Montag, 26. Februar 2024

Fußball-Format
Baller League - Der neue Bolzplatz der Nation?

Die Baller League ist gestartet: Ein Hallenfußball-Format, an dem unter anderem Lukas Podolski und Mats Hummels beteiligt sind. Hier soll schneller, abwechslungsreicher Fußball statt Kommerz im Vordergrund stehen. Und die Initiatoren haben viel vor.

Von Christian von Stülpnagel | 28.01.2024
Spielszene aus einem Spiel der Baller League.
Zwölf Mannschaften nehmen an der neuen Baller League teil. (picture alliance / dpa / Rolf Vennenbernd)
Drunter machen’s die Organisatoren der Baller League nicht. Sie versprechen „Eine neue Ära des Fußballs.“
Dabei könnte der Slogan auch heißen: „Eine Alte Ära des Fußballs“ – denn im Grunde soll die Baller League Fußball zeigen, wie er früher einmal war. Das sagt zumindest Co-Gründer und Co-Chef der Liga Felix Starck: „Bei uns geht’s um den puren Fußball, den Straßenfußball. Das Gefühl auf dem Bolzplatz, das wir alle früher hatten. Lattenschießen, Mini-WM und was das alles heißt. Das ist im Grunde die Baller League.“

Starck: "Bundesliga-Fußball zu taktisch geworden"

Sprich: Schneller, abwechslungsreicher Fußball, bei dem auch mal viele Tore fallen können. Der Bundesliga-Fußball, so sagt es Starck, sei einfach zu taktisch geworden. „Der Fußball hat sich so ein bisschen verändert und wird für uns als Zuschauer vermeintlich langweilig, weil wenig Fehler im Spielaufbau gemacht werden. Wir wollen einen Fußball zeigen, wo man am Montag einfach einschaltet und sagt: Ich habe jetzt Bock auf ein 8:4, was bei uns kein ungewöhnliches Ergebnis ist. Weil du einfach geile Aktionen hast, trotzdem große Tore, Fernschüsse sind erlaubt.“
Felix Starck, Filmemacher und Geschäftsführer der Baller League, steht auf dem Spielfeld in der Motorworld.
Felix Starck ist Filmemacher und Geschäftsführer der Baller League. (picture alliance / dpa / Rolf Vennenbernd)
Denn im Grunde ist die Baller League nichts anderes als ein Hallenturnier: Gespielt wird mit sechs gegen sechs auf einem Kunstrasenfeld, etwa halb so groß wie ein regulärer Fußballplatz. Es gibt Abseits, Aus, Fernschüsse sind erlaubt. Ein Spiel dauert zwei Mal 15 Minuten.
In den letzten drei Minuten jeder Halbzeit sollen sogenannte „Gamechanger“ Spannung erzeugen: Sonderregeln, die per Glücksrad ausgewählt werden und für den Rest der Halbzeit gelten. Dann dürfen Tore nur noch per Volley erzielt werden, es geht ins Eins-gegen-Eins oder Tore zählen doppelt. Es gibt elf Spieltage in der Kölner Motorworld – und ein Finalturnier in einem noch nicht bekannten Stadion.

Christoph Kramer, Max Kruse und Hans Sarpei als Team-Manager

Getragen wird die Baller League von großen Namen, die als Teambesitzer fungieren, auch wenn sie selbst nicht spielen: Die „Präsidenten“ der Liga sind Lukas Podolski und Mats Hummels. Aber auch Christoph Kramer ist dabei, Max Kruse und Hans Sarpei. Wichtiger für die Vermarktung sind aber offenbar noch die Gaming-Streamer und Influencer als Teambesitzer, die nicht aus dem klassischen Fußball kommen – und die Spiele live auf der Plattform Twitch streamen und kommentieren.
Christoph Kramer von Borussia Mönchengladbach, Team-Manager von Golden XI, steht auf dem Spielfeld in der Motorworld.
Fußball-Profi Christoph Kramer von Borussia Mönchengladbach ist Manager des Teams "Golden XI" in der Baller League. (picture alliance / dpa / Rolf Vennenbernd)
„Keine Ahnung, wie viele Menschen Knossi, Montanablack, Unymatisch und Trimaxx folgen. Das ist wahrscheinlich die gesamtdeutsche Bevölkerung unter 18." Und genau die möchte Felix Starck mit der Baller League an den Fußball heranführen.
„Grundsätzlich ist es so, dass der Fußball einer großen Veränderung unterliegt", sagt Thomas Horky, Sport- und Medienwissenschaftler an der Hochschule Macromedia in Hamburg. Junge Leuten schauten Fußball nicht mehr im linearen Fernsehen – sondern nutzten digitale Angebote. „Da greift natürlich ein Format wie die Baller League an. Das ist sicher ein Pluspunkt, den diese Fomate haben und den die Bundesliga vielleicht noch nicht wirklich erkannt oder noch nicht umgesetzt hat.“

Baller League hat nichts mit der Kings League zu tun

Um langfristig erfolgreich zu sein, muss das Produkt aber auch attraktiv sein. Und da hapert es aus Horkys Sicht noch: „Es wurde vielfach kritisiert, dass das Spiel langweilig und auch langsam gewesen ist. Sicherlich damit verbunden, dass es die Abseitsregel gab und dass es fehlende Banden gab. Das hat mich überrascht, dass das Format nicht auf schnelleren, attraktiveren Fußball setzt.“
Oder auf künstlich erzeugte Action, wie bei der Kings League in Spanien, die durch Sonderregeln abwechslungsreich sein soll, einige sprechen auch von „Fußball für TikTok“.
„Wir haben rein gar nichts mit einer Kings League zu tun, außer, dass wir Hallenfußball spielen", erklärt CEO Felix Starck. Als Konkurrenz zum traditionellen Fußball sieht Starck die Baller League nicht, kann sich sogar Kooperationen mit Bundesligisten vorstellen. Er will darum kämpfen, die E-Sport begeisterte Jugend wieder zum Kicken zu bringen.

Reichweiten der Baller League deutlich über Durchschnitt

„Dass es diese Zielgruppe gibt, ist vollkommen klar“, sagt Katharina Schöttl, die am Internationalen Fußball Institut in Ismaning den Bereich Digitales Marketing leitet. Gerade Konsumenten und Spieler von Fußballsimulationen wie EA Football könnten sich für die Baller League begeistern. Die Strategie der Organisatoren gehe schon mal auf, zumindest, wenn man sich die Reichweite der Accounts in den sozialen Medien anschaue: "Die Reichweiten und alles, was dieser Kanal erzielt, die Interaktionsraten, die sind wirklich deutlich, deutlich über sämtlichen Durchschnitten. Und das ist das entscheidende: Kann man das jetzt halten?"

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Und da könnte der schlichte Hallenfußball gegenüber etwa der spanischen Kings League doch das Nachsehen haben. Schöttl: "Es könnte sein, dass diese noch unkonventionelleren, noch frecheren Formate den Nerv der Menschen, an die man ran will, noch besser trifft.“
Langfristig sei es aber gut möglich, dass sich solche Fußballformate neben dem traditionellen Fußball etablieren – ähnlich wie Beach- neben dem Hallenvolleyball.