Seit 23:10 Uhr Das war der Tag

Dienstag, 20.11.2018
 
Seit 23:10 Uhr Das war der Tag
StartseiteUmwelt und VerbraucherBitterschokolade besonders von Schwermetall betroffen09.12.2016

Cadmium in KakaoBitterschokolade besonders von Schwermetall betroffen

Über die Nahrung oder über die Atemwege kann das Schwermetall Cadmium aufgenommen werden. Es gelangt auch in die Nahrung - über Kakao-Pflanzen, vor allem über die, die auf vulkanischem Gestein gewachsen sind. Besonders Bitterschokolade mit hohem Kakaoanteil ist laut Lebensmittelchemikern betroffen.

Von Beatrice Zajda

Eine Tafel Vollmilchschokolade in Nahaufnahme (picture alliance / dpa / Frank Rumpenhorst)
Mehr als 27 Gramm Bitterschokolade sollte am Tag nicht verzehrt werden. (picture alliance / dpa / Frank Rumpenhorst)
  • E-Mail
  • Teilen
  • Tweet
  • Drucken
  • Podcast
Mehr zum Thema

Dubais "Weißes Gold" Milch und Schokolade aus der Wüste

Georg Bernardini Die Welt der Schokolade

Faire Schokolade Weihnachtsmänner demonstrieren für bessere Arbeitsbedingungen von Kakaobauern

Mineralöl in Adventskalendern Foodwatch fordert Grenzwerte für Lebensmittel

Mineralöle in Adventskalendern sorgten vor gut einem Jahr für Aufsehen. Auch aktuell werden – laut dem gemeinnützigen Verein Food-Watch – in Schokoladenprodukten vereinzelt Rückstände der erbgutschädigenden Substanzen von aromatischen Mineralölen gefunden. Grund sind unter anderem Altpapier-Verpackungen: Über die Druckerfarben auf diesen Verpackungen gelangen Mineralöle dann ins Lebensmittel. Es gibt aber auch natürliche Schadstoffe, die bereits im Boden über die Kakaopflanze aufgenommen werden. Vor allem Schokolade mit hohem Kakaoanteil – wie Bitterschokolade – kann das Schwermetall Cadmium enthalten.

"Als Hersteller von Schokolade beziehen wir Zutaten von Herstellern, von Importeuren, und es ist deren Pflicht sozusagen, diese Schadstoffe aufzuzeigen beziehungsweise einfach entsprechende Analysen zu machen."

Für Edel-Bitter-Schokolade können nur bestimmte Sorten verwendet werden

Julia Brodbeck leitet in München eine Schokoladen-Manufaktur. Um besonders hochwertige Schokoladenerzeugnisse herzustellen, sind Schokoladen-Hersteller auf Kakao aus Südamerika – wie beispielsweise Peru - angewiesen. Denn für Edel-Bitter können nur ganz bestimmte Kakaosorten verwendet werden, so Ursula Blum vom Chemischen- und Veterinäruntersuchungsamt in Fellbach bei Stuttgart:

"Der Begriff 'edel' ist eine Aussage, was für eine Kakaosorte verwendet wird, nämlich es gibt Edel-Kakaosorten und Konsumkakaosorten und Edel-Kakao, die sind, sagt der Name schon, vom Aroma und von der Qualität sehr hochwertig und wachsen nur in bestimmten Ländern. Und welche Länder das sind, steht im Internationalen Kakaoabkommen."

Das sind Länder in Südamerika, auf den karibischen Inseln und auch westafrikanische Länder. Für Ursula Blum haben vor allem südamerikanische Kakaolieferanten mit der Bodenbeschaffenheit der Anbauflächen ein Problem:

"Und dort hat man vulkanisches Gestein, und das ist die Ursache fürs Cadmium, weil Vulkangestein hat viel Cadmium, und die Kakaobohne, die auf solchem Gestein wächst, die ist dann halt auch cadmiumreich."

Cadmium-Grenzwerte für Lebensmittel

Pflanzen auf vulkanischem Gestein sind ein Risiko. Über die Pflanze gelangt das Schwermetall Cadmium ins Lebensmittel und zum Verzehr. Aber auch in der Luft und im Wasser lagert das Gift in sehr geringen Mengen, so Umweltchemiker. Die EU hat deshalb vor zwei Jahren Grenzwerte für Cadmium in Lebensmitteln festgelegt. Innerhalb dieser Grenzen dürfen Lebensmittel – wie auch Schokolade – nicht mehr Cadmium enthalten. Jedoch erst in zwei Jahren ist diese EU-Regelung bindend, also 2019. Ursula Blum vom Chemischen- und Veterinäruntersuchungsamt in Fellbach bei Stuttgart musste bis jetzt nicht viele Untersuchungen auf erhöhte Cadmium-Werte bemängeln:

"Ich hatte zwei oder drei Kakao, habe ich halt dies Mal dem Hersteller auf die Grenzwerte hingewiesen, dass ab 2019 die und die Werte gelten."

Auch Schokoladen-Herstellerin Julia Brodbeck aus München vertraut ihrem Lieferanten und den vor Ort durchgeführten Analysen. Hätte der Edel-Kakao aus Peru mehr Cadmium als erlaubt, würde der Lieferant seinen Job verlieren:

"Aber der Lieferant ist ja unter den Grenzwerten, und nur ein kleiner Teil des Kakao sind in unseren Zutaten drin, das heißt, ich weiß mit dem Mix der anderen Zutaten liegen wir noch mal weiter drunter, und er überschreitet ja die Grenzen nicht. Ich kenne die Grenze, er kennt die Grenze, und er liegt drunter."

Schokolade mit hohem Kakaoanteil weniger genießen

Täglich darf Bitterschokolade bis 27 Gramm verzehrt werden, so Lebensmittelchemikerin Ursula Blum. Genuss in Maßen ist ihre Devise. Dann würde es keine gesundheitlichen Folgen für den Verbraucher geben. Bei einer akuten Cadmiumvergiftung drohen beispielsweise Nierenschäden oder Osteoporose, fanden Umweltmediziner heraus und warnen: Das toxische Cadmium kann bis zu 30 Jahren im Körper bleiben. Es gibt zudem Risikogruppen: Außer über Schokolade wird das Schwermetall beim Rauchen aufgenommen. Margarete Besemann von der Verbraucherzentrale Düsseldorf rät den Rauchern deshalb:

"Wer da sein Risiko zumindest in dem Bereich minimieren möchte, dem ist natürlich zu empfehlen zu Milchschokolade zu greifen als zu Bitterschokolade."

Auch Menschen mit Eisenmangel nehmen vermehrt Cadmium auf und Vegetarier, denn nicht nur Schokolade könnte belastet sein, auch Weizen, Spinat und Grünkohl beispielsweise, zwar in geringen Mengen. Aber die Dosis machte das Gift, so Verbraucherschützerin Besemann und empfiehlt deshalb: eine abwechslungsreiche Ernährung, um die Aufnahme von Schwermetallen so gering wie möglich zu halten.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk