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StartseiteDeutschland heuteWorkshop zur Endlagersuche30.10.2019

AtommüllWorkshop zur Endlagersuche

Wohin mit Deutschlands Atommüll? 1.900 Behälter mit hochradioaktiven Abfällen müssen in einem sicheren Endlager gelagert werden. Doch die Suche gestaltet sich schwierig. Die zuständige Behörde setzt auf Bürgerbeteiligung und veranstaltete einen Workshop in Kassel.

Von Jennifer Stange

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Atommüll-Fässer stehen am 18.11.2014 in Eggenstein-Leopoldshafen (Baden-Württemberg) auf dem Gelände der Firma WAK GmbH. Foto: Uwe Anspach/dpa | Verwendung weltweit (dpa)
Bis 2031 soll ein Standort gefunden werden, 2050 soll das Endlager dafür stehen (dpa)
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Samstagsmorgen 9:30 Uhr im Konferenzraum eines Hotels in Kassel. Rund 40 junge Menschen zwischen 16 und 30 Jahren unterhalten sich über die Endlagersuche. Dazu eingeladen haben die Verantwortlichen: das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit, die Bundesgesellschaft für Endlagerung und das Nationale Begleitgremium. Gekommen sind vor allem Studierende. Leonie beispielsweise, die einen Master in Geowissenschaften macht.

"Deswegen interessiert mich natürlich der geowissenschaftliche und der geologische Hintergrund vor allem hinter der Endlagersuche und ob das für mich eventuell sogar eine Jobmöglichkeit wäre nach meinem Studium."

Atomkraftgegner demonstrieren

Dass es bei der Frage: 'Wohin mit dem radioaktiven Müll aus den Atomkraftwerken?' nicht nur um fachliche Aspekte geht, haben die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer spätestens am Vorabend mitbekommen. Eine Handvoll Gegner des Beteiligungsverfahrens hatten sich vor dem Tagungshotel versammelt. Der Protest ist am Samstagmorgen im Plenum nochmal Thema:

"Was ich jetzt nicht ganz verstehe, also soweit ich weiß, ist das ja hier keine explizite Pro-AKW Veranstaltung. Und wir haben diesen Müll jetzt und können den nicht einfach auf dem Feld stehen lassen, sondern müssen den irgendwie wegkriegen. Warum sind die jetzt dagegen, dass…" - "Das können wir jetzt nicht diskutieren." - "Lass uns doch dazu einen Workshop machen!" - "Ja das ist eine gute Idee."

Die meisten Teilnehmerinnen des zweitägigen Workshops verbindet zweierlei: eine kritische Haltung gegenüber der Atomkraftnutzung und Pragmatismus angesichts der Folgeprobleme. Linda, Politikwissenschaftsstudentin:

"Da kann man nicht einfach weggucken, weil das löst sich halt nicht von alleine das Problem."

Endlagersuche wird sich über Jahrzehnte ziehen

1.900 Castoren voll hochradioaktivem Müll müssen sicher gelagert werden. Bis 2031 soll ein Standort gefunden werden, 2050 soll das Endlager dafür stehen, 2031 ein Standort gefunden sein. Ingo Bautz vom Bundesamt für Kerntechnische Entsorgungssicherheit, weiß schon jetzt: Niemand in Deutschland wird dieses Endlager gerne vor der eigenen Haustür haben wollen.

"Die Frage der Nutzung der Kernenergie und daran anschließend die Frage der Endlagerung hat diese Gesellschaft über 40 Jahre sehr tief gespalten und wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass wir durch Formen der Beteiligung dazu kommen müssen diese Spaltung der Gesellschaft zu überwinden um am Ende zu einem Klima zu kommen, wo wir eine sachorientierte Entscheidung fällen können."

Die Bürgerinnen und Bürger miteinbeziehen

Veranstaltungen wie am Wochenende in Kassel sollen Akzeptanz schaffen. Indem der Auswahlprozess und die Kriterien für die Standortsuche in die Öffentlichkeit getragen werden. Linda fragt sich vor allem:

"Welche Beteiligungsmöglichkeiten es für junge Menschen geben kann. Weil es sind im Gesetz schon Beteiligungsmöglichkeiten vorgesehen, die sind aber ziemlich bürokratisch nicht sonderlich attraktiv für junge Menschen."

Clara Tempel möchte nur ihre Kritik loswerden. Sie kommt aus dem Wendland. Eine Region die zum Zentrum der Anti-AKW-Bewegung wurde wo seit Jahrzehnten um das Atommülllager Gorleben gestritten wird.

"Also ich bin nicht hier, weil ich jetzt so viel Glauben in diesen Workshop habe, sondern weil es mir wichtig ist, hier auch Kritik reinzubringen. Die da wäre? Das Wichtigste ist für mich, dass ich das Endlagersuchverfahren für unpartizipativ und für untransparent halte. Ich komme aus dem Wendland, wo eben mal ein Endlager geplant war und da habe ich am eigenen Leib gespürt wie das ist wenn einfach aus politischen Gründen entschieden wird, dass da ein Endlager hinkommen soll. Und ich hab das Gefühl dieser Jugendworkshop ist eher so eine PR-Strategie, um vorzugeben dass Beteiligung stattfindet, aber die wichtigsten Punkte zum Beispiel, wie die Kriterien für die Endlagersuche, wurden alle schon entschieden."

Der Bundestag hat das letzte Wort

Das vor zwei Jahren novellierte Standortauswahlgesetz definiert die Bedingungen für ein Atommüll-Endlager, den Auswahlprozess und es steckt den Rahmen ab für Beteiligungsmöglichkeiten. Doch letztlich entscheidet der Bundestag, wo das Endlager stehen wird. Damit sind die Beteiligungsmöglichkeiten begrenzt. Das räumt auch Bautz vom Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit ein:

"Es ist lange darüber diskutiert worden, ob es auch eine darüber hinaus gehende Entscheidung der Bevölkerung geben sollte und das hat man explizit im Verfahren nicht integriert. Es gibt die Möglichkeit in dem Verfahren mitzuwirken, zu kritisieren, Stellungnahmen abzugeben. Aber es ist kein Verfahren, in dem eine Mitentscheidung der Bürgerinnen und Bürger, jenseits der parlamentarischen Entscheidung über die Abgeordneten im Bundestag vorgesehen ist."

Dennoch, so Bautz, das Verfahren sei bisher beispiellos in der Bundesrepublik, soviel Transparenz habe es in noch keinem vergleichbaren Fall gegeben. Immerhin ist vorgesehen dass Bürgerinnen und Bürger sich äußern. Wie sich das auf die Standortentscheidung auswirken wird, bleibt allerdings offen.

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