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Basketball-EM
Teamleistung statt Schröder-Show

Bei der Basketball-Europameisterschaft läuft es für die deutsche Nationalmannschaft bisher perfekt. Das war so nicht erwartet worden, schließlich hatte Coach Chris Fleming einige prominente Absagen hinnehmen müssen. Doch NBA-Star Dennis Schröder erfüllt die Erwartungen. Und er kann sich auf seine Mannschaft verlassen.

Von Christian Bartlau | 03.09.2017

    Bei der Basketball-EM in Israel setzt sich Deutschlands Daniel Theis gegen zwei georgische Spieler durch.
    Bei der Basketball-EM in Israel überraschen die deutschen Herren mit guter Team-Leistung. (imago sportfotodienst)
    Auf ihren großen Star konnte sich die deutsche Mannschaft mal wieder verlassen. 23 Punkte erzielte Dennis Schröder beim Sieg am Samstag gegen Georgien, wie beim Auftakterfolg gegen die Ukraine war er der beste Werfer auf dem Parkett. So sehr der Spielmacher als Scorer überzeugte, zeigte er gegen die bissigen Georgier auch einige Schwächen: Neun mal verlor er den Ball, ein katastrophaler Wert, der am Ende aber kein Thema war – weil sich der große Star auf seine Mannschaft verlassen konnte. Mit einer aufopferungsvollen Leistung in der Defensive sicherten vor allem die langen Männer unter dem Korb wie Daniel Theis und der Youngster Isiah Hartenstein den Erfolg.
    Trainer Chris Fleming lobte besonders die Spieler, die nicht zur ersten Fünf gehörten: "Wir haben elf Leute gehabt, die gespielt haben heute, es war für uns sehr wichtig, dass wir über 40 Minuten erhöhten Druck machen. Die Jungs verdienen ein großes Lob. Die Bank: überragend, die Großen von der Bank, Theis zum Schluss, Hartenstein, haben große Rollen gespielt."
    Aufopferungsvolle Leistung
    Fleming muss bei dieser Europameisterschaft mal wieder auf einige der stärksten deutschen Spieler verzichten, allen voran auf die NBA-Legionäre Paul Zipser, der sich lieber auf seine zweite Saison mit den Chicago Bulls vorbereitet, und auf Maxi Kleber, der sich im Sommer bei Dirk Nowitzkis Dallas Mavericks einen Platz im Kader erkämpfen will. Zu allem Überfluss kämpften wichtige Stützen wie Maodo Lo, Jo Voigtmann und Kapitän Robin Benzing in der Vorbereitung mit Verletzungen – es sah so aus, als ob Dennis Schröder den Alleinunterhalter spielen muss. Doch schon beim Auftaktsieg gegen die Ukraine sprang eben jener Benzing dem NBA-Star bei, erzielte starke 17 Punkte. Der Kapitän hatte vor dem Turnier eine schwere Entscheidung getroffen - um dem Team zu helfen, verpasste er die Geburt seiner Tochter. Am Freitagmorgen wurde er zum erstem Mal Vater.
    "Unglaubliches Gefühl, schade dass ich nicht da sein kann, aber ich bin nicht in der einzigen Familie, wo der Mann arbeiten muss und nicht bei der Geburt da sein kann. Ich bin sehr glücklich und hoffentlich kann ich positive Energie mit ins Turnier reinnehmen."
    Dass andere Spieler ihre eigenen Interessen vor die der Nationalmannschaft stellen, will der Kapitän Benzing nicht kritisieren: "Alle die nicht gekommen sind, haben immer plausible Gründe gehabt, hab keinen Groll gegen die Leute, gerade wenn sie NBA spielen. Mir ist es wichtig Nationalmannschaft zu spielen, dass wir im Sommer immer zusammenkommen und unser Land vertreten. Das ist die Main Message, dass wir dahinter stehen und was erreichen wollen."
