Abschiebeflug nach Bagdad
Auch jesidische Familie mit Kindern in den Irak gebracht - zuvor erfolgreich dagegen geklagt

Deutschland hat gestern 43 Menschen in den Irak abgeschoben. Wie Brandenburgs Innenministerium nun dem rbb bestätigte, befand sich an Bord des Flugzeugs auch eine jesidische Familie mit vier Kindern. Sie hatte zwar erfolgreich gegen die Ablehnung ihres Asylbescheids geklagt. Doch als die Entscheidung kam, war der Abschiebeflug schon gestartet.

    Schkeuditz: Menschen steigen am Flughafen Leipzig/Halle in ein Flugzeug.
    Von Leipzig aus ist beim Abschiebeflug nach Bagdad am 22.7. auch eine jesidische Familie aus der Uckermark mit vier Kindern in den Irak gebracht worden. (Hendrik Schmidt / dpa / Hendrik Schmidt)
    Die jesidische Familie wohnte laut rbb seit 2022 mit vier minderjährigen Kindern in Lychen in der Uckermark. Sie hatte 2014 im Irak die Gräueltaten der Terrormiliz IS überlebt, die Deutschland später offiziell als Völkermord an den Jesiden anerkannte. Wie viele andere Angehörige der ethnisch-religiösen Minderheit fand die Familie Aufnahme in der Bundesrepublik. Ihr Asylantrag wurde jedoch Anfang 2023 abgelehnt. Der rbb zitiert aus dem Bescheid des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, wonach die Familie "aus asylfremden Motiven, zwecks besserer Zukunftschancen" nach Deutschland gekommen sein soll.

    Gericht äußert Zweifel an der BAMF-Entscheidung - zu spät

    Zwei Jahre lang bemühten sich die Eltern um ein weiteres Bleiberecht in Deutschland. Am Dienstag hatten sie Erfolg: Das Verwaltungsgericht Potsdam äußerte laut rbb in einem Beschluss ernstliche Zweifel daran, dass die Ablehnung des Asylantrags durch das BAMF rechtmäßig war. Als der Beschluss einging, befand sich der Abschiebeflug jedoch schon auf dem Weg von Leipzig/Halle nach Bagdad.
    Ob die jesidische Familie nun nach Deutschland zurückgeholt wird, ist unklar. Das Innenministerium in Potsdam erklärte auf Anfrage des Senders, es sei Aufgabe des BAMF, "den Gerichtsbeschluss einzuordnen und ggf. weitere Schritte zu veranlassen".

    Angeblich nur alleinstehende Männer abgeschoben

    Die thüringische Justizministerin Meißner hatte gestern erklärt, bei den aus verschiedenen Bundesländern abgeschobenen Irakern habe es sich um ausreisepflichtige und alleinstehende Männer gehandelt, von denen einige strafrechtlich in Erscheinung getreten seien.
    Nach Angaben des rbb war von der jesidischen Familie kein Mitglied in Deutschland straffällig geworden. Die vier Kinder im Alter von 5, 12, 15 und 17 Jahren gingen in Lychen in die Kita und zur Schule.
    Diese Nachricht wurde am 23.07.2025 im Programm Deutschlandfunk gesendet.