Corona-SchutzimpfungMontgomery: 100 Millionen Impfdosen in 2021 sind realistisch

Der Vorstandsvorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, blickt optimistisch auf das beginnende Impfgeschehen in Deutschland. Die Produktionskapazitäten seien schon deutlich hochgefahren, sagte er im Dlf. 100 Millionen Impfdosen im ersten Jahr zu spritzen, sei ein realistisches Ziel.

Frank Ulrich Montgomery im Gespräch mit Dirk Müller | 28.12.2020

Frank Ulrich Montgomery ist Präsident des Weltärztebundes
Frank Ulrich Montgomery ist Präsident des Weltärztebundes World Medical Association (picture alliance/dpa / Guido Kirchner)
Die ersten Menschen in Deutschland werden gegen SARS-CoV-2 geimpft. "Ein ganz toller Tag", an dem wir anfangen, uns aktiv gegen das Coronavirus zu wehren, sagt der Vorstandsvorsitzende des Weltärztebundes (WMA), Frank Ulrich Montgomery. Die Impfung werde das Virusgeschehen in wesentlich ruhigeres Fahrwasser bringen.

Kritik an "politischen Showakten"

Aber werden die Impfdosen schnell genug hergestellt? Kritiker wie der SPD-Gesundheitspolitiker Kar Lauterbach finden, die Impfungen liefen absehbar zu langsam ab, FDP-Chef Christian Lindner fordert, den Biontech/Pfizer-Impfstoff von anderen Herstellern in Lizenz produzieren zu lassen.
Montgomery hat den Eindruck, mancher Politiker unterschätze den chemischen Prozess der Herstellung oder versuche mit "politischen Showakten" wie etwa Wladimir Putin in Russland Kapital zu schlagen. Die Produktionskapazitäten seien bereits mit "großartigen Subventionen der Bundesregierung" deutlich hochgefahren, da solle man "die Kirche im Dorf lassen".
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Impfung in großem Stil braucht Übung

Trotz anfänglicher Pannen wie Unterbrechungen der Kühlkette blickt Montgomery insgesamt optimistisch auf das beginnende Impfgeschehen. "Das wird von Tag zu Tag besser werden." Die von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erstellte Prioritätenliste sei ein gutes Konzept, 100 Millionen Dosen im Jahr 2021 zu verimpfen, sei zu schaffen.
Viel wichtiger sei es jetzt, Ressentiments gegen das Impfen zu diskutieren. Risiken langfristiger Impfrisiken bei dem neuartigen mRNA-Impfstoff hält er für "eigentlich relativ unwahrscheinlich". Man müsse jetzt "die impfen, die sich impfen lassen wollen", weitere würden ihre Vorbehalte im Laufe der Zeit verlieren.

Zu früh für Diskussion über Sonderrechte

Eine ethische Diskussion über Sonderrechte für Geimpfte oder Nachteile für nicht Geimpfte lehnt Montgomery nicht grundsätzlich ab, es sei allerdings noch zu früh dafür, sagt er im Dlf. Eine solche Debatte könne man informierter führen, wenn alle eine Chance auf eine Impfung gehabt hätten und mehr über deren Immunisierungswirkung bekannt sei.
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AHA-Regeln "nicht ausreichend eingehalten"

Kritik übte der Weltärztepräsident an der Disziplin der Bevölkerung beim Einhalten der Regeln wie Abstand zu halten oder einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Diese Regeln würden nicht ausreichend eingehalten - und das zum Teil demonstrativ vor den Augen der Behörden.
Montgomery hat schon vor Weihnachten vor einem "einem Jo-Jo-Effekt bei den Lockdown-Phasen" gewarnt. Der Präsident der WMA rechnet mit einer Unterschreitung der kritischen Schwelle von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen frühestens Ende Januar.

Das Interview im Wortlaut:
Dirk Müller: Der Impfstart, Herr Montgomery, ist das die Wende?
Frank Ulrich Montgomery: Ja, natürlich ist das der Anfang der Wende. Die Wende wird ja nicht in drei Tagen kommen, das wird eine Zeit dauern, aber wir fangen an, aktiv uns gegen das Virus zu wehren, wir fangen an, aktiv durch Behandlung der Menschen vorzubeugen, das ist doch ein ganz toller Tag gewesen.
Müller: Und weil Abstandsregeln, AHA-Regeln, alle Vorsichtsmaßnahmen doch nicht viel gebracht haben.
Montgomery: Na, wir haben sie nicht ausreichend eingehalten. Die Regeln an sich waren ja nicht falsch, aber wenn sich die Menschen nicht ausreichend daran halten und wir sehen, dass sie keine Masken tragen, obwohl sie es sollten, und wenn wir sehen, dass die Abstandsregeln nicht eingehalten werden, dass das teilweise ja sogar demonstrativ unter den Augen der Staatsmacht geschieht, dann müssen wir halt zu solchen Maßnahmen greifen wie einem Lockdown. Aber die Impfung wird das ja langfristig alles in ein wesentlich ruhigeres Fahrwasser bringen.

