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StartseiteKultur heuteWie Franz Marc zu seinen Pferden fand08.03.2020

Ausstellung in KochelWie Franz Marc zu seinen Pferden fand

Skulpturen spielten für die Künstlergruppe "Der Blaue Reiter" keine große Rolle. Wassily Kandinsky oder Alexej von Jawlensky blieben vor allem der Malerei verhaftet. Anders Franz Marc: Er arbeitete mit Tierplastiken und entdeckte so seine berühmten Pferde, wie eine Schau im Marc Museum Kochel zeigt.

Von Julian Ignatowitsch

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Franz Marc, Pferd, 1908/09, Franz Marc Museum, Franz Marc Stiftung, Dauerleihgabe der Erbengemeinschaft Maria Marc (Franz Marc Museum / collecto.art)
Franz Marc schuf Pferde auch als Bronze-Skulpturen (Franz Marc Museum / collecto.art)
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Immer wieder Marcs Pferde: Die bekanntesten sind blau, von Sagen umwoben, bis hin zum seit der Nazi-Zeit verschollenen Gemälde "Turm der Blauen Pferde". Fast genauso poetisch, abstrahiert und ineinander verschlungen gibt es sie in Gelb und in früheren Bildern und Zeichnungen naturalistischer in Braun – so zu sehen in der Kocheler Ausstellung.

Und dann sind da – der Anlass der Schau – drei kleine Skulpturen: eine aus Wachs, zwei in Bronze gegossen. Auch sie zeigen die typischen Marc-Pferde, sind allerdings wenig bekannt und werden selten ausgestellt. Museumsleiterin Cathrin Klingsöhr-Leroy:

"Die Skulptur der zwei Pferde ist für ihn ein ganz wichtiger Punkt, die funktionieren wie eine Art Katalysator für sein weiteres Werk, die entstehen 1908, 1909 werden sie gegossen, und da beginnt das, was wir als die entscheidende Phase für Marcs Malerei betrachten."

Skulpturen als Versuchsfeld

16 Skulpturen, fast alles Tiere, hat Marc zu Lebzeiten zwischen 1904 und 1914 geschaffen – mit nachhaltiger Wirkung für seine Malerei. Nur unregelmäßig arbeitete er mit der Plastik: Manches blieb wohl unvollendet, einige seiner Wachsvorlagen wurden erst posthum, nach seinem Tod 1916 im Ersten Weltkrieg, gegossen. Innerhalb des Blauen Reiters spielte Bildhauerei sowieso keine große Rolle. Kandinsky, Münter, Jawlensky oder Macke schätzten zwar das Handwerk, blieben aber größtenteils der Malerei verhaftet bei ihrer Suche nach dem "Geistigen in der Kunst".

Zu den Ambitionen Marcs ist nicht allzu viel bekannt. Zunächst erhoffte er sich wohl finanziellen Erfolg von den Bronze-Skulpturen, dann entdeckte er sie nach und nach als Versuchsfeld, wie er 1909 in einem Brief schrieb.

Die Rundungen, der Schwung, die kreisenden Bewegungen, die man aus Marcs Bildern kennt und mit denen er versuchte, Tiere und Landschaft in Einklang zu bringen: All das findet man auch in seinen Skulpturen, sagt Kuratorin Klingsöhr-Leroy.

"Das ist charakteristisch für Marc, dass er die Tiere nicht wie August Gaul zeitgenössisch oder früher in ihren natürlichen Bewegungen zeigt. Das ist nicht sein alleiniges Ziel. Er ist natürlich auch ein toller Naturbeobachter und Tierdarsteller – ganz klar. Aber er bindet die genau wie die Pferde auf seinen Gemälden in einen großen Rhythmus ein, in eine abstrakte Struktur. Und das bestimmt die Anordnung und Haltung der Tiere."

Ausstellung nach Tieren sortiert

Da ist zum Beispiel der Tiger in Bronze, der den Kopf um 180 Grad wendet, wie auf Marcs berühmtem Öl-Gemälde oder dem ähnlichen Holzschnitt. Oder eine Katze in Sandstein – vermutlich nicht zu Ende gebracht – aber in derselben kindlichen und unschuldigen Haltung, wie sie Marc zum Beispiel in einem Großformat im Arm seiner Frau Maria gemalt hat.

Die Ausstellung zeigt diese Werke nach Tieren sortiert und vergleichend über die unterschiedlichen Kunstformen hinweg. So wird sehr anschaulich klar, dass Marc durch das experimentelle, medienübergreifende Arbeiten nach und nach Fortschritte machte, dass er dabei von einem ins andere Material wechselte, manches liegen ließ, neu anfing, bis er die Tiere und gerade die Pferde eben so zusammenfügen und anordnen konnte, wie sie ihn nach 1910 berühmt machten:

"Diese Fähigkeit, die Tiere in der Darstellung gleichzeitig zur abstrakten Form und zum übergreifenden Symbol zu machen für eine Auffassung von Natur und Landschaft, Lebewesen, die letztlich in der deutschen Romantik verwurzelt ist."

Lernen von Rodin

Genau das zeichnete ihn aus. Sowie eine enorme Fingerfertigkeit und Kenntnis im Umgang mit den Skulpturen, was vor allem an den beiden Torsi deutlich wird, den einzigen nicht-tierischen Plastiken, die Marc schuf.

"Er war ja dreimal in Paris: 1903, 1907 und 1912. Da war Rodin präsent für alle, die sich für zeitgenössische Skulpturen interessierten. Und sein Torso hat eben auch die etwas unregelmäßige Oberfläche, die das Licht reflektiert, dieses 'Impressionistische'."

Was er später in der Malerei ins Expressionistische wendete. In dieser Ausstellung kann man sehen, wie er das machte, wie Franz Marc mit Hilfe der Skulptur zu seinem unverwechselbaren Stil und seinen Pferden fand.

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