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StartseiteCorso"Rechte sind im Web präsenter"09.07.2019

AfD-Aussteigerin Franziska Schreiber"Rechte sind im Web präsenter"

"Rechten Parteien gelingt es eher, die Jugendlichen im Netz abzuholen", sagte Aktivistin und Buchautorin Franziska Schreiber im Dlf. Sie plädiert für eine Zusammenarbeit von YouTubern und etablierten Politikerinnen und Politikern - warnt aber vor Anbiederungsgesten.

Franziska Schreiber im Corsogespräch mit Raphael Smarzoch

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(Martin Lengemann)
YouTuberin und AfD-Aussteigerin Franziska Schreiber (Martin Lengemann)
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Franziska Schreiber "Inside AfD"

Die politischen Grabenkämpfe von heute finden nicht nur im Bundestag, nur bedingt in Fernseh-Talkshows oder in der Presse statt, sondern verstärkt in den sozialen Medien. Dort ist Franziska Schreiber aktiv. Sie twittert und macht YouTube-Videos über gesellschaftspolitische Themen. Bekannt wurde sie als AfD-Aussteigerin. Noch 2017 saß sie im Vorstand der Jungen Alternativen, der Jugendorganisation der AfD. Dann folgte der Parteiaustritt. In dem Buch "Inside AfD" beschreibt sie ihre Erfahrungen in der Partei und hält auch regelmäßig Vorträge. Zum Beispiel im Potsdamer Einsteinforum, wo sie vor ein paar Tagen Strategien der Gegenwehr gegen Rechtsextremismus diskutierte.

Augenhöhe statt Herablassung

YouTube, so Schreiber im Dlf, ist schon lange in der Mittelschicht angekommen und kein Nischenphänomen mehr. YouTuber hätten Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer und damit auch große Macht. Dennoch habe die Politik den Diskurs mit ihnen verschlafen. Niemals würden etablierte Politikerinnen und Politiker mit Fernsehmoderatorinnen und Fernsehmoderatoren etablierte Parteien so herablassend reden wie mit dem YouTuber Rezo. Keinesfalls solle man versuchen sich eine Jugendsprache anzueignen, sagte Schreiber weiter.

Wir haben noch länger mit Franziska Schreiber gesprochen - hören Sie hier die Langfassung des Corsogesprächs

Die Politik könne froh sein, dass die Jugend sich lange nicht politisiert habe, denn sonst wäre der Vertrauensbruch schon viel früher dagewesen. Die Rechten seien im Netz auch deshalb so viel präsenter, weil sie sich nach wie vor in den klassischen Medien unterrepräsentiert fühlen. Sie erreichten die Jugend besser, weil sie ihre Inhalte von jungen Menschen transportieren ließen, während die alteingesessenen Parteien eher honorige, ältere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit solchen Aufgaben betrauten, die manchmal nicht up todate seien.

Eine neue Diskursethik, eine neue Netiquette, könne man nur entwickeln, wenn man bekannte YouTuberinnen und YouTuber einbinde, sagte sie.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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