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StartseiteCorsoFeministischer Folk und psychedelischer Dub01.02.2020

Chiles alternative MusikszeneFeministischer Folk und psychedelischer Dub

Die alternative Musikszene Chiles charakterisiert sich durch die Diversität verschiedener Musikgenres, den Einfluss elektronischer Klänge und politische Messages, die besonders seit den Protesten im Oktober immer stärker zum Vorschein kommen.

Von Sophia Boddenberg

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Auf dem Foto ist die chilenische Band Terranauta zu sehen, die in die Kamera lächelt. (Francisca Ortega)
Die chilenische Band Terranauta (Francisca Ortega)
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Die Schwestern Francisca Lafuente und Bárbara Lafuente sind das Herz und die Seele der Musikgruppe Fuente de Barro – Tonschale heißt das übersetzt – und der Name der Band steht auch sinnbildlich für den Mix verschiedener Musikstile, der sie charakterisiert:

Francisca Lafuente: "Es fällt uns schwer, uns zu definieren. Wir machen urbane Musik, Fusion, Folk, Soul. Für ein Festival haben wir uns einmal auf urbane lateinamerikanische Fusion geeinigt, aber vielleicht trifft Weltmusik es besser."

Bárbara Lafuente: "Dafür steht die Tonschale. In diese Schale werfen wir verschiedene Klänge und spielen damit."

Fuente de Barro wurde 2017 gegründet. Die Lieder komponiert und schreibt die 29-jährige Francisca Lafuente, sie spielt Gitarre und singt. Ihre 21-jährige Schwester Bárbara ist die zweite Stimme, spielt Ukulele und Charango. Trompete, Percussion und Schlagzeug kommen auch zum Einsatz. "Aún" heißt ihr erstes Album. Der Feminismus spielt darin eine wichtige Rolle, erklären die Schwestern.

Bárbara Lafuente: "Als Band sind wir immer von vielen Frauen umgeben, und deswegen wollen wir die Dinge anders machen als im patriarchalen System. In diesem Sinne ist die Musik wie eine große Umarmung."

Francisca Lafuente: "In der Vielfalt steckt die Wahrheit der Dinge und die Schönheit des Lebens in all ihren Facetten."

Neuer kreativer Schub

Die Proteste gegen die chilenische Regierung - die soziale Ungleichheit und das neoliberale Wirtschaftssystem -, die seit dem 18. Oktober das Land erfasst haben, haben der Gruppe Fuente de Barro einen neuen kreativen Schub gegeben.

Francisca Lafuente: "Es wurde ein sehr essenzielles Gefühl in uns erweckt – Wer sind wir? Was machen wir? Was wollen wir erschaffen? Wie wollen wir miteinander umgehen? Die Kunst, die Kultur und die Musik haben uns inspiriert, uns zu zeigen und uns unter Musikerinnen und Musikern zu unterstützen, um einen Beitrag zur chilenischen Musikkultur zu leisten."

Auch die Band Terranauta steht für die Diversität von Genres, die die alternative Musiklandschaft Chiles so besonders macht. Im März veröffentlicht die Gruppe ihr erstes Album. Der 30-jährige Michell Moreno ist Komponist und Produzent der Band:

"Wir spielen eine Mischung aus Reggae, Rap, Dub mit psychedelischer Färbung. Rap und Reggae sind Genres die in den Ghettos entstanden sind.."

Auch Moreno ist in einem Ghetto in Chiles Hauptstadt Santiago aufgewachsen. Deshalb ist es für ihn wichtig, durch die Musik ein soziales Bewusstsein zu schaffen.

"Das Konzept von Terranauta hat mit der menschlichen Erfahrung zu tun. Der Terranauta entdeckt die Erde. Manche Lieder sind existenzialistisch, andere stellen die Gesellschaft in Frage, das System, das uns auferlegt wird, den Status Quo und den Kapitalismus."

Die Protestbewegung habe die Band dazu inspiriert, sich stärker sozial und politisch zu positionieren.

"Wir erleben gerade einen musikalischen Frühling in Chile. Die Musikszene ist sehr divers, aber eine Gemeinsamkeit ist das soziale Bewusstsein und die Mischung verschiedener Genres, die an unsere Herkunft appellieren."

Kein Ende in Sicht

Moreno selbst haben die Proteste dazu inspiriert, zu komponieren. Um seine Gefühle und Gedanken auszudrücken, hat er in seinen Stücken elektronische Klänge, politische Diskurse und Töne von der Straße und den Protesten vermischt.

Ein Ende der Proteste in Chile ist bisher nicht in Sicht – viele sprechen schon von der "Oktoberrevolution" oder vom "chilenischen Frühling". Diese Revolution findet nicht nur auf den Straßen statt, sondern auch in der Musik – und wird angeführt von einer neuen Generation von Künstlern und Bands wie Fuente de Barro und Terranauta.

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