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StartseiteCorso„Es ist ein Ort der Geheimhaltung"11.09.2019

Ausstellung über Berliner Clubs„Es ist ein Ort der Geheimhaltung"

Berliner Clubs sind legendär für ihr Fotoverbot. Eine Ausstellung in der Galerie c/o Berlin widmet sich dieser 30-jährigen Clubkultur. Sie zeige „Blicke von Leuten, die in den Clubs ganz lange gelebt und fotografiert haben", sagte Kurator Felix Hoffmann im Dlf.

Felix Hoffmann im Corsogespräch mit Ina Plodroch

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(Tilman Brembs, C/O Berlin)
Foto von Tilman Brembs aus der Ausstellung "No Photos On The Dancefloor!" bei C/O Berlin (Tilman Brembs, C/O Berlin)
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Der Mauerfall war der "Urknall" für die "bislang letzte große europäische Jugendkultur", schreibt Kurator und Musikjournalist Heiko Hoffmann zur Ausstellung "No Photos on the Dance Floor! Berlin 1989 - Today". Gemeinsam mit Felix Hoffmann hat er die Ausstellung kuratiert.

Diese zeige die Fotos, verbinde sie aber auch mit Akustik, sagte Felix Hoffmann im Dlf. "Es gibt nicht nur das stille Bild an der Wand, sondern ganz viele Videos, ganz viel Sound in der Ausstellung." Am Eingang gebe es eine Videoarbeit eines jungen israelischen Künstlers, der sich alle Stempel des Clubs Berghain auf den Arm habe tätowieren lassen. "Und die Tattoos sieht man erst später in der Ausstellung. Am Anfang geht er eben rein, wird bestempelt und dann kommen sie in einen Parcours und sehen eben alte und neue Clubräume." Clubs, die es nicht mehr gebe, die schon vergangen seien.

30 Jahre Clubkultur

Die Ausstellung versuche, in die Annalen der Clubkultur in Berlin zu gehen. "Da hat sich ja viel verändert. Heute wird Lack und Leder an verschiedenen Stellen getragen, früher hat man sich mehr verkleidet", so Felix Hoffmann. Die Ausstellung versuche, die unterschiedlichen Stimmungen einzufangen. Sie wolle sich aber "zum ersten Mal so richtig auf die Kunst und Kulturszene konzentrieren. Also nicht etwas auszustellen, wo jemand mal kurz mit dem dokumentarischen Blick und der Kamera in den Club reingestolpert ist", sondern Blicke von Menschen aus der Szene selbst. 

Früher sei es so gewesen, dass ganz wenig Leute Kameras dabei hatten. "Das ist das Hybride, früher hat man gesagt: 'Ich gehe aus, nehme keine Kamera mit'." Dann habe es wahrscheinlich eine Übergangszeit in den frühen Nullerjahre gegeben. Heute, so Felix Hoffmann, sei es so: Was im Club sein solle, das bleibe auch dort. "Es ist ein Ort der Geheimhaltung oder auch des Anti-Visuellen." Die Ausstellung versuche, das Soziale und den Kontakt der Menschen untereinander zu zeigen. 

Geschlechtlichkeit habe sich im Kontext der Clubkultur sehr verändert. "Ich würde sagen, es sind sehr viele Künstlerinnen dabei, weil Geschlecht oft gar keine Rolle mehr spielt." Das beschreibe die Ausstellung auch: "Es geht von so einem männlichen Blick hin zu einem Blick, der oft auch Transgender ist." 

Erlebbare Ausstellung

Womit sich die Kunst und Kulturschreibung in Deutschland lange auseinandergesetzt habe, sei die Auseinandersetzung mit der Hochkultur. "Und jetzt haben wir gesagt, wir wollen mal genau das unter die Lupe nehmen, was für Deutschland steht. Und gerade in den letzten 30 Jahren ist die Jugendkultur und der Musikbereich Techno für eine ganze Generation extrem wichtig gewesen." Deshalb fokussiere sich die Ausstellung darauf. 

Dieser Blick von außen habe ihm als Kurator ermöglicht, Dinge zu verknüpfen. "Wo ich gedachte habe, das macht tatsächlich mal Sinn, sich mit Bildern auseinanderzusetzen, die normalerweise im Museumskontext keinen Sound haben. Und wir dann in der Ausstellung mal miteinander Dinge kombinieren, die auch kombiniert gehören." In der Ausstellung gebe es beispielsweise auch eine Clubnacht, die die Ausstellung erlebbar mache.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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