    Rückhalt Benzing
    Der 28-Jährige gibt seinem Team vor allem Erfahrung: Benzing bestreitet seine fünfte EM, hat die meisten Länderspiele im Kader absolviert. Dass er auch in diesem Sommer wieder die Knochen für die Nationalmannschaft hinhält, und dafür sogar die Geburt seines ersten Kindes verpasst, rechnet ihm Coach Fleming hoch an. "Er hätte genügend Gründe gehabt, nicht zu kommen. Aber Robin ist einer von ganz wenigen, wo ich nie fragen musste, ob er kommt,. Ich hab ihm nur die Zeiten gegeben und wusste, dass er da ist. Dieser Sommer ist ein Riesentest für ihn. Super, dass er bereit ist, das durchzuziehen."
    Der ehemalige Bamberger Meistercoach legt nach der EM sein Amt nieder, er konzentriert sich ganz auf seine Trainerkarriere in der NBA bei den Brooklyn Nets. Zählbare Erfolge konnte er in den dreien Jahren seiner Amtszeit bislang nicht vorweisen. Die EM 2015 in Berlin endete mit einem enttäuschenden Vorrundenaus. Doch er sieht seine Wirken eher langfristig: "Für mich war es wichtig, dass wir eine Kultur entwickeln, wo Spieler immer wieder zurückkommen wollen. Die Generation kann viel erreichen wenn sie das tut, sie hat sicherlich Tokio und noch einen Olympia-Zyklus, wo sie zusammen erfolgreich sein kann. Für mich war es wichtig, dafür die Grundsteine zu legen."
    Geteilte Verantwortung
    Bei der EM lautet das Ziel: Vorrunde überstehen und in die K.o.-Phase in Istanbul einziehen. Dafür braucht der Coach seine ganze Mannschaft – und natürlich einen Dennis Schröder, der das Team lenkt. Der 23-Jährige musste 2015 noch viel Kritik einstecken, weil er in entscheidenden Situationen zu oft eine One-Man-Show aufs Parkett legen wollte.
    Fleming: "Ich glaube, dass er gereift ist, er versteht, dass er andere besser machen muss, damit die Mannschaft Erfolg hat. Er geht sehr positiv mit sienen Kollegen um, das bedeutet uns als Team viel. Es ist wichtig, dass dein bester Spieler diese Einstellung mit sich bringt."
    Schröder selbst hat registriert, dass neben ihm andere Verantwortung übernehmen wollen und können: "Alleine geht so oder so nicht, ist ein Teamsport, und wir haben viele, die Scoren können. Es ist eine Erleichterung viele zu haben ,die selbstbewusst sind und werfen und keine Angst vor dem Moment haben, Robin ist so einer."
    Den Beweis trat Benzing in der entscheidenden Phase am Samstag gegen Georgien an: Bis dahin wie das gesamte Team mit einer miserablen Wurfquote, traf er die entscheidenden Dreipunktwürfe zum Sieg. Doch reden wollte er lieber über die gute Teamleistung in der Defensive: "Wie viele Punkte haben wir zugelassen? 56? Das zeigt, dass wir gut verteidigt haben als Team, auch wenn es in der Offensive nicht läuft."
    Finalrunde als Ziel
    Das Ziel für die EM lautet: Istanbul. Dort findet die K.o.-Runde statt, für das Ticket muss das DBB-Team in der Sechser-Gruppe in Tel Aviv mindestens Rang vier belegen. Ein Sieg gegen Gastgeber Israel, und das Achtelfinale wäre perfekt. Nach den Siegen gegen die Urkaine und Georgien geht die Mannschaft mit Selbstvertrauen in das Spiel.
    Dennis Schröder: "Es ist eine starke Gruppe, wir müssen alle respektieren, aber für mich ist das Ziel Istanbul, so müssen wir die Herausforderung annehmen. Ich bin bereit und mein Team ist es auch."