Sonntag, 02. Oktober 2022

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU)
"Man darf Sport nicht gegen Corona ausspielen"

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) schließt aufgrund der steigenden Infektionszahlen nicht aus, bei Sportveranstaltungen auf eine 2G-Regelung zurückzugreifen. Es müsse verhindert werden, dass Sport "insgesamt verboten werde", sagte Herrmann im Deutschlandfunk.

Joachim Herrmann im Gespräch mit Maximilian Rieger | 06.11.2021

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU)
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) (picture alliance/ ZUMA Wire/ Sachelle Babba)
Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Deutschland sind derzeit so hoch wie noch nie in der Pandemie. Dennoch sind die Sporthallen weiter offen und auch die Stadien werden immer voller. "Ich glaube, es ist auf jeden Fall wichtig, dass Sport stattfindet", sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) im Deutschlandfunk. Herrmann hatte am Freitag in Koblenz an der Sportministerkonferenz teilgenommen.
Die Zuschauer seien dagegen ein anderes Thema, so Herrmann. "Wir werden sorgfältig beobachten, wie das Infektionsgeschehen sich weiter entwickelt. Ich will nicht ausschließen, dass wir da noch zu stärkeren Anforderungen kommen und von 3G auf 3G-Plus oder in manchen Situationen auch auf 2G gehen. Das kann sein, dass das für Sportveranstaltungen und andere Veranstaltungen kommt, weil man natürlich mit der 2G-Anforderung noch sicherer ist."

"Sport ist wichtig für die Gesundheit"

Laut Herrmann solle verhindert werden, dass der Sport "insgesamt verboten" werde. "Wir haben uns intensiv damit beschäftigt, wie wichtig der Sport und die Bewegung der Menschen für die körperliche Fitness ist. Und deswegen darf man hier nicht nur Sport gegen Corona ausspielen, sondern wir müssen auch sehen, Sport ist auch wichtig für die Gesundheit der Leute."
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Umso wichtiger sei es, dass Veranstalter die 3G, bzw. 2G-Nachweise sorgfältig kontrollieren, so Herrmann. In manchen Bundesliga-Stadien war das aufgrund des großen Andrangs zuletzt nicht immer der Fall. "Das geht gar nicht", sagte Herrmann. "Da muss auch genügend Kontrollpersonal da sein. Bei privaten Veranstaltern erwarten wir das und wir werden auch von Seiten des Staates mit Unterstützung durch die Polizei nachkontrollieren." Veranstalter, die ihre Kontrollpflicht vernachlässigen, drohe dann ein Bußgeld.

Mit Medaillenausbeute "nicht ganz zufrieden"

Ein Thema auf der Sportministerkonferenz war auch das Abschneiden der deutschen Athletinnen und Athleten bei den Olympischen- und Paralympischen Spielen in Tokio. "Wir haben uns über jeden Erfolg gefreut", sagte Hermann. Allerdings könne man im Vergleich mit anderen Nationen "mit der Medaillenausbeute – in Anführungszeichen – noch nicht ganz zufrieden sein."
Zwar müsse Sport vor allem Spaß machen, so Herrmann. "Aber wir haben ja doch einen relativ hohen finanziellen Aufwand für den Leistungssport. Und wir wollen natürlich, dass wenn man Steuergelder in die ganzen Olympiastützpunkte gibt, möchte man ja, auch im Interesse der Menschen in Deutschland insgesamt, auch diese Erfolge von Sportlerinnen und Sportlern sehen."
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Steuergeld nur noch für Medaillen?
Bundesinnenministerium und DOSB haben die Ergebnisse der sogenannten Potentialanalyse (Potas) präsentiert. Dabei bewertet eine Kommission die Erfolgsaussichten der Sportverbände. Erfolglose Disziplinen könnten nun weniger Geld bekommen – deshalb gibt es Kritik an der Methode.
Eine Möglichkeit, für mehr Medaillen zu sorgen, sei laut Hermann, Verbände mit guten Medaillenchancen mehr zu fördern, Verbände mit schlechten Medaillenchancen dafür weniger. "Das ist eine mögliche Maßnahme, aber ich glaube nicht, dass das auf Dauer die Probleme löst." Fachleute müssten nun herausfinden, wo die Probleme liegen. "Es kann auch schon mal eine Sportart geben, wo man dann sagt, die ist überhaupt nicht mehr in, da gibt es auch keinen Nachwuchs mehr. Dann müssen wir da auch nicht mehr so viel Geld reingeben. Aber damit allein sollten wir es nicht belassen. Aber klar ist natürlich, wo man besonders erfolgreich ist, wo es einen starken Nachwuchs gibt und wo dann auch die Medaillen kommen, ist es sinnvoll, natürlich auch eine stärkere finanzielle Unterstützung zu geben."

DOSB-Spitze als "Team"

Diese Analyse ist auch Aufgabe des neuen DOSB-Präsidiums, das auf der Mitgliederversammlung Anfang Dezember gewählt wird. "Wichtig ist, dass wieder eine starke Führung in der Lage ist, für die Sportwelt in Deutschland insgesamt zu sprechen und den Sport auch voranzubringen", sagte Hermann. Dabei gehe es sowohl um den Spitzen- als auch um den Breitensport.
Stefan Klett will Präsident werden
Alfons Hörmann zieht sich zurück, der Deutsche Olympische Sportbund braucht neues Führungspersonal. Mit Stefan Klett, dem Präsidenten des Landessportbundes NRW bewirbt sich ein Kandidat, der eigentlich doch gar nicht an erster Stelle stehen wollte.
Herrmann wünsche sich deshalb ein Team. "Wir brauchen mehrere Männer und Frauen, die etwas von Verbandsarbeit verstehen und auch in der Lage sind, mit der Politik, mit dem Bundestag, mit dem Sportministerium und den Ländern gut zu kooperieren." Es sei wichtig, dass ein Team zustande kommt, das die breite Vielfalt des Sports in Deutschland repräsentiert, "aber dann doch gemeinsam handlungsfähig ist."