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StartseiteSprechstundeKönnen Geimpfte andere Menschen weiter anstecken?20.04.2021

Corona-ImpfungenKönnen Geimpfte andere Menschen weiter anstecken?

Gesundheitsminister Jens Spahn hat vollständig gegen Corona Geimpften mehr Freiheiten in Aussicht gestellt. Laut einem RKI-Bericht soll von ihnen kaum noch ein Ansteckungsrisiko ausgehen. Aber wie infektiös sind Geimpfte tatsächlich noch und welche Schlussfolgerungen lassen sich daraus ziehen?

Von Volkart Wildermuth

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Kräne sind auf einer Baustelle hinter einer Hinweistafel auf den Weg zum Impfzentrum zu sehen. Die Infektionszahlen steigen, gleichzeitig fallen geplante Impfungen mit dem Impfstoff Astrazeneca aus. (dpa / picture alliance / Rolf Vennenbernd)
Neue Mutationen bergen die Gefahr, dass eine Impfung oder eine überstandene Corona-Infektion nicht so wirksam vor einer Ansteckung mit dieser Variante schützt (dpa / picture alliance / Rolf Vennenbernd)

Die Impfungen gehen voran, wenn auch weiter eher stockend. Immerhin haben bereits rund 6,7 Prozent der Bevölkerung (Stand 20.04.2021) ihre zweite Dosis erhalten und sind damit fast vollständig geschützt - vor der Krankheit Covid-19 und zum Teil wohl auch vor einer Ansteckung mit SARS-CoV-2. Ein Bericht des Robert Koch-Instituts sieht kaum noch ein Übertragungsrisiko bei vollständig Geimpften. Für Bundesgesundheitsminister Jens Spahn Grund genug, Geimpften lockere Regeln in Aussicht zu stellen.

Der Aufkleber für den Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer klebt in einem Impfausweis, nachdem der Impfausweis-Inhaber im Corona-Impfzentrum eine Impfung gegen Corona erhalten hat (dpa/Jens Büttner) (dpa/Jens Büttner)Corona-Immunitätsausweis - Mehr Freiheiten für Geimpfte?
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Wie sicher sind die Impfungen?

Die gute Nachricht: Wer zweimal mit Astrazeneca, Moderna oder Biontech geimpft wurde, erkrankt mit einer hohen Wahrscheinlichkeit nicht mehr an Covid-19. Jedoch bietet kein Impfstoff einen 100-prozentigen Schutz vor einer Erkrankung. Zudem gibt es das Phänomen Longcovid. Dabei entwickeln Menschen Monate nach der Infektion plötzlich doch noch schwere Symptome. Es besteht die Hoffnung, dass die Impfung auch dieses Phänomen künftig verhindert.

Impfen zielt jedoch nicht nur auf den individuellen Schutz, sondern auch auf den Schutz der anderen. Bei SARS-CoV-2 gilt es jedoch als unwahrscheinlich, dass durch eine Impfung die sogenannte "sterile Immunität" erreicht wird - das Virus also durch die Immunisierung überhaupt nicht mehr in den Körper gelangt. Es ist durchaus möglich, dass sich SARS-CoV-2 in der Nase von Geimpften festsetzen kann, bevor das Immunsystem reagiert.

Wie infektiös sind Geimpfte noch?

Da mit der Impfung gegen SARS-CoV-2 keine "sterile Immunität" erreicht wird, besteht theoretisch die Möglichkeit, dass Geimpfte andere mit dem Virus infizieren. In der Praxis geschieht das aber eher selten. Das zeigen erste Daten zum breiten Einsatz der Impfstoffe aus Israel, aus den USA und aus Großbritannien. Sie deuten alle in eine Richtung: Wo viel geimpft wurde, verlangsamt sich auch die Ausbreitung des Virus.

In Israel wurden Personen untersucht, die trotz einer Impfung positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurden. Das waren zum einen nur wenige, vor allem aber lag bei ihnen die Virenbelastung nur bei einem Viertel des Durchschnittswertes.

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In den USA wurden zudem fast 4.000 Pflegekräfte und andere Menschen aus früh geimpften Gruppen über 13 Wochen begleitet, jede Woche getestet und mit nicht geimpften Personen verglichen. Dabei stellte man fest, dass es in der Gruppe der Geimpften 90 Prozent weniger Infektionen gab - und zwar einschließlich asymptomatischer Infektionen. Das bedeutet: Das Risiko als Geimpfte oder Geimpfter das Virus weiterzugeben, ist sehr gering.

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In der Studie des Robert Koch-Institutes heißt es: "Nach gegenwärtigem Kenntnisstand ist das Risiko einer Virusübertragung durch Personen, die vollständig geimpft wurden, spätestens zum Zeitpunkt ab dem 15. Tag nach Gabe der zweiten Impfdosis geringer als bei Vorliegen eines negativen Antigen-Schnelltests bei symptomlosen infizierten Personen." Es bleibt demnach ein Restrisiko, das liegt aber in einem Bereich, den wir als Gesellschaft bei den Tests akzeptieren.

Beginnt mit der Impfung die große Freiheit?

So einfach ist das nicht. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat zwar vorgeschlagen, Geimpfte mit denjenigen gleichzustellen, die einen aktuellen negativen Schnelltest vorweisen können. Geimpfte könnten somit auch ohne Schnelltest einkaufen gehen und müssten nach einer Reise nicht in Quarantäne. Spahn hat jedoch wichtige Einschränkungen vorangestellt. Die größte: Die Lockerungen sollen erst gelten, wenn die dritte Welle gebrochen ist. Das kann noch dauern.

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Die Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Alena Buyx, stellte im Gespräch mit dem Deutschlandfunk allerdings Lockerungen für Geimpfte in Aussicht. 

Die harten individuellen Freiheitsbeschränkungen, wie eine Quarantäne, seien rechtlich sehr schwierig durchzusetzen, wenn die Infektiösität wegfalle, sagte Buyx Mitte April im Dlf. Sie prophezeite, dass die starken, schweren individuellen Freiheitsbeschränkungen sich für Geimpfte nicht werden halten lassen. Maskenpflicht oder die Abstandsreglen werden sich aber auch zukünftig für Geimpfte nicht zurücknehmen lassen.

Aktuell sind die Intensivstationen wieder mit knapp 5.000  Covid-19-Patienten belegt, und zwar im Durchschnitt mit Menschen in der Lebensmitte. Tendenz steigend. Das heißt für alle Bürgerinnen und Bürger: Einschränkungen ernst nehmen und Kontakte reduzieren. Denn auch wenn die Schutzwirkung der Impfstoffe groß ist, besteht immer noch ein Restrisiko.

33D-Modell des Coronavirus SARS-CoV2 (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)Übersicht zum Thema Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)

Das lässt sich mit einem einfachen Beispiel verdeutlichen: Angenommen eine Person ist durch eine Impfung zu 90 Prozent geschützt. Vor der Impfung hat diese Person regelmäßig nur eine andere Person getroffen. Trifft sie nun nach der Impfung regelmäßig zehn Menschen, ist das Risiko sich anzustecken, rein mathematisch gleichgeblieben. Der Schutz vor schweren Verläufen ist zudem deutlich besser. Aber: Die Menge der Kontakte erhöht das Risiko der Verbreitung. 

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