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StartseiteCampus & Karriere2,3 Milliarden sind zusätzlich für marode Gebäude nötig17.07.2018

Berliner Hochschulen2,3 Milliarden sind zusätzlich für marode Gebäude nötig

In manchen Gebäuden der Berliner Hochschulen darf aus Sicherheitsgründen schon nicht mehr gearbeitet werden. Es besteht dringender Sanierungsbedarf. Laut einem neuen Gutachten wird das 2,3 Milliarden Euro teurer als geplant - wohl auch, weil bisher notwendige Sanierungen ausgeblieben sind.

Von Manfred Götzke

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Technische Universität Berlin von oben betrachtet (picture alliance / dpa /  Britta Pedersen)
Auch an der Technischen Universität Berlin müssen Gebäude saniert werden (picture alliance / dpa / Britta Pedersen)
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Professor Christian Thomsen will nur kurz von zwei baufälligen Bauten seiner Hochschule erzählen. Würde er alle nennen, würde das jeden Zeitrahmen sprengen.

"Es gibt am Salzufer ein Gebäude, wo wegen fehlender Brandschutzmaßnahmen nicht mehr gearbeitet werden darf. Und wir können den Menschen den Menschen auch keinen Ersatz bieten, noch nicht einmal eine sofortige Perspektive der Sanierung, weil wir da jetzt erst einsteigen."

Ähnlich übel: das Mathematikgebäude seiner Uni.

"Da ist Asbest das Problem, das ist ein 70er Jahre Gebäude und da darf man nichts mehr anfassen."

Der Präsident der TU Berlin hat sich – wie wohl auch seine Professorenkollegen und die Studierenden – leidlich ans Lehren und Lernen in maroden Hochschulbauten gewöhnt. In so manchen Bundesländern – vor allem aber im jahrelang klammen Berlin – kennt man das gar nicht anders.

"In den letzten zwei, drei Jahrzehnten ging es Berlin finanziell auch nicht so gut, so dass an den Unis und Fachhochschulen das Budget gekürzt worden ist – und ich habe da auch ein gewisses Verständnis dafür. Denn wenn das Geld nicht da ist, kann man es auch nicht ausgeben."

"Bundesweit einmaliger Vorgang"

Doch damit soll künftig Schluss sein. Die elf staatlichen Berliner Hochschulen haben gemeinsam mit der Wissenschaftsverwaltung ein Gutachten über den Sanierungsbedarf erstellen lassen. Ein bundesweit einmaliger Vorgang, sagt Steffen Krach, Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung.

"Das besondere ist, dass alle elf Hochschulen gemeinsam sich entschlossen haben, gemeinsam so ein Gutachten zu beauftragen. Und jetzt haben wir etwas, worauf wir aufbauen können – und eine Roadmap für Investitionen entwickeln können für den Wissenschaftsstandort Berlin."

Bislang haben die einzelnen Hochschulen immer nur ihre einzelnen Sanierungsfälle bei der Wissenschaftsverwaltung angemeldet, die sich damit wiederum an den Finanzsenator wenden musste. Nun habe man eine lange Liste, die man abarbeiten könne. In den vergangen Monaten haben sich die Bauabteilungen der Hochschulen dafür gemeinsam mit einem Planungsunternehmen 461 Gebäude mit 1,1 Millionen Quadratmeter Nutzfläche angeschaut. Und eine Preis-Liste des Maroden zusammengestellt.

Die Summe ist immens: 3,2 Milliarden Euro müsste das Land ausgeben, um die Hochschulbauten zu sanieren. Zieht man die bereits vom Berliner Senat eingeplanten Mittel ab, bleiben 2,3 Milliarden über. Die Zahlen zeigen vor allem eines, sagt TU-Präsident Thomsen: dass in den vergangen Jahren und Jahrzehnten notwendige Sanierungen ausgeblieben sind.  

"Wegen der relativ großen Summen, die es braucht, um ein Gebäude zu sanieren, hat man davon abgesehen. Da kann man noch ein Jahr warten oder fünf Jahre warten. Nur wenn man es zu lange für alle macht, dann würde es anfangen zu verrotten. Ich würd sagen, jetzt ist der Zeitpunkt wo man noch sagen kann. Das kriegen wir hin. Und das sieht alles blitzblank aus in 15 Jahren."

Diese 15 Jahre geben sich Hochschulen und Wissenschaftsverwaltung also für die Sanierung. Und da ist so ziemlich alles dabei: Von Kleinkram wie neuen Brandschutztreppen an der Universität der Künste bis Abriss und Neubau etwa bei einem asbestbelasteten Mathematikgebäude der TU.

Neubauten im Vergleich keine so große Summe

Noch gar nicht in den 3,2 Milliarden Euro enthalten sind komplett neue Gebäude, die die Hochschulen zum Beispiel wegen steigender Studierendenzahlen oder neuer Forschungsanforderungen brauchen könnten, so Thomson.

"Wir brauchen natürlich auch hin und wieder mal ein neues Gebäude, aber das ist im Vergleich zum Sanierungsbedarf nicht so eine große Summe."

Und es gibt noch ein Manko: Die Sanierungsliste ist derzeit nicht viel mehr als eine Wunschliste, denn Staatssekretär Krach muss die 2,3 Sanierungsmilliarden vom Abgeordnetenhaus genehmigt bekommen.

"Das wird dann Bestandteil der Haushaltsberatungen sein. Es gibt das Jahrzehnt der Investitionen, das hat der Senat gemeinsam vereinbart. Und natürlich gilt das auch für die Wissenschaft"

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