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StartseiteCorsoDer Sound des Unsichtbaren10.07.2020

100 Jahre ThereminDer Sound des Unsichtbaren

In der Filmmusik wird das Theremin – ein berührungslos spielbares, elektronisches Musikinstrument – gern in Science-Fiction oder Horror-Filmen eingesetzt. Zum 100-jährigen Jubiläum ist es nun Schwerpunkt des "Heroines of Sound"-Festivals in Berlin.

Dorit Chrysler im Corsogespräch mit Anja Buchmann

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Doris Chrysler (© Wilson Santinelli)
Doris Chrysler, Co-Kuratorin des Festivals "Heroines of Sound 2020" (© Wilson Santinelli)
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Theremin heißt das elektronische Instrument, das vor 100 Jahren vom Russen Lew Theremin erfunden wurde. Es wird berührungslos gespielt, indem man ein elektromagnetisches Feld mit den Händen verändert. Die in Österreich geborene und in New York lebende Komponistin und Performerin Dorit Chrysler gilt als wegweisende Musikerin des Theremins und sie ist in diesem Jahr die Gastkuratorin des Berliner Festivals "Heroines of Sound" ein elektronisches Soundfestival mit feministischer Agenda.

Sensibles Interface der Klangproduktion

Im Corsogespräch erklärte Dorit Chrysler, wie schwer dieses "Interface der Klangproduktion" zu spielen ist.

Das ganze Gespräch mit Thereminspielerin Dorit Chrysler.

Es reagiere nämlich auf die kleinste Körperbewegung, aber auch auf jedwede Schaltkreise im Raum. "Für mich ist es, als wenn man die ganze Zeit auf einem Bein steht. Und so muss man es quasi mit den Tönen tun. Man muss den Ton einfach sehr schnell finden", erklärte sie. "Im Grunde ist man eigentlich immer auf Glatteis."

Coronafreundliches Instrument

Im Umkreis der Theremin-Spieler*innen sollte sich möglichst niemand aufhalten, um die Klangerzeugung nicht zu beeinflussen. Damit sei es "im Grunde ein coronafreundliches Instrument," sagte Dorit Chrysler im Deutschlandfunk.

In den USA sei das Instrument bekannter als in Europa, da es vor allem in den 40er und 50er Jahren in Hollywood populär war. "Bis heute würde man sich weltweit mehr Popularität für dieses Instrument wünschen." Deshalb sei es auch für sie als Gastkuratorin des "Heroines of Sound"-Festivals auch wichtig. Künstlerinnen vorzustellen, die mit dem Theremin arbeiten.

Das Klanginstrument biete nämlich viele Möglichkeiten, die noch viel zu wenig genutzt würden. Es könne sehr expressiv-melodiös wie eine Geige gespielt werden oder auch durch Effekte ergänzt werden. "Das Instrument ist besonders spannend, weil es noch relativ unetabliert ist. Diese autonome Freiheit ist sehr anziehend, um sich darauf ungestört einlassen zu können."

Genderloses Instrument

Es falle auf, das dass Instrument von auffallend vielen Musikerinnen gespielt werde. Das heiße aber nicht, dass das Theremin ein weibliches Instrument sei. "Zwar spiegelt sich im Klang womöglich das Klischee eines geisterhaften, ätherischen Frauenbildes wider", räumte Chrysler ein. Doch das Spektrum sei umfangreich. "Es kann sehr kräftig und groß, aber auch sehr sensibel und delikat klingen. Insofern ist es eigentlich eher genderlos."

Äußerungen unserer Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

Heroines of Sound 2020 -Frühe und aktuelle Held*innen elektronischer Musik
Digital und Live am 10.07. von 19:00 bis 24:00
aus dem Radialsystem Berlin.
Link zum Stream: arte.tv/unitedwestream

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