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StartseiteSport am Wochenende"Durch die Coronakrise wurden die Verhältnisse zementiert"27.06.2020

Analyse der Bundesliga-Saison"Durch die Coronakrise wurden die Verhältnisse zementiert"

Werder Bremen hat am letzten Spieltag noch die Relegation erreicht. Ein Problem der Bremer sei, dass zu lange eine Art Fußball gespielt worden war, der die Defensive vernachlässigt hat, sagte Taktik-Experte Tobias Escher im Dlf. Generell spielten die Bayern in der Bundesliga in einer Liga für sich.

Tobias Escher im Gespräch mit Astrid Rawohl

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Spieler von Werder Bremen jubeln über das Erreichen der Relegation. (dpa / picture alliance / Marvin Ibo Güngö)
Werder Bremen hat am letzten Spieltag die Relegation erreicht, aber die Mannschaft habe viel zu lange den falschen Fußball gespielt, sagte Taktik-Experte Tobias Escher. (dpa / picture alliance / Marvin Ibo Güngö)
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Werder Bremen hat den ersten Abstieg seit 40 Jahren erst einmal abgewendet. Durch den Sieg gegen den 1. FC Köln am letzten Spieltag der Fußball-Bundesliga kletterten die Hanseaten, doch noch auf den Relegationsplatz, weil der direkte Konkurrent Fortuna Düsseldorf parallel bei Union Berlin verlor. "Werder Bremen hat von einem Gegner profitiert, der schon ein bisschen in der Sommerpause war", analyisierte Escher den Auftritt der Kölner gegen die Bremer im Deutschlandfunk. "Aber es war eine der stärksten Saisonleistungen von Werder. Zudem erstmals mit der anvisierten Sturmvariante von Milot Rashica, Yuya Osako und Niklas Füllkrug."

Das Verletzungspech sei ein Problem in dieser Saison für die Norddeutschen gewesen, sagte Escher, aber Werder hatte auch Probleme den Abgang des Leistungsträgers Max Kruse aus der vergangenen Saison aufzufangen. Zudem habe man mit dem Saisonziel Europapokal eine hohe Erwartungshaltung geschürt. "Man hat immer noch einen Fußball spielen lassen, der ins obere Tabellendrittel passt und dadurch die Defensive vernachlässigt", kritisierte der Buchautor. 

Willi Lemke ehemaliges Mitglied des Aufsichtsrats SV Werder Bremen beim Ischa Werder Business-Event am 984. Bremer Freimarkt (imago / nordphoto / Ewert) (imago / nordphoto / Ewert)Ex-Manager Lemke: "Werder ist offensichtlich keine Mannschaft, die Abstieg kann"
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BVB zu schwach, Leipzig noch in der Findungsphase

Bei den Bayern habe sich der Trainerwechsel von Niko Kovac zu Hansi Flick ausgezahlt. "Hansi Flick hat eine Mannschaft übernommen, die Probleme hatte im Spiel gegen den Ball. Er hat dieses dominante Spiel nach München zurückgebracht und damit auch den Erfolg."

Generell würden die Bayern in einer eigenen Liga spielen. In der Rückrunde hat der Rekordmeister 16 von 17 Spielen gewonnen, dass könne kein anderer Verein erreichen. Kritisch äußerte sich Escher über die Bayern-Konkurrenten Borussia Dortmund und RB Leipzig. Kleine Schwächephasen der Münchner während der Hinrunde, konnte keiner der beiden Verfolger ausnutzen. "Der BVB reicht im mentalen, aber auch auch im hohen technischen Bereich nicht an Klasse der Bayern heran."

Hans-Dieter Flick, Interimstrainer des FC Bayern München, spricht während einer Pressekonferenz. (Hassenstein/Bongarts/Getty Images/Bayern München/dpa)Bayern-Trainer Hansi Flick (Hassenstein/Bongarts/Getty Images/Bayern München/dpa)
Auch RB Leipzig habe noch nicht die Reife für den Titel. Das zeige sich daran, dass sie vor allem in der Rückrunde Spiele nach einer Führung noch aus der Hand gegeben hätten. "Die Mannschaft befindet sich noch in der Findungsphase", erklärte Escher. Dies sei auch durch den Trainerwechsel zu Saisonbeginn mit Julian Nagelsmann bedingt. 

"Bei Schalke liegt sehr viel Sprengstoff unter dieser Mannschaft"

Die Bundesliga-Saison 2019/20 müsse man gesondert betrachten. In eine Häfte vor der Coronapause und in eine Hälfte danach. Escher sagte, dass eine Erkenntnis sei, dass sich durch die Coronakrise "die Verhältnisse zementiert" hätten. Klubs die heimstark seien und mit den Zuschauern im Rücken einen Vorteil hätten, seinen ausgebremst worden. Dies habe man bei Schalke 04 und auch Union Berlin beobachten können. 

Generell sei Schalke 04 nach der Rückrunde eine der größten Enttäuschungen der Saison. Die Gelsenkirchner konnten in der Rückrunde nur neun Punkte holen und nur ein einziges Spiel gewinnen. "In der Rückrunde gab es keine fußballerischer Weiterentwicklung - da gab es auch keinen Input von Trainer David Wagner", kritisierte Escher auch Trainer David Wagner. Es dürfe bezweifelt werden, ob Wagner auch nach Saisonschluss noch Trainer der Königsblauen bleibe. 

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Schalke sei momentan ohnehin der Krisenklub schlechthin: "Bei Schalke liegt sehr viel Sprengstoff unter dieser Mannschaft. Finanziell ist dieser Verein sehr angeschlagen. Zudem hat man mit Clemens Tönnies einen Aufsichtsratchef, der aus verschiedenen Gründen angeschlagen ist."

Die Coronakrise habe deutlich gemacht, was für ein finanzielles Ungleichgewicht in der Bundesliga herrsche. Die Top 5 der letzten Saison sind auch die Top 5 in dieser Spielzeit. Im September soll eine Task Force zur Zukunft für den Profifußball gegründet werden, um hier Lösungen zu erarbeiten, sagte Escher. 

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