Sonntag, 04. Dezember 2022

Abgasskandal
Bericht: Winterkorn soll Manipulation gedeckt haben

Martin Winterkorn soll laut einem Medienbericht vor dem Bekanntwerden des Abgasskandals bei VW von den Manipulationen gewusst und sie gedeckt haben. Winterkorn war 2015 als Vorstandschef des Autokonzerns zurückgetreten.

25.09.2016

    Der frühere VW-Vorstandschef Martin Winterkorn während einer Pressekonferenz am 13. März 2014.
    Der frühere VW-Vorstandschef Martin Winterkorn (EPA FILE)
    "Bild am Sonntag" behauptet, dass der damalige Vorstandsvorsitzende bereits Ende Juli 2015 von Entwicklern über illegale Software in der Abgastechnik unterrichtet war. Also knapp zwei Monate, bevor VW die Nutzung eines solchen Programms am 20. September auf Druck von US-Behörden hin einräumte.
    Winterkorn soll "Vorgehensweise" bestätigt haben
    Aus dem Konzern hieß es dazu auf Anfrage, man nehme zu Spekulationen um die juristische Aufarbeitung des Themas keine Stellung. "Das ist ein laufender Prozess", sagte ein Sprecher in Wolfsburg der Deutschen Presse-Agentur.
    Die Boulevardzeitung beruft sich bei ihrer Darstellung auf ein ihr vorliegendes Papier mit dem Titel "Zulassung Diesel USA". Winterkorn soll demnach die "Vorgehensweise" bestätigt haben, zwei VW-Mitarbeiter das brisante Thema bei einem Gespräch in den USA lediglich "teilweise" offenbaren zu lassen. Belege für eine direkte Anweisung des Managers nennt die Zeitung nicht. Dass Winterkorn von Manipulationen gewusst habe, ergebe sich aus Zeugenaussagen. Er selbst habe sich dem Blatt gegenüber nicht dazu geäußert.
    Bislang liegt wenig Belastbares gegen die Konzernspitze vor
    Die US-Großkanzlei Jones Day durchleuchtet derzeit das Unternehmen und befragt zahlreiche Mitarbeiter. Ihr gegenüber sagte Winterkorn laut "Bild am Sonntag" aus, ihm sei zum Zeitpunkt der internen Information nicht bewusst gewesen, dass es sich um Betrug handelte - sonst hätte er eingegriffen. Bei dem Treffen in den Vereinigten Staaten im August 2015 sei den Behörden nur berichtet worden, dass betroffene Autos "nicht den gesetzlichen Anforderungen entsprechen", schreibt die Zeitung unter Verweis auf einen VW-Vermerk. Dagegen sei von betrügerischen Absichten keine Rede gewesen.
    Kanzlei sieht Winterkorn als Experte bei Abgasreduzierung
    Eine Düsseldorfer Kanzlei, die mehr als 100 Aktionäre vertritt, hält es derweil für unglaubwürdig, dass Winterkorn nichts von der Manipulation gewusst haben soll. Der NDR berichtet, dass die Kanzlei in einer gut 40-seitigen Stellungnahme an das Landgericht Braunschweig Winterkorn als ausgewiesenen Experten zum Thema Stickoxid-Emissionen und Abgas-Reduzierung einschätzt.
    Der Ende September vergangenen Jahres bekanntgewordene Diesel-Skandal mit Millionen manipulierten Wagen stürzte VW in eine tiefe Krise. In den USA, Deutschland und weiteren Ländern gibt es Zivilklagen und auch strafrechtliche Ermittlungen.
    (nch/fwa)