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StartseiteThemaDie Rolle der Hausärzte in der Impfstrategie03.05.2021

Corona-Impfungen in der PraxisDie Rolle der Hausärzte in der Impfstrategie

Mehr als 60.000 Arztpraxen sind mittlerweile bei den Corona-Schutzimpfungen dabei. Betriebsärzte werden ab 7. Juni hinzugezogen. Die Impfkampagne soll dadurch weiter Fahrt aufnehmen. Spätestens im Juni soll auch die Impfpriorisierung aufgehoben werden. Ein Überblick.

Nicola Buhlinger-Göpfarth (r), Fachärztin für Allgemeinmedizin, impft in ihrer Praxis eine Patientin gegen das Coronavirus.  (picture alliance/dpa - Christoph Schmidt)
Schon bald könnte in Arztpraxen flächendeckend geimpft werden, auch in Betrieben arbeitet man an einer Impflösung (picture alliance/dpa - Christoph Schmidt)
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Verglichen mit anderen Staaten hinkt Deutschland bei den Impfungen gegen SARS-CoV2 hinterher. Doch die Impfkampagne hat deutlich an Fahrt aufgenommen. Ende April wurden zum ersten Mal mehr als eine Million Impfdosen an einem Tag gespritzt. Mit der Einbindung der niedergelassenen Ärzte und mit einer erhöhten Menge der Impfdosen könnte bald auch die Priorisierung in der Impfreihenfolge fallen. 

Welcher Impfstoff wird in Hausarztpraxen verimpft?

Zunächst waren es nur einige wenige Hausarztpraxen in Modellversuchen, seit Ostern sind die deutschen Hausärzte flächendeckend in die Impfkampagne eingebunden. Anfang Mai waren es mehr als 64.000 Arztpraxen. Der Großteil sind laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung Hausärzte, es kommen nun aber immer mehr Fachärzte hinzu. 

Seit Ende März ist der Impfstoff von Biontech auch mit einer Kühlung von minus 25 bis minus 15 Grad von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) zugelassen. Vorher waren maximal minus 60 Grad vorgeschrieben. Biontech selbst geht sogar davon aus, dass das Vakzin bis zu fünf Tage auch problemlos bei zwei bis acht Grad gelagert werden kann. 

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Auch das Vakzin von Astrazeneca wird von Hausärzten verimpft - und in einigen Bundesländern sogar für alle Altersgruppen freigegeben, also auch für die unter 60-Jährigen und ohne Priorisierung. Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Bayern und Berlin machten dabei den Anfang.

Drei Impfampullen der Hersteller Biontech/Pfizer, Moderna und AstraZeneca stehen nebeneinander (picture alliance / ZUMAPRESS.com | Luka Dakskobler) (picture alliance / ZUMAPRESS.com | Luka Dakskobler)Astrazeneca - Was über Wirksamkeit und Nebenwirkungen bekannt ist 
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Welchen Vorteil hat das Impfen in Hausarztpraxen?

Unterstützen die niedergelassenen Ärzte die Testzentren, geht die Impfkampagne schneller voran. Hausärzte sind in der Regel schnell und unkompliziert zu erreichen, und Impfen gehört zu ihrem Kerngeschäft. In jeder Influenza-Saison impfen Haus- und Fachärzte innerhalb kurzer Zeit zwischen zehn und zwanzig Millionen Menschen. Fabian Holbe impfte bereits vor dem offiziellen Start der Kollegen in seiner Hausarztpraxis in Nordwestmecklenburg in einem Pilotprojekt und sagte schon im März im Deutschlandfunk: "Wir werden einen enormen Geschwindigkeitsbonus erreichen, wenn flächendeckend in Arztpraxen geimpft wird." 

Mithilfe der Impfungen in Hausarztpraxen werde man Ende April auf fünf Millionen Impfungen pro Woche kommen, prognostizierte Bundesfinanzminister und SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz im Deutschlandfunk. "Im Höhepunkt Juni, Juli, um den Wechsel, wird es bis zu zehn Millionen Impfungen pro Woche geben."

Ein Corona-Impfstoff wird mit einer Spritze aufgezogen. (imago / Georg Ulrich Dostmann) (imago / Georg Ulrich Dostmann)Hausärztin: "Wir sind die ersten Ansprechpartner für unsere Patienten"
Anke Richter-Scheer vom Bundeshausärzteverband hält es für richtig, die Arztpraxen in die Corona-Impfstrategie mit einzubeziehen. Hausärzte seien die Ansprechpartner für Patienten und könnten die Impfungen gut steuern, sagte sie im Dlf.

