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StartseiteInformationen am MittagBundesregierung gibt Zustimmung für Militärrabbiner11.12.2019

BundeswehrBundesregierung gibt Zustimmung für Militärrabbiner

Das Bundeskabinett gab in Berlin seine Zustimmung zu einem Staatsvertrag für die Einsetzung von Militärrabbinern. Erstmals seit 100 Jahren würde es damit wieder jüdische Militärseelsorge in der deutschen Armee geben.

Von Klaus Remme

Ein Bundeswehrsoldat mit grauen Haaren und in Uniform sitz mit einer Kippa am 3. April 2019 in Berlin unter den Zuhörern der Konferenz des Zentralrats der Juden zu Militärrabbiner bei der Bundeswehr. (Picture Alliance / dpa / Kay Nietfeld)
Das Kabinett hat Plänen zur Einführung von Militärrabbinern für die Bundeswehr zugestimmt. (Picture Alliance / dpa / Kay Nietfeld)
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Hört man sich in den Fraktionen des Deutschen Bundestags um, dann kommen eigentlich nur positive Reaktionen auf die Entscheidung für Militärrabbiner in der Bundeswehr. Agnieszka Brugger von Grünen:

"Eine tolle Idee und ein toller Schritt."

Anita Schäfer von der CDU: "Eine sehr gute Idee."

Jan Nolte von der AfD: "Auf jeden Fall, der Soldat operiert immer wieder in Situationen, die sehr belastend sind, auch für die Angehörigen und deshalb muss dem eine hohe Bedeutung zugemessen werden. Keine Frage."

Der Historiker Michael Wolffsohn bei einer Lesung aus seinem Buch "Deutschjüdische Glückskinder" im Jüdischen Museum Berlin (imago stock&people / Uwe Steinert) (imago stock&people / Uwe Steinert)Bundeswehr bekommt Militärrabbiner - "Ethische Unterstützung für Soldaten"
Etwa 300 jüdische Soldaten dienen in der Bundeswehr. Nun werden sie eigene Seelsorger bekommen: Militärrabbiner. In schwierigen Situationen und ethischen Fragen könnten die Rabbiner Unterstützung geben, sagte der Historiker Michael Wolffsohn im Dlf. 

Alexander Neu, von der Linksfraktion zeigt sich neutral: "Als Atheist der ich bin, bin ich da relativ leidenschaftslos. Aber natürlich, es gibt religiöse Gruppen in Deutschland, Menschen, die einen Glauben haben, und wenn sie in der Bundeswehr dienen, dann sollen sie auch die Möglichkeit haben, dort geistigen Beistand zu erhalten."

19.07.2018, Bayern, München: Josef Schuster, Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, aufgenommen während der Vergabe des Simon-Snopkowski-Preis. Der Preis wird alle zwei Jahre von der Gesellschaft für jüdische Kultur und Tradition verliehen. Seit 2010 erhält eine Persönlichkeit bzw. eine Institution einen Ehrenpreis für besondere Verdienste um das Judentum und das Zusammenwirken von Juden und Christen. (dpa / picture alliance / Peter Kneffel)Josef Schuster, Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland (dpa / picture alliance / Peter Kneffel)
Ein Zeichen von Normalisierung

Es geht um geschätzt 300 Bundeswehrsoldaten jüdischen Glaubens. Das Kabinett hat am Mittwoch den Weg für einen Staatsvertrag mit dem Zentralrat der Juden frei gemacht. Josef Schuster, der Vorsitzende des Zentralrats, zeigt sich zufrieden. Für ihn ist die Gründung eines Militärrabbinats in der Bundeswehr ein Zeichen von Normalisierung. Schuster zum Deutschlandfunk:

"Militärrabbiner ist für eine deutsche Armee nichts Neues. Es gab bereits im Ersten Weltkrieg jüdische Feldrabbiner, es gibt in vielen europäischen Armeen heute Rabbiner, in Holland, in England und in Frankreich, um nur drei Beispiele zu nennen."

Bisher konzentrierte sich die Militärseelsorge in der Bundeswehr um Soldaten christlichen Glaubens. Zurzeit dienen gut 50.000 evangelische und gut 40.000 katholische Soldaten, es sind Schätzwerte, da die Angabe der Religionszugehörigkeit freiwillig ist.

Bedarf an Militärseelsorge ist konstant hoch

Um diese Soldaten kümmern sich etwa 170 christliche Militärpfarrer. Der heute beschlossene Staatsvertrag ermöglicht maximal zehn Rabbiner, einer wird zunächst den Anfang machen. Josef Schuster blickt schon in die Zukunft:

"Es gilt auch, die unterschiedlichen Denominationen des Judentums, orthodox und liberal abzubilden. Man fängt immer mit einem an, aber es ist von vornherein geplant, es nicht bei einem zu belassen."

Agnieszka Brugger von den Grünen sieht im heutigen Beschluss auch ein wichtiges Signal in Zeiten eines erstarkenden Antisemitismus. Aus ihrer Sicht ist der Bedarf an Militärseelsorge, insbesondere in den Einsatzgebieten, konstant hoch:

"Was mich immer sehr beeindruckt hat ist die pragmatische Herangehensweise, die sowohl die Militärseelsorger als auch die Soldatinnen und Soldaten selbst haben. Da wird dann jemand, der atheistisch ist, nicht sagen, ich möchte nicht mit einem Vertreter der christlichen Kirche sprechen, sondern das wird sehr rege genutzt und sehr wertgeschätzt."

Agnieszka Brugger spricht im Deutschen Bundestag zu den Abgeordneten. (Christophe Gateau/dpa)Die Grünen-Abgeordnete Agnieszka Brugger (Christophe Gateau/dpa)
Bleibt die Frage nach möglicher Seelsorge für Bundeswehrsoldaten anderen Glaubens. Die geschätzte Zahl der muslimischen Soldaten in der Bundeswehr liegt bei 3.000. Anita Schäfer von der CDU sagt: Das Thema ist in Arbeit.

"Wir werden da nicht lockerlassen. Der Glauben dort ist ja viel mehr vereinzelt, da gibt es ja viel mehr Glaubensgruppen als in einer katholischen oder christlichen oder jüdischen. Die haben viel mehr Unterteilungen."

Eine analoge Regelung durch einen Staatsvertrag wird es also nicht geben. Jan Nolte von der AfD ist aber auch grundsätzlich für ein entsprechendes Angebot an die Soldaten:

"Es ist natürlich wichtig, dass das, was die Imame erzählen, auch auf dem Boden der freiheitlichen demokratischen Grundordnung steht, also sicherlich haben auch Soldaten muslimischen Glaubens einen Bedarf an einer seelsorgerischen Betreuung, aber es müssen eben die Voraussetzungen erfüllt sein und das ist da noch nicht der Fall, soweit ich weiß."

Militär-Imame könnten durch sogenannte Gestellungsverträge an die Bundeswehr gebunden werden. Wann das geschieht, ist noch unklar.

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