Montag, 30. Januar 2023

Corona-Pandemie
Die Virus-Variante Omikron im Überblick

In Deutschland dominiert seit dem Sommer der Omikron-Subtyp BA.5. Dieser ist ansteckender als seine Vorläufer, führt aber nicht zu schwereren Verläufen. Und inzwischen ist ein angepasster Impfstoff zugelassen.

08.06.2022

    Jemand träufelt aus einer Pipette auf ein Probenröhrchen.
    Welche Variante des Coronavirus vorhanden ist, kann mithilfe von Genom-Sequenzierung festgesetellt werden (picture alliance/dpa/Camilo Freedman)

    Omikron ist deutlich ansteckender als die Delta-Variante

    Die Coronavirus-Variante Omikron (B.1.1.529) zeichnet sich durch eine stark gesteigerte Übertragbarkeit im Vergleich zur Delta-Variante aus. Zur schnelleren Ausbreitung des Virus trägt bei, dass sich Omikron nach einigen Studien vermutlich vor allem im oberen Atemwegstrakt vermehrt statt in der tiefen Lunge. Das könne zu einer schnelleren Übertragung führen, sagte der Biophysiker Richard Neher am 3. Januar 2022 im Deutschlandfunk.
    Schon nach drei Tagen kann eine infizierte Person Omikron weitergeben, Delta hat dafür einen Tag länger gebraucht. Es geht nicht nur schneller, Omikron wird auch drei Mal häufiger als Delta in der Familie übertragen, wie eine englische Studie zeigt. Die Variante trägt mehr als 30 Mutationen im Spike-Protein, weshalb die Antikörper bei Omikron nicht mehr so gut greifen. Wie der Corona-Expertenrat der Bundesregierung in seiner Stellungnahme vom 19. Dezember 2021 festgehalten hat, kann Omikron zudem den Immunschutz Geimpfter und Genesener unterlaufen. Daher seien auch Geimpfte und Genesene stark in das Infektionsgeschehen involviert. Vor schweren Verläufen sind sie aber weiter gut geschützt.
    Es scheint so, dass sich Omikron generell anders verhält, als viele es bisher erwartet hatten: Sie ähnelt nicht dem Grippevirus, das die saisonale Influenza verursacht und einmal jährlich zur Winterzeit für Ansteckungen sorgt. Mit Omikron könnten mehrere Wellen pro Jahr auftreten, auch im Sommer.

    Der Subtyp BA.5 dominiert

    Die Coronavirus-Variante Omikron (B.1.1.529) hat weitere Untervarianten: Neben dem Subtyp BA.1 gibt es noch die Subtypen BA.2 sowie BA.4 und BA.5. Seit mitte Juni 2022 dominiert in Deutschland BA.5. Laut dem RKI-Wochenbericht vom 10.11.2022 gehen 95 Prozent der Infektionen auf diesen Subtyp zurück.

    BA.5 hat offenbar Vorteil bei der Ausbreitung

    BA.5 weist im Erbgut eine Mutation auf, die es bei BA.1 und BA.2 noch nicht gibt: L452R. An der Position 452 des Spike-Proteins ist ein Aminosäure-Baustein gegen einen anderen ausgetauscht. Diese Mutation hatte die Delta-Variante schon. Offenbar ist es so, dass diese Mutation die Übertragbarkeit des Virus erhöht. Eine andere Mutation, F486V, dürfte dafür verantwortlich sein, dass BA.5 dem Immunsystem teilweise ausweichen kann. Zumindest der Immunabwehr durch Antikörper. Und dadurch wird eine Ansteckung mit dieser Untervariante wahrscheinlicher – und somit eben auch die Ausbreitung.

