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StartseiteSprechstundeBis es rauscht im Stethoskop21.09.2010

Bis es rauscht im Stethoskop

Der Blutdruck wird heute noch nach alter Methode gemessen

Die Blutdruckmessung mit Manschette und Stethoskop wurde um 1900 erfunden. Noch immer ist sie für viele Ärzte die beste Methode. Bis heute wird der Druck in "Millimeter Quecksilbersäule" angegeben.

Von Thomas Liesen

Die Urform der Blutdruckmessgeräte: Eine Gummimanschette wird dem Patienten um den Oberarm gelegt und aufgepumpt. (AP)
Die Urform der Blutdruckmessgeräte: Eine Gummimanschette wird dem Patienten um den Oberarm gelegt und aufgepumpt. (AP)

"Wir legen jetzt einmal die Blutdruckmanschette um den Oberarm. (...)
Am besten so den Arm positionieren, dass die Manschette auf Herzhöhe ist."

Dr. Jan Pulz ist Oberarzt in der Kardiologie des St Vinzenz-Krankenhauses in Köln. Bei einem seiner Patienten besteht Verdacht auf zu hohen Blutdruck. Für die Messung benutzt er ein ganz normales Gerät. Also eines mit einer aufblasbaren Gummimanschette, die um den Oberarm gelegt wird. Es ist quasi die Urform der Blutdruckmessgeräte und wird auch heute noch von den meisten Ärzten bevorzugt.

"Wir haben die Manschette jetzt um ihren Oberarm gelegt und pumpen die Manschette jetzt auf mit unserem Blasebalg über ihren eigenen Blutdruck. Das heißt, wir nehmen an, dass sie keinen Blutdruck über 200 haben und pumpen die Manschette auf 200 auf."

Das ist der entscheidende erste Schritt beim Blutdruck messen. Der Arm wird praktisch abgeklemmt, bis kein Blut mehr durch die Arterie fließt. Das Prinzip ist: Wenn der Blutfluss im Arm stoppt, dann ist der Druck in der Manschette so groß wie der Blutdruck. Theoretisch könnte der Arzt also den Puls am Handgelenk fühlen, die Manschette aufpumpen, bis der Puls verschwindet und dann denn Wert am Druckmesser der Manschette ablesen. Aber das wäre zu ungenau.

"Wir gehen über einen Druck um die 200, legen das Stethoskop in die Ellenbeuge über die Arterie und lassen langsam den Druck ab."

Um die Messung genauer zu machen, nimmt Jan Pulz ein Stethoskop und horcht praktisch in die Arm-Arterie hinein. Denn er nutzt ein physikalisches Phänomen: Wenn eine Flüssigkeit durch eine Röhre fließt und an eine Engstelle kommt, entstehen Verwirbelungen. Und diese Wirbel machen Geräusche. Der Arzt lässt also langsam die Luft aus der voll gepumpten Manschette. Erst hört er nichts. Aber irgendwann öffnet sich die abgeklemmte Ader ein klein wenig und erstes Blut fließt durch die Engstelle. Und genau dann beginnt es im Stethoskop zu rauschen. Jetzt muss der Arzt auf den Druckmesser des Geräts schauen. Denn der Blutdruck ist exakt so groß wie der Druck in der Manschette um den Oberarm. Genauer: der obere, sogenannte systolische Wert.

"Und dann hören wir ganz lange den Ton, lassen den Druck in der Manschette weiter ab, bis dann irgendwann der Punkt kommt, wo man gar keinen Ton mehr hört."

Das ist der Moment, in dem die Arterie wieder vollkommen geöffnet ist. Es entstehen keine Verwirbelungen mehr und damit auch keine Geräusche. Dieser Punkt markiert den unteren, sogenannten diastolischen Wert. High-Tech ist diese Methode mit Gummimanschette und Stethoskop nicht gerade. Doch die meisten Ärzte sagen: Es ist immer noch die beste Methode, auch wenn sie bereits vor über 100 Jahren erfunden wurde.

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