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StartseiteStreitkulturGroße Säle, wenig Plätze: Lohnt sich das ganze Theater?05.09.2020

Corona-SchutzbedingungenGroße Säle, wenig Plätze: Lohnt sich das ganze Theater?

Ein Fünftel ihrer Plätze dürfen Theater in Deutschland derzeit nur besetzen, Pausen in den Vorstellungen gibt es nicht mehr. Das verlangen die geltenden Abstandsregeln fürs Publikum. Auch die Proben finden auf Abstand statt. Für die Theater sind das immense Herausforderungen.

Moderation: Karin Fischer

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Theater unter Coronabedingungen bei den Broicher Schlossnacht in Mühlheim an der Ruhr im August 2020 (imago / Bettina Strenske)
Theater unter Coronabedingungen bei den Broicher Schlossnacht in Mühlheim an der Ruhr im August 2020 (imago / Bettina Strenske)
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Und wie wird die Zukunft aussehen, wenn die Kommunen im Jahr 2021 einfach sparen müssen, weil die Steuereinnahmen weniger werden. Kommt dann die alte Diskussion wieder: Kitas oder Kultur? Große Säle, wenig Plätze: Lohnt sich das ganze Theater?

Anne Schneider, Geschäftsführerin des Bundesverbands der Darstellenden Künste (petitemachine) (petitemachine)Anne Schneider, Geschäftsführerin des Bundesverbands freie Darstellende Künste, Theaterregisseurin und Festivalmacherin:

Theater lohnt sich meines Erachtens natürlich immer: Für die Menschen, die zuschauen oder mitmachen. Und für die Menschen, die hinter und auf der Bühne stehen, wenn man ausschließlich den Moment der Begegnung, das Kunsterlebnis und vor allem auch die Wichtigkeit kultureller Teilhabe betrachtet. Die akute Frage aktuell ist, ob die Akteurinnen und Akteure der freien Szene auch von ihrer Arbeit leben können. Gerade partizipative Prozesse, die viele Projekte ausmachen, können überhaupt nicht mehr stattfinden; Gruppen, die überregional oder gar international touren, verlieren wichtige Arbeitsmöglichkeiten. Es gibt eklatante Einbußen im Bereich der kulturellen Bildung. Und Künstlerinnen und Künstler, die von den Vorstellungseinnahmen ihre Abendgage generieren, stehen aufgrund geringerer Platzkapazitäten natürlich oftmals mit leeren Händen da. Ganz zu schweigen von den kleinen Häusern, die einerseits Einnahmen verlieren, andererseits aber auch mehr Ausgaben haben. Und dennoch wollen natürlich die meisten spielen und sichtbar sein und vorhandene Beziehungen pflegen. Und daher ja, das Theater lohnt sich, und wir brauchen noch viel mehr flexible, kreative und solidarische Lösungen.

Marc Grandmontagne, Geschäftsführender Direktor des Deutschen Bühnenvereins (Dt. Bühnenverein / Cornelis Gollhardt) (Dt. Bühnenverein / Cornelis Gollhardt)Marc Grandmontagne, Geschäftsführer, geschäftsführender Direktor des Deutschen Bühnenvereins:

Wirtschaftlich lohnt sich Theater natürlich nie, als Institution. Das war aber auch schon vor Corona nicht anders. Ein Theater "lohnt" sich genauso wenig wie eine Schule. Aber das ist ja auch gar nicht die Aufgabe, sondern hier geht es um kulturelle Daseinsvorsorge, um die Möglichkeit des gesellschaftlichen Diskurses mit den Mitteln der Kunst. Und obwohl Corona die darstellenden Künste ja wirklich ins Mark getroffen hat: Man kann kaum richtig proben, das ist für das Schauspiel eine Katastrophe. Musiktheater, Ballett, Chorsingen, Orchester, alles ist nur sehr erschwert, wenn überhaupt, möglich. Das ist ein ganz schwieriger Zustand. Aber umso wichtiger ist es, dass wir das Theater natürlich weitermachen. Man darf auch nicht vergessen, dass die Gesellschaft im Moment sehr schwere Stunden erlebt. Die Menschen sind verunsichert. Und insofern ist großer Bedarf auch für künstlerisch-kulturelle Beschäftigung mit dieser Zeit. Allerdings kann das natürlich nur irgendwie ein Übergangszustand sein. Wir müssen irgendwann wieder zu einer Art Normalität zurück.

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