Donnerstag, 26. Januar 2023

Zunahme schwerer Infektionen
A-Streptokokken: Gefährlichkeit, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

In mindestens fünf europäischen Ländern gibt es laut WHO einen Anstieg von schwer verlaufenden, teils tödlichen Erkrankungen durch A-Streptokokken - vor allem bei Kindern. Das RKI verzeichnet auch für Deutschland einen ungewöhnlich steilen Anstieg.

17.01.2023

    Mit einem Otoskop untersucht eine Kinderärztin den Mund und Hals eines Mädchens.
    Der Anstieg von Infektionen durch A-Streptokokken betrifft vor allem Kinder im Alter von einem bis zehn Jahren (picture alliance / dpa / Christian Charisius)
    Viren und Bakterien sorgen in der kalten Jahreszeit regelmäßig für Krankheitswellen. Neben RSV und Influenza-Viren gibt es aktuell einen weiteren Erreger, der teilweise für schwere Verläufe von Erkrankungen sorgt: A-Streptokokken. In ihrer Meldung vom 15. Dezember 2022 berichtet die WHO über eine Zunahme invasiver Streptokokken-Infektionen der Gruppe A unter Kindern in mehreren europäischen Ländern, unter anderem in Frankreich, Irland, den Niederlanden, Spanien, Schweden und dem Vereinigten Königreich. Der Anstieg betrifft vor allem Kinder im Alter von einem bis zehn Jahren. Ende Dezember hat auch das Robert Koch-Institut auf eine Zunahme von A-Streptokokken-Infektionen in allen Altersgruppen hingewiesen.

    Was sind A-Streptokokken und welche Erkrankungen können sie verursachen?

    Streptokokken der Gruppe A sind kugelförmige Bakterien, die durch Tröpfchen übertragen werden und oft bei Kindern Probleme verursachen. Eine Infektion betrifft häufig die oberen Atemwege und verläuft oft mild. Sie kann aber auch eine Mandelentzündung, Scharlach, Hautinfektionen sowie Knochen- oder Gelenkentzündungen verursachen - bis hin zu Kreislauf- und Organversagen.
    "Vor dem zweiten Lebensjahr treten vor allen Dingen Haut- und Schleimhaut-Infektionen auch im Windelbereich auf", erklärte Nicole Töpfner, Kinder- und Jugendärztin am Uniklinikum Dresden, im Dlf. Bei Kindern zwischen dem sechsten und zwölften Lebensjahr seien Streptokokken der Gruppe A oft für Mandelentzündungen verantwortlich und könnten auch Blutvergiftungen sowie schwere, invasive Lokal-Infektionen verursachen, erklärt die Expertin.

    Wie ist die Situation in Deutschland - vor allem an den Kliniken?

    Auch in Deutschland, wo A-Streptokokken-Infektionen nicht meldepflichtig sind, nehmen die Fälle von schwereren Erkrankungen zu. In der Pandemie waren sie vergleichsweise niedrig. Das RKI weist darauf hin, dass "im 4. Quartal 2022 nun ein für die Jahreszeit ungewöhnlich steiler Anstieg von invasiven und nicht-invasiven Gruppe-A-Streptokokken aus Arztpraxen und Krankenhäusern zu verzeichnen" sei. Das berichtet auch Kinder- und Jugendärztin Töpfner. "Dabei ist dieses Spektrum, was die Kinder dann haben, bei diesen schweren Infektionen ganz unterschiedlich."
    Das RKI sieht aber keinen Grund zur Sorge. "Der beobachtete frühe Beginn der Gruppe-A-Streptokokken-Infektionssaison könnte durch die aktuell weite Verbreitung von Atemwegsviren begünstigt worden sein, die das Risiko von bakteriellen Infektion wie invasiven Gruppe-A-Streptokokken-Infektion erhöhen können." Die aktuellen Zahlen lägen unter dem Niveau der präpandemischen Jahre 2017 bis 2019. Dennoch erstaunten die extrem schwerwiegenden Verläufe, sagte Töpfner. "Weil wir das aus den letzten zwei Jahren so in der Frequenz auf gar keinen Fall kennen. Die Krankheitsbilder sind nicht neu, dass A-Streptokokken so etwas machen können, ist bekannt."

    Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

    In den meisten Fällen klingen die Infektionen von selbst ab oder lassen sich durch unterschiedliche Antibiotika therapieren. Wenn die A-Streptokokken in der Blutkultur nachgewiesen sind, kann man Penicillin verwenden, da es keine Penicillin-Resistenzen für A-Streptokokken gibt. Die Infektion kann somit gut behandelt werden - wenn denn ausreichend Antibiotikum in kindgerechter Form vorhanden ist.

    Gibt es eine Ursache für die Häufung der Infektionsfälle?

    Die Ursachen sind noch nicht bekannt. Eine Möglichkeit: Während der Pandemie-Schutzmaßnahmen war das Infektionsgeschehen insgesamt gedämpft - A-Streptokokken werden durch Infektionen begünstigt. Sie können "quasi Sekundärinfektionen nach der initialen Influenza-Infektionen verursachen, genauso wie zum Beispiel auch Hautinfektionen von A-Streptokokken nach Windpocken entstehen können", erläutert A-Streptokokken-Expertin Töpfner.
    Zudem sei der Träger-Status der Kinder durch die Präventionsmaßnahmen reduziert gewesen. Träger-Status bedeutet, dass asymptomatische Kinder durchaus A-Streptokokken im Rachen haben können, ohne dies zu bemerken. Dort wird auch eine gewisse Schleimhaut-Immunität gegen die A-Streptokokken aufgebaut. Das kann besonders in den Wintermonaten bis zu jedes fünfte Kind betreffen. Leichte Entwarnung gibt es von der Forschung: Es gebe laut den laufenden Untersuchungen noch keinen Hinweis darauf, dass sich die A-Streptokokken als Erreger verändert haben, so Töpfner, "also dass da molekulargenetische Veränderungen aufgetreten sein können, die das begünstigen."

    Welches sind typische Symptome einer A-Streptokokken-Infektion?

    "Die Symptome können ganz unterschiedlich sein, je nachdem, ob es sich um eine lokale Infektion durch die A-Streptokokken handelt oder um eine systemische", erläutert Kinderärztin Töpfner. Bei den lokalen Infektionen steht die Haut im Vordergrund - Symptome können dort Rötung, Schwellung oder Schmerzen sein.
    A-Streptokokken können auch Halsschmerzen verursachen. "Allerdings wird die größte Anzahl an Halsschmerz-Episoden durch Viren verursacht. Das heißt, man muss nicht bei jeder Halsschmerz-Episode ein Antibiotikum nehmen, sondern da gibt so Scorewerte, die der kinderärztliche oder hausärztliche Kollege dann hinzuziehen kann", so Töpfner. A-Streptokokken können auch per Schnelltest als Rachen-Abstrich nachgewiesen werden.
    Bei schweren Infektionen durch die A-Streptokokken kann das Kind hoch fiebern oder plötzlich einen sehr reduzierten Allgemeinzustand zeigen, das heißt schlapp oder weniger ansprechbar sein. Das seien absolute Warnsymptome, damit sollten die Eltern zum Arzt gehen. "Sonst können sie auch völlig unspezifische Symptome zeigen. Je jünger die Kinder sind, desto unspezifischer sind diese Warnsymptome", berichtet Töpfner. Wenn Kinder eine Atemwegsinfektion haben und das Fieber adäquat zu dieser Atemwegsinfektion sei, können man ein, zwei Tage warten, ob sich das Krankheitbild im Verlauf bessert. "Erst, wenn es sich verschlechtert, noch mal sekundär oder wenn es nicht weggeht, sollte man den kinderärztlichen Kollegen aufsuchen."
    Quelle: Lennart Pyritz, RKI, WHO, og