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StartseiteEuropa heuteBeschäftigung auf Abruf in Null-Stunden-Verträgen 08.06.2020

Arbeitsmarkt in GroßbritannienBeschäftigung auf Abruf in Null-Stunden-Verträgen

Der britische Arbeitsmarkt gilt als einer, der im europäischen Vergleich wenig reguliert ist. Besonders Arbeitnehmer in Teilzeit sind wenig geschützt: Sie arbeiten oft auf Abruf in sogenannten Null-Stunden-Verträgen – und bekommen die Folgen der Coronakrise besonders zu spüren.

Von Natalie Klinger

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Etwa 40 Prozent aller Beschäftigten in sogenannten "Null-Stunden-Verträgen" verloren in der Coronakrise entweder ihren Job, Arbeitszeit, oder wurden in Zwangsurlaub geschickt. (imago images / Westend61)
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Es ist schönes Wetter in London. Normalerweise würden sich Kellner wie Szabolcs Vamosi an so einem Tag über eine extra Schicht freuen:

"Du rufst morgens im Restaurant an: "Hey, die Sonne scheint. Braucht ihr mich?" – "Ja, wir brauchen dich." Regnet es, heißt es: "Sorry, wir brauchen dich heute nicht."

Besonders Restaurants mit einer großen Außenfläche nutzen solche Standby-Schichten gern. Sie beschäftigen ihre Mitarbeiter in Null-Stunden-Verträgen. Nikhil Datta erforscht diese Arbeitsverhältnisse an der London School of Economics:

"Der Arbeitgeber garantiert dem Arbeitnehmer keine festgelegte Zahl an Stunden pro Monat, sondern bezahlt ihn nur für die Stunden, die er arbeitet."

Einsätze auf Abruf 

In Deutschland sind solche Verträge nicht legal: Der Arbeitgeber muss selbst bei Einsätzen auf Abruf die Dauer der wöchentlichen und täglichen Arbeitszeit festlegen. Der Arbeitnehmer muss diese Zeiten einhalten – anders als beim Null-Stunden-Vertrag.

"Der Arbeitnehmer ist laut Null-Stunden-Vertrag nicht verpflichtet, die ihm angebotene Arbeit anzunehmen."

Seit der Finanzkrise 2008 wird das Instrument immer häufiger eingesetzt. Waren es anfangs nur etwa 140.000 Verträge, zählt das nationale Amt für Statistik mittlerweile knapp eine Million Null-Stunden-Verträge in Großbritannien. Gewerkschaften schätzen die Zahl noch höher. Briten und Einwanderer sind gleichermaßen betroffen. Die Verträge bestehen vor allem im Gastgewerbe, in der Lebensmittelbranche, im Einzelhandel und der privaten Pflege. Die Arbeitnehmer bekommen oft nur den Mindestlohn.

Große Abhängigkeit

Die Wahl, eine Schicht abzulehnen, haben sie daher meist nur theoretisch, meint der Kellner Szabolcs Vamosi:

"Ich will arbeiten. Wenn sie mir einen Job geben, bin ich da. Ich habe mich oft ausgenutzt gefühlt. "Sklave" ist ein starker Ausdruck, aber man fühlt sich so abhängig von anderen Leuten."

Den Arbeitnehmern stehen zwar Rechte wie Mindestlohn, Krankengeld und bezahlter Urlaub zu. Kündigungsschutz gibt es aber nicht. Wie genau sich die Coronakrise in dieser Hinsicht auswirkt, wird erst die umfangreiche Arbeitsmarktstatistik im Herbst zeigen.

Coronavirus (Imago/Rob Engelaar/Hollandse Hoogte)Übersicht zum Thema Coronavirus (Imago/Rob Engelaar/Hollandse Hoogte)

Corona-Krise trifft Beschäftigten mit Null-Stunden-Verträgen härter

Eine Befragung der Denkfabrik Resolution Foundation unter 6.000 Arbeitnehmern liefert jedoch erste Eindrücke: Etwa 40 Prozent aller Beschäftigter in Null-Stunden-Verträgen verloren in der Coronakrise entweder ihren Job oder Arbeitszeit, oder wurden in den von der Regierung bezuschussten Zwangsurlaub geschickt – bei Menschen mit geregelten Arbeitszeiten waren es dagegen nur 17 Prozent. Nikhil Datta:

"Das ist nicht überraschend: Viele Branchen, in denen Null-Stunden-Verträge zum Einsatz kommen, wurden von der Pandemie härter getroffen. Und es ist viel einfacher, einen solchen Vertrag aufzulösen als den eines Festangestellten."

Zumindest informierte Szabolcs Vamosis Arbeitgeber ihn und seine Kollegen zwei Wochen vor der Kündigung. Und als die Regierung das Rettungspaket auf Personen mit Null-Stunden-Verträgen ausweitete, stellte das Restaurant die Belegschaft direkt wieder ein. Jeder Beschäftigte hat Anspruch auf 80 Prozent seines Jahresdurchschnittgehaltes. Vamosi verdiente in einem guten Monat etwa 2500 Pfund, also etwa 2800 Euro – für circa 50 Stunden Arbeit pro Woche:

"Jetzt bekomme ich 900 Pfund pro Monat."

Das Problem: Trinkgeld wird nicht auf das Gehalt angerechnet.

"Trinkgeld hat fast die Hälfte meines Gehaltes ausgemacht. Nur für den Mindestlohn hätte ich diesen Job nicht machen können."

Der 39-Jährige hält sich derzeit mit einem befristeten Job über Wasser. Er weiß nicht, ob er bleiben kann, oder nach 13 Jahren in London nach Ungarn zurückkehren muss.

"Das Coronavirus hat viel verändert. Die Gastronomie-Branche löst sich gerade auf. Ich werde mich umorientieren müssen, aber ich finde einfach nirgends einen Job im Moment."

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