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StartseiteSport AktuellTrumps politische Spielchen02.09.2020

College-Football Trumps politische Spielchen

Alljährlich im September beginnt in den USA die neue Football-Saison. Und zwar nicht nur die National Football League, sondern auch am College. In vielen Bundesstaaten sind diese Spiele sogar von größerer Bedeutung, als die Begegnungen der NFL-Profis. Doch in zwei der Top-5-Ligen fallen nun die Spiele aus - sehr zum Ärger von Donald Trump.

Von Heiko Oldörp

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US-Präsident Donald Trump empfängt das Tigers Football Team der Louisiana State University im Weißen Haus.  (dpa / picture alliance / Yasin Ozturk)
Beim College-Football geht es für Donald Trump auch um seine Wiederwahl im November. (dpa / picture alliance / Yasin Ozturk)
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Als Donald Trump am Dienstag nach Kenosha reiste, dorthin, wo der Schwarze Jacob Blake durch sieben Schüsse eines Polizisten schwer verletzt wurde, richtete sich sein Blick auch auf College-Football.

Kenosha liegt in Wisconsin - und das Football-Team der Universität von Wisconsin spielt in der Big Ten Conference - einer der Top-5-Ligen. Doch in diesem Herbst wird es aufgrund von COVID-19 keine Spiele geben. Das hatte die Big Ten im August beschlossen - und das passt dem US-Präsidenten nicht.

College-Football für Trump überlebenswichtig

Die Demokraten seien Schuld, sagte Trump im Fernsehsender Fox News, dass diese großartige Liga mit ihren unglaublichen Teams nicht spielen könne.

FOXBOROUGH, MA - JANUARY 04: New England Patriots linebacker Dont a Hightower 54 before an AFC Wild Card game between the New England Patriots and the Tennessee Titans on January 4, 2020, at Gillette Stadium in Foxborough, Massachusetts. Photo by Fred Kfoury III/Icon Sportswire NFL, American Football Herren, USA JAN 04 AFC Wild Card - Titans at Patriots PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxRUSxSWExNORxDENxONLY Icon482200104126 (www.imago-images.de) (www.imago-images.de)NFL-Saison - Mehr als 60 Spieler sagen "nein Danke"
66 Profis aus der US-Football-Liga NFL haben sich dazu entschlossen, die kommende Spielzeit aufgrund des Coronavirus auszusetzen. Manche Akteure könnten sich aus finanziellen Gründen dazu entschlossen haben, denn bezahlt werden sie trotzdem. 

Dass er nun großen Druck ausübt, dass die Spiele doch stattfinden und dabei zugleich gegen die Demokraten wettert, hat einen Grund: Trump weiß, wenn im Herbst wegen des von ihm stets unterschätzten Coronavirus kein College-Football gespielt werden kann, wenn die Stadien und Sportsbars leer bleiben, dann kann das auch auf ihn zurückfallen - und ihn im Wahlkampf womöglich entscheidend schwächen.

Bidens Wahlkampfteam hat bereits einen Werbespot gesendet, der unter anderem leere Stadien zeigt. Trump nutzte ein Fox News-Interview zum Gegenschlag.

"Dies zeigt doch, wie die Demokraten lügen. Ich bin Derjenige, der sagt, 'lasst' uns Football spielen, das sind junge, starke Menschen, die kein Problem mit COVID haben werden.' Aber das gefällt ihnen nicht. Wenn man mal schaut, all diese Bundesstaaten, die von Demokraten geführt werden, sind noch nicht wieder geöffnet. Warum? Weil wir am 3. November eine Wahl haben."

College-Football ist Big Business

Der Epidemiologe Zachary Binney vom Oxford-College der Emory University in Atlanta sieht dagegen die Schuld bei Trump und den "glanzlosen Anstrengungen" der US-Regierung im Kampf gegen COVID-19.

Dem Deutschlandfunk sagt er: "Wir sollten dieses Problem gemeinsam angehen, vereint als Allianz gegen diesen einen Feind, das Virus. Wir haben jahrzehntelange Erfahrung im Gesundheitswesen und es gibt weltweit viele Beispiele, Deutschland eingeschlossen, wie diese Pandemie bekämpft werden kann. Aber wir haben uns einfach entschieden, dies nicht zu tun."

Sebastian Vollmer, ehemaliger Footballprofi und zweimaliger Supberbowl-Gewinner (imago / Tischler) (imago / Tischler)NFL - „Jedes Spiel endet in einem Schweinehaufen“Der frühere deutsche NFL-Profi Sebastian Vollmer hält es für schwierig, sich im American Football komplett vor dem Coronavirus zu schützen. Wenn ein Spieler krank spiele, könne man die Ansteckung vermutlich nicht vermeiden, sagte Vollmer im Dlf.

College-Football ist Big Business in den USA. Das vergangene Endspiel verfolgten 25,6 Millionen Menschen im TV - und somit mehr als die Finalserie der Basketball-Liga NBA. Die Partien und die Teams sind die Pulsader für ganze Regionen, sichern Umsatz und Einkommen für Tausende. College-Football ist zudem das Schaufenster zur NFL. Hier rekrutiert die Profiliga viele ihrer Spieler.

Es gebe viele Gründe, so Binney, College Football wieder spielen und gucken zu wollen. Aber so, wie die USA auf das Virus reagiert haben, betont der Epidemiologe, hätten sie sich dies einfach nicht verdient.

Neben der Big Ten hat mit der Pac-12 eine weitere der Top-Ligen entschieden, diesen Herbst nicht zu spielen. Trump hat diese Conference jedoch nicht erwähnt. Die Pac-12 umfasst unter anderem die Bundesstaaten Kalifornien, Oregon und Washington State. Sie alle sind Hochburgen der Demokraten und Trump weiß, dass er hier keine Chance hat, zu gewinnen.

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