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StartseiteCorso"Unter Immobilienmaklern herrscht Goldgräberstimmung"23.12.2019

Bedrohte Kinokultur"Unter Immobilienmaklern herrscht Goldgräberstimmung"

Seit 112 Jahren wird im "Moviemento" in Berlin Kreuzberg Kino gezeigt. 2007 haben es neue Betreiber nach einer Pleite gerettet. Jetzt ist es wieder bedroht. Allerdings nicht von Zuschaurschwund oder Streaming - "plötzlich standen Maklerinnen im Foyer" sagte Geschäftsführer Wulf Sörgel im Dlf.

Wulf Sörgel im Corsogespräch mit Ulrich Biermann

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Das Kino "Moviemento" in Berlin-Kreuzberg (imago / Schöning Kino )
Das Kino "Moviemento" in Berlin-Kreuzberg (imago / Schöning Kino )
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Das Moviemento  am Kottbusser Damm 22 in Berlin Kreuzberg ist eines der ältesten Kinos Deutschlands. Tom Tykwer war hier Filmvorführer und hat in den 1980ern das Programm gemacht. 2007 haben Wulf Sörgel und Iris Praefke es gerettet und machen dort bis heute ein erfolgreiches und geschätztes Programm.

Zukunftssorgen trotz guter Zahlen

Die Zahlen sind gut, Zukunftssorgen machte sich das Kino keine, bis plötzlich seine Räumlichkeiten zum Verkauf angeboten wurden. 2 Millionen Euro verlangen die Besitzer, die Deutsche Wohnen SE.

"Solch einen Preis kann man, bei klassischen Finanzierungsmodellen, nicht in eine Miete für ein Kino umlegen", stellt Wulf Sörgel vom Moviemento fest.

600 qm, 1. Etage, ohne Fenster 

"Zur Zeit sammeln die Betreiber des Kinos Geld, kratzen Erspartes zusammen und hoffen auf Crowdfunding. Das erste Ziel von Einhunderttausend Euro ist fast erreicht, langfristig hofft man auf 1,6 Millionen Euro, um die drei Kinos in der ersten Etage eines Wohnhauses selbst erwerben zu können.

Die Immobilienspekulation ist für den Kinobetreiber eine der größten Bedrohungen für Orte der Kultur in den Großstädten. Sörgel wünscht sich, dass "langfristig kulturelle Orte von der Politik geschützt werden."

Wir haben noch länger mit Wulf Sörgel gesprochen – Hören Sie hier die Langfassung des Corsogesprächs

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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