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StartseiteCorso"Im Streaming fehlt der emotionale Bezug"18.10.2019

Bildband "Hamburg Vinyl""Im Streaming fehlt der emotionale Bezug"

"Vinyl ist immer Nostalgie", sagte Fotograf Bernd Jonkmanns im Dlf. Zusammen mit Christoph Dallach hat er Plattencover aus der Pop-Metropole Hamburg gesammelt und als Bildband mit Stadtkarte herausgebracht. Ein Hamburg, das sich in Zeiten der Gentrifizierung und des Streamings verändert.

Bernd Jonkmanns im Corsogespräch mit Adalbert Siniawski

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(Bernd Jonkmanns)
Das Lieblingsalbum-Cover von Bernd Jonkmanns: Conny & Cher stehen vor dem Hamburger Hotel Atlantic (Bernd Jonkmanns)
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Bernd Jonkmanns ist Fotojournalist und Vinyl-Liebhaber, und so begibt er sich mit seiner Kamera immer wieder in die Welt der schwarzen Scheiben. Jonkmanns hat die Plattenläden und ihre Betreiber im Buch "Record Stores" portraitiert. Und für sein neues Projekt hat er seine rund 3000 Schallplatten durchstöbert und nach Hamburg-Covern gesucht; 65 Stück hat er gefunden. Einige davon zeigen er und sein Kollege Christoph Dallach im neuen Buch "Hamburg Vinyl", dazu gibt es eine Stadtkarte, die zeigt, wo welches Motiv aufgenommen wurde und was seine Geschichte ist.

Lokalverbot für Cher

Das Lieblingsalbum-Cover von Bernd Jonkmanns ist Conny & Cher, wie sie 1967 vor dem Hamburger Hotel Atlantic stehen, wie er im Dlf sagte. "Der Hamburger St.Pauli-Fotograf Günter Zint hat nicht so viel Zeit mit ihnen gehabt und hat sie einfach davor gestellt. Sonny und Cher, die wunderbare rote Anzüge anhatten", berichtete Jonkmanns. "Als Cher dann abends in die Bar wollte, sagte der Mensch an der Theke: 'Sie kommen hier leider nicht rein, Fräulein. Frauen kommen in Hosen nicht in unsere Bar!'" Erst nach Intervention des Managements sei Cher der Zugang gewährt worden.

Auch wenn Platten-Cover neueren Datums im Buch zu finden sind - das Buch sei durchaus nostalgisch. "Vinyl ist immer Nostalgie", sagte Jonkmanns, denn "im Bereich des Streamings fehlt der emotionale Bezug". Das sei auch die Erklärung für den Boom von Schallplatten. Es fehle die Vinyl-Hülle und das Artwork. Deswegen war es ihm wichtig, diese Cover zu zeigen, wie der Fotograf sagte.

"Die Klubkultur sei besser denn je"

Außerdem könne man anhand der Cover sehen, wie sich Hamburg verändere - etwa legedäre Musikklubs, die verschwunden seien. "Manche Orte sehen ganz anders aus. Das 'Onkel Pö', da ist jetzt ein italienisches Restaurant drin - Al Jarreau ist da aufgetreten und U2!" Hamburg verändere sich - aber "es ist auch teilweise gut so, wenn sich eine Stadt verändert. Es gibt nicht Schlimmeres, als wenn man nur davon erzählt, wie schön alles früher war". Die Stadt habe zum Beispiel das Reeperbahn Festival, und die Klubkultur sei besser denn je.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

Christoph Dallach, Bernd Jonkmanns: "33 Hamburg-Cover und Ihre Geschichte"
Junius Verlag Hamburg, 2019. 96 Seiten, 24,90 Euro.

(Bernd Jonkmanns)Ein Ort, der bedroht ist: Die Hamburger Sternbrücke - verewigt auf dem Cover des Albums "Wir Kinder vom Bahnhof Soul" von Jan Delay (Bernd Jonkmanns)

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