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StartseiteSprechstundeKönnen Geimpfte andere Menschen weiter anstecken?18.05.2021

Corona-ImpfungenKönnen Geimpfte andere Menschen weiter anstecken?

Die Große Koalition hat Lockerungen der Corona-Maßnahmen für vollständig Geimpfte beschlossen. Nach ersten wissenschaftlichen Berichten soll von ihnen kaum noch ein Ansteckungsrisiko ausgehen. Aber wie infektiös sind Geimpfte tatsächlich noch und welche Schlussfolgerungen lassen sich daraus ziehen?

Von Volkart Wildermuth

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Kräne sind auf einer Baustelle hinter einer Hinweistafel auf den Weg zum Impfzentrum zu sehen. Die Infektionszahlen steigen, gleichzeitig fallen geplante Impfungen mit dem Impfstoff Astrazeneca aus. (dpa / picture alliance / Rolf Vennenbernd)
Neue Mutationen bergen die Gefahr, dass eine Impfung oder eine überstandene Corona-Infektion nicht so wirksam vor einer Ansteckung mit dieser Variante schützt (dpa / picture alliance / Rolf Vennenbernd)
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Wie wirksam sind die Impfungen?

Die gute Nachricht: Wer zweimal mit Astrazeneca, Moderna oder Biontech geimpft wurde, erkrankt mit einer hohen Wahrscheinlichkeit nicht mehr an Covid-19. Jedoch bietet kein Impfstoff einen 100-prozentigen Schutz vor einer Erkrankung. Zudem gibt es das Phänomen Long Covid. Dabei entwickeln Menschen Monate nach der Infektion plötzlich doch noch schwere Symptome. Es besteht die Hoffnung, dass die Impfung auch dieses Phänomen künftig verhindert.

Impfen zielt jedoch nicht nur auf den individuellen Schutz, sondern auch auf den Schutz der anderen. Bei SARS-CoV-2 gilt es jedoch als unwahrscheinlich, dass durch eine Impfung die sogenannte "sterile Immunität" erreicht wird – das Virus also durch die Immunisierung überhaupt nicht mehr in den Körper gelangt. Es ist durchaus möglich, dass sich SARS-CoV-2 in der Nase von Geimpften festsetzen kann, bevor das Immunsystem reagiert.

Wie infektiös sind Geimpfte noch?

In einer Studie des Robert Koch-Institutes heißt es: "Nach gegenwärtigem Kenntnisstand ist das Risiko einer Virusübertragung durch Personen, die vollständig geimpft wurden, spätestens zum Zeitpunkt ab dem 15. Tag nach Gabe der zweiten Impfdosis geringer als bei Vorliegen eines negativen Antigen-Schnelltests bei symptomlosen infizierten Personen." Es bleibt demnach ein Restrisiko, das liegt aber in einem Bereich, den wir als Gesellschaft bei den Tests bereits akzeptieren.

Da mit der Impfung gegen SARS-CoV-2 keine "sterile Immunität" erreicht wird, besteht theoretisch die Möglichkeit, dass Geimpfte andere mit dem Virus infizieren. In der Praxis geschieht das aber eher selten. Das zeigen erste Daten zum breiten Einsatz der Impfstoffe aus Israel, aus Großbritannien und den USA. Alle deuten in eine Richtung: Wo viel geimpft wurde, verlangsamt sich auch die Ausbreitung des Virus.

7-Tage-Inzidenzen verschiedener Länder im Vergleich

In Israel wurden Personen untersucht, die trotz einer Impfung positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurden. Das waren zum einen nur wenige, vor allem aber lag bei ihnen die Virenbelastung nur bei einem Viertel des Durchschnittswertes.

Eine noch nicht abschließend begutachtete Studie versucht das anhand von Daten zu fast 400.000 Haushalten in Großbritannien genauer zu fassen. Dabei zeigte sich, dass wenn sich jemand trotz Impfung angesteckt hat, er oder sie das Virus nur halb so häufig an andere Personen im Haushalt weitergab. Also stecken sich Geimpfte anscheinend deutlich seltener selbst an und geben das Virus auch seltener weiter. 

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In den USA wurden zudem fast 4.000 Pflegekräfte und andere Menschen aus früh geimpften Gruppen über 13 Wochen begleitet, jede Woche getestet und mit nicht geimpften Personen verglichen. Dabei stellte man fest, dass es in der Gruppe der Geimpften 90 Prozent weniger Infektionen gab – und zwar einschließlich asymptomatischer Infektionen. Das bedeutet: Das Risiko, als Geimpfte oder Geimpfter das Virus weiterzugeben, ist sehr gering.

