auftritt der Biermösl Blosn 2012 in Fürth (dpa/Daniel Karmann)
„Gott mit Dir, Du Land der Baywa / deutscher Dünger aus Phosphat“: Es sind Zeilen wie diese, mit denen sie bekannt wurde, die „Biermösl Blosn“, wie die Brüder Hans, Michael und Christoph Well ihr Ensemble in Anlehnung an das „Biermoos“ tauften, ein nahe bei ihrem Heimatdorf Günzlhofen gelegenes Moor.
 „Herr Gott, bleib‘ dahoam im Himme / Mia habn Nitrophoska Blau“

Beheimatet in der Volksmusik

Freche, kritische Texte zu althergebrachten Melodien: Solche Auftritte der „Blosn“ verursachten Ende der 70er-Jahre einen Schock in Bayerns volksmusikalischer Szene, die damals fast ausschließlich von Traditionalisten geprägt war. Die Großfamilie Well war hier bestens bekannt; hatten die insgesamt 15 Kinder doch oft genug gemeinsam mit dem Vater, einem Lehrer, bei Sänger- und Musikantentreffen und anderen Traditionsveranstaltungen brav ihre Stückchen zum Besten gegeben:
„In so einer großen Familie tut sich ein Individuum relativ schwer. Und mein Weg war halt, ich habe relativ viele Instrumente gelernt, und hab‘ mich so für den großen Clan unentbehrlich gemacht.“ 

Fröhlich angesungen gegen CSU und WAA

So Christoph - Stofferl - Well, der zweitjüngste. Er brachte es bis zum Solotrompeter bei den Münchner Philharmonikern, musste die Karriere aber aus gesundheitlichen Gründen abbrechen und wurde anschließend zum musikalischen Mittelpunkt der „Blosn“, während Michael die Organisation übernahm und Hans den Großteil der Texte verfasste.
Griaß di Gott, Spekulant!
Pfüat di Gott, Ackerland!
Griaß di Gott, Hypobank!
Pfüat di Gott, Bauernschrank!
Griaß di Gott, Fertigschmeck
Pfüat di Gott, Knödel mit Speck!
Griaß di Gott, Punk und Rap
Pfüat di Gott, Kraudn-Sepp!
So wie 1985 in Burglengenfeld bei Protesten gegen die Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf ging es dann weiter: immer wieder aufs Neue sangen die Drei kraftvoll und hintersinnig an gegen die Obrigkeit, und da vor allem gegen die allmächtige CSU, die in Bayern Jahrzehnte lang bei der Wählerschaft die absolute Mehrheit hielt:
Griaß di Gott, Autobahn!
Pfüat di Gott, Auerhahn!
Griaß di Gott, Heimatmuseum!
Griaß di Gott, Squash-Zentrum!
Griaß di Gott, AKW!
Griaß di Gott, CoKG!
Griaß di Gott, ois beinand!
Tschüss, Bayernland!

Kooperation mit Kabarett-Star Gerhard Polt

Trotzdem - oder gerade deshalb - waren die Konzerte stets lange im Voraus ausverkauft, bei denen die „Biermösl Blosn“ Missstände anprangerte und sich - häufig im Zusammenspiel mit dem Kabarettisten Gerhard Polt - im Traditionston der Volksmusik lustig machte über die „Großkopferten“, die „Gschwollschädel“, dieses ganze dumpfe „Mia san Mia".
Dada packmas mpfda Gmüatlichkeit
dada mpfda mpfda Kraft und Schneid
dada mpfda mpfda mir san mir!

Die Beatles übertroffen

Mit dem Jahr 2011 aber begannen zum ersten Mal Misstöne aus dem Inneren der Gruppe laut zu werden: die drei waren sich nicht mehr einig, wie es weitergehen sollte. Hans plädierte für eine Kursänderung, fand damit jedoch bei den Brüdern keinen Anklang. So kam es schließlich zur Trennung, nachdem man bei einem gemeinsamen Abschiedskonzert am 18. Januar 2012 noch einmal sein ganzes Können gezeigt hatte. Die trauernde Fangemeinde fand in Stofferls Hinweis, dass man es doch immerhin 35 Jahre lang miteinander ausgehalten hatte, während die Beatles nur zehn schafften, genau so wenig Trost wie in dem Umstand, dass alle drei der Bühne in neuen Formationen erhalten blieben. Denn die Biermösl Blosn ist und bleibt halt einfach einzigartig. 

Zum Mist, da ghört der Käfer,
zum Ochsen ghört das Heu,
s’Plutonium ghört in Sperrvertrag
und nicht in Castor nei.

Zu die Spesen ghörn die Ritter
Zur Mark, da ghört der Pfennig
De Schuldn ghörn uns alle
Da Tegernsee gehört wenig!