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StartseiteWirtschaft am MittagÖkonom: Deutschland wird mehr Zugeständnisse machen müssen01.06.2018

Börsengespräch zur EurozoneÖkonom: Deutschland wird mehr Zugeständnisse machen müssen

In Italien kommen Eurokritiker an die Macht, Spanien hat seit heute Mittag einen neuen Ministerpräsidenten und US-Präsident Donald Trump macht ernst mit seinen Strafzöllen. Für die Aktienmärkte sind all das keine guten Nachrichten, sagte Martin Lück vom Vermögensverwalter Blackrock im Dlf-Börsengespräch.

Martin Lück im Gespräch mit Dorothee Holz

Der neue italienische Regierungschef Conte bei seiner Vereidigung durch Präsident Mattarella (AFP/Alberto Pizzoli)
Der neue italienische Regierungschef Conte bei seiner Vereidigung: Die eurokritische neue Regierung in Italien könnte an den Börsen weiter für Turbulenzen sorgen. (AFP/Alberto Pizzoli)
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Gestern haben US-Strafzölle den Dax noch tief ins Minus geschickt. Die überraschend schnelle Regierungsbildung in Italien sorgt aber heute für Erleichterung an den Aktienmärkten. Der Dax hat sich daher um gut ein Prozent auf 12.740 Punkte verbessert. Von Entwarnung könne allerdings noch keine Rede sein, sagt Martin Lück vom Vermögensverwalter Blackrock. Schließlich gehe der Handelskonflikt zwischen den USA und Europa weiter:

"Es ist tatsächlich so, dass Donald Trump glaubt, nur mit wirklich harten Schlägen seine Gegner zum Einlenken zu bewegen. Die Europäer waren bisher nicht bereit, die Bedingungen der USA zu akzeptieren. Und jetzt hat man halt in dieser ersten Stufe die Zölle in Kraft gesetzt, und will damit die Europäer zu härteren Zugeständnissen zwingen."

"Es wird keinen Handelskrieg geben"

Ein Indiz dafür: US-Handelsminister Wilbur Ross sagte gestern bei der Bekanntgabe der Zölle, er freue sich auf weitere Verhandlungen mit der EU. Lück stimmt das optimistisch:

"Man wird sicherlich zu einer Einigung kommen. Es wird keinen Handelskrieg geben. Aber bis dahin verunsichert das natürlich die Märkte."

Die EU plant derzeit eine zweigleisige Strategie als Antwort: Einerseits will die Staatengemeinschaft die Welthandelsorganisation WTO als Schiedsgericht anrufen. Andererseits sollen Einführzölle auf amerikanische Produkte von Marken wie Bourbon Whiskey oder Harley-Davidson verhängt werden. Lück geht davon aus, dass es durch den Handelskonflikt auch in den USA Verlierer geben wird:

"Es gibt ja in Amerika viel mehr Arbeitnehmer, die in der stahl- und aluminiumverarbeitenden Industrie beschäftigt sind, als die die in der Erzeugung beschäftigt sind. Das heißt: Bei denen gehen eher Arbeitsplätze verloren."

Das ließe sich an einem historischen Beispiel zeigen:

"Im Jahr 2002 hat der damalige US-Präsident George W. Bush schon mal versucht, die Wähler im Mittleren Westen mit solchen Maßnahmen zu schützen. Konsequenz war damals, dass mehr Arbeitsplätze verloren gingen als neu geschaffen wurden und Bush diese Maßnahmen 18 Monate später zurücknehmen musste."

"Diese Parteien, Lega und Fünf Sterne, sind wirklich offen Anti-Euro-Parteien"

Zusätzliche Risiken für die Aktienmärkte gebe es zudem durch die politische Lage in Italien und Spanien. So seien in Italien nach der Regierungsbildung keineswegs ruhigere Zeiten zu erwarten:

"Diese Parteien, Lega und Fünf Sterne, sind wirklich offen Anti-Euro-Parteien. Sie wollen Italien aus dem Euro herausführen beziehungsweise auch Deutschland gegenüber eine knallharte Haltung einnehmen."

Dass die Börsen die Regierungsbildung positiv aufnehmen, sei verfrüht. Auch die neue Regierung in Spanien fuße auf einer wackeligen Koalition, die womöglich Rufe nach weiteren Reformen in der Währungsunion begünstigen werde. Lück rechnet daher eher mit einer weiteren Verschärfung der Eurokrise – und damit, dass Deutschland in der europäischen Währungsgemeinschaft künftig mehr Zugeständnisse machen muss.

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