Der Fall in Leichlingen

Obwohl alle Bewohner geimpft waren, kam es in einem Seniorenheim in Leichlingen (NRW) zu einem größeren Corona-Ausbruch. Der Düsseldorfer Virologe Jörg Timm schließt aus dem zeitlichen Verlauf der Infektionen, dass das Virus nicht von einem Heimbewohner zum nächsten weitergereicht wurde, sondern dass jemand von außen gleich ein Dutzend der geimpften Bewohner anstecken konnte. Es deutet nichts darauf hin, dass die Heimbewohner selbst hoch ansteckend waren.

Blick auf das Seniorenheim Pilgerheim Weltersbach in Leichlingen, im Vordergrund ist ein Schild mit der Aufschrift "Pilgerheim Weltersbachr" zu sehen (imago/ Tim Ölbermann) (imago/ Tim Ölbermann)Erkenntnisse aus dem Seniorenheim in Leichlingen
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Unklar ist, ob es sich um ein einzelnes Superspreading-Ereignis handelte, oder ob vielleicht jemand vom Personal über mehrere Tage Menschen infizieren konnte. Und wichtig ist: In Leichlingen kam es trotz der vielen Infektionen nicht zu schweren Verläufen. Damit hat der Fall dank der Impfungen einen ganz anderen Verlauf als Corona-Ausbrüche in Heimen zu Beginn der Pandemie.

Wie gefährden die Mutationen den Fortschritt?

Wenn immer mehr Menschen geimpft sind, setzen sich vor allem die Varianten durch, bei denen die Impfung nicht so gut wirkt - und die Varianten, die besonders gut Menschen neu infizieren können. Varianten, bei denen die Impfwirkung weniger effektiv ist, gibt es etwa in Südafrika, in Brasilien und eventuell auch in Indien: In diesen Ländern kommt es wegen der Mutationen vermehrt zu Ansteckungen unter Geimpften. Allerdings scheinen die Impfungen zumindest schwere Verläufe auch bei den Varianten weitgehend zu verhindern. Noch fehlen dazu aber ausreichend belastbare Daten.

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Zudem ist aktuell noch nicht klar, wie lange der Impfschutz wirkt. Möglich sind regelmäßige  Auffrischungsimpfungen, die an den dann umlaufenden Varianten angepasst sind. Deshalb ist es entscheidend, die Infektionszahlen deutlich abzusenken. Das ist der effektivste Weg, das Risiko für Ansteckungen nach einer Impfung zu senken und damit auch die Entstehung von Varianten hinauszuzögern. 

Beginnt mit der Impfung die große Freiheit?

Die Bundesregierung hat beschlossen, vollständig Geimpfte und Genesene mit denjenigen gleichzustellen, die einen aktuellen negativen Schnelltest vorweisen können. Für sie gelten Ausgangssperre, Quarantänepflichten nach Reisen und Kontaktbeschränkungen nicht mehr. 

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Aktuell sind die Intensivstationen mit rund 3.200 Covid-19-Patienten belegt (Stand: 25. Mai), im Durchschnitt mit Menschen in der Lebensmitte. Das heißt für alle Bürgerinnen und Bürger, ob geimpft oder nicht: Einschränkungen ernst nehmen und Kontakte reduzieren. Denn auch wenn die Schutzwirkung der Impfstoffe groß ist, besteht immer noch ein Restrisiko.

Das lässt sich mit einem einfachen Beispiel verdeutlichen: Angenommen, eine Person ist durch eine Impfung zu 90 Prozent geschützt. Vor der Impfung hat diese Person regelmäßig nur eine andere Person getroffen. Trifft sie nun nach der Impfung regelmäßig zehn Menschen, ist das Risiko, sich anzustecken, rein mathematisch gleich geblieben. Der Schutz vor schweren Verläufen ist zwar deutlich besser, aber die Menge der Kontakte erhöht das Risiko der Verbreitung. 

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Welche Verhaltensregeln sollten Geimpfte weiter beachten?

Das Robert Koch-Institut empfiehlt eindeutig: Geimpfte Personen sollten "bis auf Weiteres Maske tragen, sich an die Hygiene- und Abstandsregeln halten" – eben, um andere vor einer Ansteckung zu schützen.

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