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StartseiteWirtschaft und GesellschaftHausgemachte Probleme der Autoindustrie04.01.2019

Autoabsatz 2018 gesunkenHausgemachte Probleme der Autoindustrie

Die Pkw-Nachfrage in Deutschland hat nachgelassen. Das hat die Branche größtenteils selbst verschuldet: Wie die Statistik des Kraftfahrt-Bundesamtes zeigt, wurden zum einen weniger Diesel gekauft. Die Autobauer haben außerdem die Umstellung auf einen neuen Abgasmesszyklus vermasselt.

Von Mischa Ehrhardt

VW-Fahrzeuge stehen auf einem Autohof in Freiburg. (imago)
Volkswagen bleibt die Marke mit dem größten Marktanteil in Deutschland - trotz Dieselskandal. (imago)
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Die Deutschen haben im vergangenen Jahr weniger neue Autos gekauft als im Vorjahr 2017 - es ist dies der erste derartige Rückgang seit fünf Jahren. Die Kfz-Neuzulassungen gingen um zwar leichte, aber immerhin 0,2 Prozent zurück. Zwei Dinge sind es, die die Autoverkäufe im vergangenen Jahr vor allem gebremst haben.

"Das große Problem ist der Diesel und Dieselgate und die große Verunsicherung der Leute. Jetzt kommen ja die großen Fahrverbote in den Städten. Das heißt, es wird nicht einfacher. Also: Es gibt hausgemachte Probleme bei der Automobilindustrie, obwohl die Konjunktur in Deutschland gut war", sagt der Autoexperte der Universität Duisburg-Essen, Ferdinand Dudenhöffer.

"Alten Zeiten des Diesels werden nie mehr zurückkommen"

Dieselskandal und die Diskussionen und Urteile über Fahrverbote in deutschen Großstädten haben vor allem Diesel-Absätze einbrechen lassen: Der Verkauf der Selbstzünder-Motoren ging um 6,5 Prozent auf rund 32 Prozent zurück.

"Die alten Zeiten des Diesels, die werden nie mehr zurückkommen - auch in Deutschland. Bei den Privatkunden ist es so, dass nur noch jeder fünfte Neuwagen mit Diesel ausgestattet wird. Von daher wird es nach unserer Einschätzung so sein, dass der Diesel Stück für Stück auch in den nächsten Jahren schwächer wird; und um das Jahr 2025 auch in Deutschland kaum mehr eine Rolle spielen wird."

Holen die Kunden ihre Käufe 2019 nach?

Das zweite Problem der Autoindustrie kam in Form eines neuen Abgasprüfstandards im Herbst des vergangenen Jahres: Seit September gilt dieses WLTP-Verfahren, das die Differenz zwischen den Angaben in den Fahrzeugprospekten und tatsächlichen Kraftstoffverbrauch in Zukunft verkleinern helfen soll.

Peter Fuß, Autoanalyst bei der Beratungsfirma EY: "Da ist es schwierig gewesen, ich sage mal, die Fahrzeuge entsprechend umzurüsten und fit zu machen für die neuen Testverfahren. Dadurch konnten weniger Fahrzeuge an den Kunden verkauft werden. Das wird vermutlich einen Nachholeffekt in 2019 geben. Aber das zweite Halbjahr in 2018 ist einfach schlecht gewesen."

Gefahr einer einbrechenden Weltkonjunktur

Nachholeffekte möglich - das wäre ein Lichtblick für die in den vergangenen Monaten gebeutelte Autoindustrie. Allerdings könnten solche möglichen nachgezogenen Käufe auch ausgebremst werden, sollte sich die Konjunktur weiter abschwächen. Insbesondere in China - dem mittlerweile wichtigsten Exportmarkt für die deutschen Autobauer, aber auch in den USA hat sich das Wirtschaftswachstum zuletzt abgekühlt. Hier hat Volkswagen das zweite Jahr in Folge seine Absätze deutlich steigern können. Auch BMW konnte seine US-Autoverkäufe steigern.

Vor allem die großen SUV-Modelle der deutschen Autobauer sind in Amerika gefragt. Weniger gut lief es im vergangenen Jahr für Daimler in den USA: Der Stuttgarter Konzern musste einen Rückgang von gut fünf Prozent beklagen. Für dieses Jahr gehen die Meinungen von Experten auseinander, was die Entwicklung der hiesigen Autobranche angeht. Nachgezogene Autokäufe wären das positive Szenario, eine Verschärfung von Risiken wie dem Handelsstreit zwischen USA und China das negative Szenario, unter dem auch die hiesige Autobranche leiden dürfte.

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