Welche Probleme gibt es derzeit noch?

Momentan gibt nach wie vor nicht genug Impfstoff für alle Impfwilligen. Für die Woche ab dem 10. Mai können Arztpraxen laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung maximal 36 Dosen Biontech-Impfstoff bestellen. Keine Obergrenze besteht für den Impfstoff von Astrazeneca.

Die Hausärzte kritisieren den Verteilschlüssel. Ihrer Meinung nach wäre es besser, mehr Impfstoff an die Praxen auszuliefern und weniger an die Impfzentren. Auch der CDU-Gesundheitspolitiker Erwin Rüddel nahm das baldige Ende der Impfpriorisierung  zum Anlass, das Ende der Impfzentren anzuregen: Die Hausärzte würden ihre Patienten besser kennen und gingen mit Rest-Impfstoffdosen pragmatischer um als die Impfzentren, so seine Argumentation. Die Bundesländer wiederum argumentieren, die Impfzentren würden noch gebraucht, unter anderem weil bereits die Termine für die zweiten Impfungen vereinbart seien.

Die niedergelassenen Ärzte in Deutschland hatten sich auch für eine Aufhebung der Impfpriorisierung bereits im Mai ausgesprochen. Die soll jetzt erst im Juni kommen, bis dahin sollen auch Hausärzte an der festgelegten Impfreihenfolge festhalten. Der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, wies am 28. April in einer Pressekonferenz in Berlin darauf hin, dass erst zwei Drittel der über 80-Jährigen geimpft worden seien und nur 30 Prozent der über 70-Jährigen. 

Von der Impfreihenfolge kann aber nach Beschluss der Bund-Länder-Runde vom 3. März 2021 bereits jetzt abgewichen werden, "wenn dies für eine effiziente Organisation der Schutzimpfungen oder eine zeitnahe Verwendung vorhandener Impfstoffe notwendig ist, insbesondere um den Verwurf von Impfstoffen zu vermeiden". Das gilt für Impfzentren und Hausärzte gleichermaßen.

Eine Frau wartet im Impfzentrum in der Frankfurter Festhalle bei einem Sondertermin auf die Impfung mit dem Impfstoff von Astrazeneca geimpft. In Frankfurt und weiteren Impfzentren in Hessen können sich Personen über 60 Jahre am Wochenende für Sondertermine mit dem Impfstoff von Astrazeneca anmelden. (dpa) (dpa)Impfpriorisierung wird im Juni aufgehoben
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Wie werden Betriebsärzte beteiligt?

Eine naheliegende Idee ist es auch, Impfungen direkt in den Betrieben durchzuführen. Spätestens ab 7. Juni sollen Betriebsärzte regelhaft einbezogen werden. Vorgesehen sind dann laut Bundesgesundheitsminister Spahn für sie mindestens 500.000 Impfdosen pro Woche - das berichtete die "Welt am Sonntag" am 2. Mai. Betriebsärzte in Firmen könnten helfen, mit niedrigschwelligen Angeboten zu überzeugen. Dies könne Menschen fürs Impfen gewinnen, die "nicht das Gegenargument suchen, sondern die Gelegenheit".

Ulrike Lüneburg, Geschäftsführerin von BAD, einem Unternehmen, das Betriebsarztaufgaben für Unternehmen organisiert, hatte bereits im März im Dlf angekündigt, BAD sei ab Mitte April bereit für die Verimpfung in Betrieben. Insgesamt werden durch das Unternehmen 280.000 Firmen und Betriebe mit vier Millionen Beschäftigten betreut. Lüneburg geht davon aus, dass pro Quartal ungefähr 1,2 Millionen Impfungen durchgeführt werden könnten. Dies könne durch vorhandene Gesundheitszentren, in den Räumlichkeiten vor Ort oder in speziell zur Verfügung gestellten Zelten oder ähnlichen Räumen geschehen. Die Unternehmen wollten so schnell wie möglich wieder zurück in einen geregelten Ablauf, berichtete die Geschäftsführerin von BAD. Entsprechend erreichten ihr Unternehmen derzeit viele Anfragen. 

Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)Übersicht zum Thema Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)

(Quelle: Marius Gerads, js, nin, og, tei)

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