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AtommülllagerGorleben wird weitgehend geschlossen

Ein Frontschaufellader fährt in einem Salzschacht des Erkundungsbergwerkes der Deutschen Gesellschaft zum Bau und Betrieb von Endlagern für Abfallstoffe in Gorleben, Niedersachsen (AP)
Der Salzstock Gorleben wurde trotz massiver Proteste mehr als 35 Jahre lang erkundet. (AP)

Über 35 Jahre lang wurde in Gorleben geforscht – und fast genauso lang erbittert gegen einen Ausbau zum Atommüll-Endlager gekämpft. Heute haben die Gegner einen Teilerfolg erzielt. Der Bund und das Land Niedersachsen wollen den Salzstock stilllegen. Fast.

Das umstrittene Erkundungsbergwerk Gorleben im niedersächsischen Wendland soll weitgehend geschlossen werden - bis auf Weiteres. Die Bundesregierung und das Land Niedersachsen verständigten sich darauf, die Arbeiten in dem Salzstock bis zu einer endgültigen Entscheidung über den künftigen Standort eines deutschen Atommüll-Endlagers auf ein Minimum zu reduzieren. Demnach sollen sowohl der Erkundungsbereich I als auch ein Großteil der Infrastruktur außer Betrieb genommen werden. Zudem würden die hohen Stacheldrahtzäune um die Anlage auf einen "normalen industriellen Standard" zurückgebaut. Der Besucherbetrieb werde eingestellt.

"Alles was verzichtbar ist, soll nicht mehr stattfinden", sagte der Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Jochen Flasbarth, am Dienstag in Lüchow. Er war in Vertretung der zuständigen Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) gekommen. Mit der Einigung gebe der Bund ein klares Signal für den Neubeginn bei der Endlagersuche, ließ Hendricks schriftlich mitteilen.

Mit dem Rückbau könne vermutlich Anfang 2015 begonnen werden, sagte Flasbarth. Wolfram König, Präsident des für den Standort zuständigen Bundesamtes für Strahlenschutz, sagte, er freue sich über den Kompromiss. Zumindest für die Übergangszeit des Rückbaus - laut König und Flasbarth rund zwei Jahre - gebe es für die rund 120 Mitarbeiter eine Planungssicherheit. Wie viele im dann folgenden Offenhaltungsbetrieb noch gebraucht werden, müsse sich zeigen.

Mit der Vereinbarung werde auch technisch das Ende der jahrzehntelangen Vorfestlegung auf Gorleben als Endlagerstandort eingeläutet, sagte Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne).

Kritik von Gegnern und Befürwortern

Bereits vor der heutigen Entscheidung hatte sich abgezeichnet, dass weder Gegner noch Befürworter wirklich zufrieden sein werden. Für die Kritiker des Standorts Gorleben ist die Einigung ein zwar "Schritt in die richtige Richtung", die Anlage dürfe aber nicht weiter offen gehalten werden. Auch die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Danneberg und die Anti-Atom-Organisation kritisierten, dass ihre Forderung nach einer vollständigen Verfüllung der Schachtanlage nicht umgesetzt werde. Dadurch behalte Gorleben bei der seinen Vorsprung bei der Suche nach alternativen Standorten.

Gorleben-Befürworter sehen Nachteile für die Forschungsarbeit. Wertvolle Langzeitinformationen über das geologische Verhalten gingen verloren, sagte Ralf Güldner, der Präsident des Deutschen Atomforums.

(tön/tgs)

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