    Daten deuten auf leichtere Krankheitsverläufe bei Omikron hin

    Anfang Juli hat das Robert-Koch-Institut in seinem Wochenbericht herausgestellt, dass BA.5 nicht zu schwereren Verläufen führe als andere Omikron-Subtypen. Und Omikron wiederum führt zu milderen Verläufen als vorherige Varianten.
    "Pro nachgewiesenem Fall gehen weniger Leute ins Krankenhaus", sagte der Virologe Christian Drosten am 30.12.2021 im Deutschlandfunk. Ein Grund dafür ist, dass Omikron zwar sehr effektiv die Zellen in den oberen Atemwegen infizieren kann, dafür aber nicht so erfolgreich in das tiefe Lungengewebe eindringt.
    Patienten, die mit Omikron ins Krankenhaus müssten, könnten eher auf den normalen Stationen bleiben und lägen zu einem geringeren Anteil auf den Intensivstationen, sagte Drosten. Sie müssten auch nicht so schnell mit Sauerstoff versorgt werden.

    Daten zeigen keine erhöhte Gefahr für Kinder durch Omikron

    Die Befürchtung, dass Omikron bei Kindern die Gefahr erhöhe, bestätigt sich bisher nicht. Weder für sehr junge noch für ältere Kinder sei mit schwereren Verläufen zu rechnen, sagte der Virologe Wolfgang Preiser von der Stellenbosch University in Kapstadt am 3. Januar 2022 im Deutschlandfunk.

    Wie gut schützt die Impfung vor einer Ansteckung?

    Eine Impfung schützt auch bei BA.5 noch zu einem hohen Grad vor schweren Verläufen. Und zwar durch die zelluläre Immunabwehr. Die ist wesentlich robuster gegenüber Immunflucht-Mutationen, aber dafür können zum Beispiel die T-Zellen eine Ansteckung nicht verhindern.
    Einige Studien haben bestätigt, dass auch geimpfte Personen nach der Infektion mit einem Omikron-Subtyp nicht vor einer Ansteckung mit einem anderen Subtypen geschützt ist. Demnach ist es möglich, sich innerhalb weniger Monate ein zweites Mal mit Omikron zu infizieren, aber dann eben mit einem anderen Subtyp.

    Angepasste Omikron-Impfstoffe sind verfügbar

    Im September 2022 wurden die ersten Impfstoffe genehmigt, die an Omikron angepasst sind. Es handelt sich dabei nicht um Neuzulassungen, sondern um Variationen bereits zugelassener Impfstoffe. Von Biontech/Pfizer ist damit jetzt auch ein Vakzin verfügbar, das sich zum einen gegen die ursprüngliche Variante richtet, aber eben auch gegen BA.5, BA.1 und BA.4. Die angepassten Impfstoffe werden als Booster verwendet, für die Grundimmunisierung sind sie nicht zugelassen.
    Der neue Impfstoff gegen BA.4/5 wurde bislang nur in Tierversuchen erprobt. Da wirkt er besser gegen BA.4/5 als die anderen Impfstoffe. In der Praxis dürfte der Unterschied aber nicht so groß sein. Die Immunologin Christine Falk, nicht Mitglied der STIKO, aber Mitglied des Corona-Expertenrats der Bundesregierung, sagt, entscheidend ist die Anpassung an Omikron generell. Das BA.1 und BA.5 Spike unterscheiden sich nur an drei von rund 1.300 Positionen, deshalb überlappe sich die Schutzwirkung beider Vakzine zum großen Teil.
    Grafik zeigt die neutralisierenden Antikörper bei Delta, Omikron und Omikron geboostert
    Omikron fliegt unter dem Radar der meisten Antikörper, die durch die Impfung entstanden sind. Nur noch ein Bruchteil der Antikörper kann die Viren erkennen und "neutralisieren"'. Ein Booster kann die Zahl der neutralisierenden Antikörper kurzzeitig wieder signifikant erhöhen. (Deutschlandradio / Andrea Kampmann)
    Quellen: Arndt Reuning, Christina Sartori, Volkart Wildermuth, Agenturmaterial, Science Media Center, NDR, fmay, nin, ikl, og, pto