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StartseiteWirtschaft am MittagDiesel nicht umweltfreundlicher als Benzin20.09.2017

CO2-AusstoßDiesel nicht umweltfreundlicher als Benzin

Das Bundesverkehrsministerium hat auf eine Anfrage der Grünen bekannt gegeben, dass Benzinautos ungefähr genauso viel Kohlendioxid ausstoßen wie Dieselautos. Das regt die aktuelle Diskussion bezüglich der steuerlichen Vorteile für Dieselfahrzeuge weiter an.

Von Stefan Maas

Zapfsäulen an einer Tankstelle 13. Mai 2011 (imago stock&people)
Gefordert wird eine Änderung der Besteuerung von Kraftstoffen, denn der Steuersatz für Benzin liegt heute bei 18,4 Cent pro Liter über dem für Diesel (imago stock&people)
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Im Durchschnitt stießen alle 2016 zugelassenen Dieselautos 128 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer aus. Und damit nicht wesentlich weniger als neu zugelassene Benziner. Die kamen im Schnitt auf 129 Gramm CO2 pro Kilometer. Das geht aus der Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine kleine Anfrage der Grünen hervor, über die zuerst die Zeitungen der Funke Mediengruppe berichteten.

Ein vergleichbares Verhältnis gibt es der Antwort zufolge seit zehn Jahren. Allerdings ist die CO2-Menge in diesem Zeitraum gesunken. Aus der Zulassungsstatistik des Kraftfahrtbundesamtes geht hervor, dass im Jahr 2007 ein neu zugelassener Pkw mit Benzinmotor durchschnittlich 168 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer produzierte. Ein neuer Diesel 171 Gramm.

"Insofern stimmt die Behauptung nicht, der Diesel sei umweltfreundlicher als der Benziner", sagt Stephan Kühn, der verkehrspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion:

"Das liegt vor allem daran, dass die Dieselautos deutlich schwerer sind und leistungsfähiger, leistungsstärker bei der Motorisierung als Benziner."

Abschaffung der Steuervergünstigung für Diesel

So geht aus der Antwort des Verkehrsministeriums hervor, dass 2016 der durchschnittliche Dieselneuwagen rund 27 PS stärker und 400 Kilogramm schwerer war als der durchschnittliche Neuwagen mit Benzinmotor. Das gilt auch - mit leichten Abweichungen - für die vorhergehenden Jahre.

Maria Krautzberger, die Chefin des Umweltbundesamtes hatte deswegen Anfang August erneut die Abschaffung der Steuervergünstigung für Diesel angeregt. Diese Begünstigung sei nicht gerechtfertigt, sagt auch Michael Müller-Görnert, Referent für Verkehrspolitik beim VCD, dem Verkehrsclub Deutschland, der sich für eine ökologische Verkehrspolitik engagiert:

"Man muss ja auch sehen, dass ein Liter Diesel mehr CO2 produziert als ein Liter Benzin. Nur weil er effizienter in den Dieselmotoren verbrennt, hat der Diesel wieder bezogen auf den vergleichbaren Benziner einen CO2-Vorteil."

Dieser gehe mit dem höheren Gewicht und der höheren Motorenleistung aber wieder verloren.

Vorteile für umweltfreundliche Kraftstoffe

Nach dem Vorstoß des Umweltbundesamtes im August hatte sich Verkehrsminister Alexander Dobrindt gegen eine Erhöhung der Steuer auf Dieselkraftstoff ausgesprochen. Der Bild-Zeitung sagte der CSU-Minister, er sehe keine Notwendigkeit, an der Besteuerung für den Diesel etwas zu ändern. Bis Mitte der 80er Jahre wurden Benzin und Diesel fast gleich besteuert. Danach stieg die Energiesteuer auf Benzin deutlich stärker. Heute liegt der Steuersatz für Benzin bei 18,4 Cent pro Liter über dem für Diesel. Stephan Kühn spricht sich deshalb für eine grundsätzliche Änderung der Besteuerung aus:

"Die Besteuerung der Kraftstoffe sollte nach der Klimawirkung erfolgen. Das heißt, die Kraftstoffe, die besonders umweltfreundlich sind, wenig Treibhausgasemissionen verursachen, die sollten steuerlich günstiger gestellt werden."

Währenddessen hat sich die Autoindustrie am Rande der Automesse IAA gemeinsam mit der IG Metall gegen eine schnelle Abkehr von Diesel- und Benzinmotoren ausgesprochen. Die Branche brauche Verbrennungsmotoren noch länger als Brückentechnologie auf dem Weg zu emissionsfreien Elektroautos, erklärten Matthias Wissmann, der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie und IG-Metall-Chef Jörg Hofmann gestern in Frankfurt. Wissmann kündigte gemeinsamen "massiven Widerstand" an gegen jeden, der - Zitat - mit der Dachlatte des Verbots operieren will.

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