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StartseiteCampus & KarriereAlte Gewinner und Verlierer17.08.2017

BildungsmonitorAlte Gewinner und Verlierer

Wenn es um Bildung geht, dann macht niemand den Ländern Sachsen, Thüringen und Baden-Württemberg etwas vor. Das belegt der neueste "Bildungsmonitor" anhand von 93 Indikatoren wie Schulabbrecherquote und Verfügbarkeit von Ganztagsschulen. Seit ein paar Jahren gibt es nur noch geringe Verbesserungen.

Von Christiane Habermalz

Eine Lehrerin steht mit einer Schülerin und einem Schüler an einer Tafel und schreibt eine 1. (dpa-Zentralbild/Jens Kalaene)
Experten gehen davon aus, dass nachrückende Jahrgänge wegen des demographischen Wandels kleiner werden könnten. Talente müssten dann optimal gefördert werden. (dpa-Zentralbild/Jens Kalaene)
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Die Spitzenreiter sind wieder die üblichen Verdächtigen. Im diesjährigen Bildungsmonitor der wirtschaftsnahen "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft" bilden die Länder Sachsen, Thüringen, Bayern und Baden-Württemberg das Siegerteam im Bildungsvergleich. Zwischen ihnen und den Schlusslichtern Bremen und Berlin – auch diese wenig überraschend – liegen fast dreißig Punkte auf einer Skala von eins bis 100.

"Sachsen, Thüringen, Bayern und Baden-Württemberg belegen die Spitzenplätze, den größten bildungspolitischen Fortschritt der vergangenen Jahre aber konnte das Saarland erzielen. Das ist bemerkenswert. Bemerkenswert ist auch, dass Bayern, obwohl es ein sehr sehr gutes Niveau hat, noch einmal deutlich zulegen konnte in den vergangenen Jahren", betonte Hubertus Pellengahr, Geschäftsführer der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, die den Bildungsmonitor alljährlich veröffentlicht.

Den Grund für den Erfolg des Saarlands liefert er gleich mit: Das Land habe in den letzten Jahren die Bildungsausgaben je Schüler stark erhöht und kleinere Klassen eingerichtet. Die Begriffe Siegerteam und Schlusslichter sind  durchaus bewusst gewählt, denn den Initiatoren der Studie geht es um den Wettbewerb der Bildungssysteme untereinander, den direkten Vergleich – etwas, was die KMK, die Konferenz der Kultusminister der Länder, tunlichst zu vermeiden sucht. Für Pellengahr liegt darin sogar eine große Chance des föderalen Bildungssystems.

"Wir sind fest davon überzeugt, dass Wettbewerb im Bildungssystem zu besseren Ergebnissen führen wird, und davon profitieren vor allem diejenigen, die aus sozial schwachen Verhältnissen kommen und dort aufwachsen."

Wie leistungsfähig ist die Bildung in den einzelnen Bundesländern?

Bildung für alle bedeute Wohlstand für alle, betonte Pellengahr – und das sei letztlich das Ziel. Anhand verschiedener Kriterien wird im Bildungsmonitor seit 13 Jahren jährlich die Leistungsfähigkeit der Bildung in den Bundesländern untersucht. Zu den 93 Indikatoren für die Bewertung zählen zum Beispiel die Verfügbarkeit von Ganztagsschulen, Schulabbrecherquoten oder der Anteil von Schülern, die von Bildungsarmut betroffen sind. Es gebe überall Schwächen und Stärken, betonte Plünnecke. So sei Berlin schlecht in der Schulqualität und habe besonders viele Schulabbrecher ohne Abschluss, aber sei spitze in der Forschung. Auch Bremen erreicht in Vergleichstests schlechte Ergebnisse, viele Schüler erreichen nicht die Mindeststandards.

Bei den MINT-Fächern an den Hochschulen dagegen ist das Land bundesweit am besten aufgestellt. Sachsen und Thüringen hätten dagegen bei allem Erfolg große Probleme, Lehrernachwuchs zu bekommen – eine Folge der Überalterung in den Lehrerzimmern und weil nicht verbeamtet wird – ein Wettbewerbsnachteil. 

Insgesamt warnten die Bildungsforscher jedoch vor einer drohenden Stagnation. Die Luft ist, nach zahllosen Reformen und Debatten um G8 oder G9, in vielen Bundessländern offenbar raus. In den letzten Jahren habe es nur noch geringe Verbesserungen in der Bildung gegeben - seit 2013 jährlich nur um 0,7 Prozentpunkte, erklärte Studienleiter Axel Plünnecke vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln, teilweise gab es sogar Rückschritte.

"Also die Dynamik, die wir im Bildungssystem sehen, lässt nach. Aber die Herausforderungen nehmen zu: Flüchtlingsmigration, demografischer Wandel, Digitalisierung. Beim Thema Integration hatten wir große Fortschritte, ausländische Schulabsolventen ohne Abschluss sind von 20 Prozent im Jahr 2000 auf 10,7 Prozent im Jahr 2012 gesunken. Seitdem geht’s wieder rauf auf 11,8 Prozent im Jahr 2015."

Zwölf Milliarden Euro für die Herausforderungen der nächsten Jahre

Und das, warnte Plünnecke, noch bevor sich die großen Flüchtlingszahlen im Schulsystem bemerkbar machten. Um die Herausforderungen der nächsten Jahre zu bewältigen, müsse viel Geld in die Hand genommen werden, so die Forderung. 12 Milliarden Euro im Jahr seien nötig, die gezielt in die Bereiche Integration, frühkindliche Bildung, den Ausbau von Ganztagsschulen, Digitalisierung und für mehr Studierende aus dem Ausland ausgegeben werden müssten. Der demografische Wandel bleibe, trotz der Zuwanderung, eines der wichtigsten Probleme für die Zukunft. Wenn die nachrückenden Jahrgänge kleiner würden, müssten die Talente optimal gefördert werden, erklärte Plünnecke.

"Die KMK-Tests im Lesen zeigen, dass die Kompetenzen leicht gesunken sind und der Anteil der Schüler, die lediglich die untersten Kompetenzstufen erreichen, nimmt zu."

Und schließlich müsse für mehr Bildungsgerechtigkeit die Bildungsfinanzierung vom Kopf auf die Füße gestellt werden. Sozialverträgliche Studiengebühren bis 500 Euro pro Semester seien vertretbar – dafür solle die Kita für alle gebührenfrei gestellt werden.

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