Donnerstag, 08. Dezember 2022

Aufruf von Umweltschützern
Esst weniger Fleisch - zahlt den "Gülle-Euro"

Mehrere Umweltschutzverbände haben die Verbraucher anlässlich der morgen beginnenden Fastenzeit aufgerufen, nur noch halb so viel Fleisch zu essen wie bisher. Zudem schlugen sie eine neue Abgabe für Landwirte vor, um die Produktion von Billigfleisch zu reduzieren: einen sogenannten "Gülle-Euro". Auch SPD und Grüne forderten strengere Vorschriften für die Tierhaltung.

09.02.2016

    Eine Fleischtheke
    "Wenn alle Menschen so viel Fleisch äßen wie hierzulande, "bräuchten wir einen zweiten Planeten", sagt die Grünen-Politikerin Nicole Maisch. (picture-alliance / Alexandr Kryazhev)
    Die Organisationen WWF und Oxfam forderten die Politik auf, die Regeln für die Landwirtschaft zu verschärfen, um die Produktion von Billigfleisch zu reduzieren. Die Bundesregierung müsse den Mut finden, dieses emotionale Thema anzupacken. Dies nütze der Gesundheit und auch dem Klimaschutz, sagte die WWF-Referentin Tanja Dräger de Teran. Der hohe Fleischkonsum und der dafür nötige Sojaverbrauch für Tierfutter beschleunigten den Ausstoß von Treibhausgasen und den Flächenverbrauch weltweit. Um die Produktion von Billigfleisch zu reduzieren, sollte die Regierung eine Abgabe für Landwirte auf Stickstoffüberschüsse prüfen, einen sogenannten "Gülle-Euro".
    Grüne: Ein Kilo Hackfleisch für 3,40 Euro ist pervers
    Die Referentin für Welternährung bei Oxfam, Marita Wiggerthale, forderte eine Abkehr von der Massentierhaltung: "Nicht nur aus Gründen des Tierschutzes, sondern auch, weil die Fleischproduktion viel Land frisst und in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion steht." Damit in Zukunft alle Menschen auf dem Planeten genug zu essen hätten, könnten die Menschen in reichen Ländern nicht so viel Fleisch essen wie im Moment. "Das gilt auch für Deutschland."
    Politiker von SPD und Grünen plädierten ebenso für strengere Vorschriften für die Tierhaltung, die auch zu höheren Preisen führen müssten. Ein Kilo Hackfleisch für 3,40 Euro sei pervers, sagte die Grünen-Sprecherin für Tierschutz und Verbraucherpolitik, Nicole Maisch. "Wenn alle Menschen so viel Fleisch äßen wie hierzulande, "bräuchten wir einen zweiten Planeten", sagte sie. Nötig seien schärfere gesetzliche Vorgaben für die Tierhaltung, betonte Maisch. "Unsere Vorstellung von Tierhaltung ist nicht zum Nulltarif zu haben." Die Preise für Fleischprodukte müssten die soziale und ökologische Wirklichkeit widerspiegeln.
    Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland doppelt so hoch wie im Rest der Welt
    Die Tierschutzbeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion, Christina Jantz, plädierte für einen "Mix aus gesetzlichen Maßnahmen": zum einen für bessere Haltungsbedingungen, zum anderen zur Unterstützung der Landwirtschaft im Wandlungsprozess. Maisch und Jantz lehnten die Idee von Umweltschützern ab, den ermäßigten Mehrwertsteuersatz für Fleischprodukte zu streichen. Der Sprecher der Grünen Jugend, Moritz Heuberger, verlangte, die artgerechte Tierhaltung von Bio-Höfen als gesetzlichen Standard allen Agrarbetriebe vorzugeben.
    In Deutschland übersteigt der Pro-Kopf-Verbrauch an Fleisch den Welt-Durchschnitt um das Doppelte. Er liegt bei 88,3 Kilogramm pro Jahr. Viehhaltung ist global für mehr Treibhausgase verantwortlich als alle Autos und Flugzeuge zusammen.
    (cvo/tgs)