"Ich freue mich auf die Impfung"

Müller: Und Sie haben sich auch schon gemeldet, sich impfen zu lassen.
Montgomery: Na ja, ich bin ein kleines bisschen zu dick und ich bin 68 Jahre alt, ich bin Prioritätsgruppe drei. Ich warte darauf, dass ich drankomme, freue mich dann auf die Impfung, habe nicht die geringste Angst davor, aber ich finde es auch richtig, dass man priorisiert, dass man Regeln einhält, wer zuerst geimpft wird.
Müller: Und das finden Sie auch in Deutschland richtig, wie das gemacht wird, also erst die Pflegeheime, die Alten, die Kranken, das Pflegepersonal, das medizinische Personal?
Montgomery: Wir haben eine Prioritätenliste aufgestellt, bei der diejenigen, die das höchste Risiko auf Tod oder schweren Verlauf mit sich tragen, und diejenigen, die das höchste Infektionsrisiko überhaupt tragen, zuerst geimpft werden, und das finde ich richtig. Man muss jetzt nicht über jede einzelne Berufsgruppe rauf oder runter streiten, aber es ist ein gutes Konzept.
Müller: Hat Sie das auch überrascht, dass Wladimir Putin sich beispielsweise erst heute impfen will, obwohl der Impfstoff schon seit dem Sommer auf dem Markt ist?
Montgomery: Als Vater zweier Kinder habe ich mich gewundert, dass er seine Tochter vorgeschickt hat, denn er hat ja behauptet, schon im Sommer sei seine Tochter geimpft worden. Ich wäre immer als Beispiel selber vorangegangen. Aber wissen Sie, solche Showakte – wir erleben ja gerade rund um die Impfung überall irgendwelche politischen Showaktionen, dazu gehört das auch. Ich finde es gut, dass er geimpft ist, nun hat er auch eine bessere Chance, an COVID vorbeizukommen.
Müller: Das wird im Moment viel diskutiert, haben Politiker Vorrang in dieser Priorisierung. Wir haben Benjamin Netanjahu beispielsweise ja auch in gewaltigen Fernsehbildern gesehen, dass er der Erste war, der sich hat impfen lassen, offiziell zumindest, in Israel. Bei uns stehen die Politiker offiziell hintenan, ist das richtig so?
Montgomery: Das hat was mit Vorbildcharakter zu tun. Ich glaube, Netanjahu hat sich impfen lassen, weil er ein Vorbild für die Impfunwilligen in seinem Lande sein wollte, ob das wirklich zieht, das vermag ich gar nicht zu beurteilen. Unsere Prioritätenliste ist richtig, und das sollte man so machen, wie wir es bei uns gemacht haben.
Christine Helbig (l), Pflegekraft am Klinikum Stuttgart wird im Impfzentrum des Klinikum Stuttgart von einer Ärztin mit einer Dosis eines Covid-19 Impfstoffes geimpft. Helbig hatte am vormittag Dienst in einer Covid-19 Station des Klinikum Stuttgart und kam direkt von der Arbeit zur Impfung. Sie ist eine der ersten Menschen in Baden-Württemberg, die geimpft wurden. Am Sonntag haben die Corona-Impfungen mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer in Deutschland begonnen.
Impfauftakt in Baden-Württemberg
Erleichterung war spürbar, als Kliniken in Deutschland die ersten Impfdosen gegen SARS-CoV-2 spritzten. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann spricht sich für möglichst viele Impfungen aus. Allerdings ist der verfügbare Impfstoff momentan noch knapp.

100 Millionen Impfdosen "werden wir schaffen"

Müller: Reden wir, Herr Montgomery, ein bisschen über diesen Zeithorizont: Flächendeckend soll das Ganze erst möglich sein bis Sommer – ist das realistisch?
Montgomery: Ja, das halte ich für realistisch. Es ist einfach nicht möglich, so viel Impfstoff auf einmal zu produzieren. Wir müssen ja auch noch mal ein bisschen üben. Wissen Sie, 400 Impfzentren stampfen Sie ja nicht aus dem Boden und dann funktioniert das alles. Wir haben doch am gestrigen Tag wunderbar erlebt, sowohl dass es Probleme mit der Kühlkette gegeben hat wie auch, dass Menschen vorpreschen. Das sind doch alles keine schlimmen Dinge, sondern sie zeigen, dass das System insgesamt über die ganze Bundesrepublik genommen funktioniert und den Menschen helfen wird, und das wird auch von Tag zu Tag besser werden.
Müller: Experten haben jetzt argumentiert um diese Herdenimmunität, darüber wird ja viel diskutiert. Um das zu erreichen in Deutschland, müssten insgesamt 100 Millionen Injektionen verabreicht worden sein. Schaffen wir das bis zum Sommer?
Montgomery: Ja, natürlich, wir haben es ja auch bei der Grippe immer geschafft mit 20 Millionen, jetzt sind wir ganz anders aufgestellt. Wir werden das schaffen, vorausgesetzt, wir kriegen ausreichend Impfstoff. Da kommen ja jetzt auch noch andere Produzenten dazu, deswegen glaube ich, dass es möglich ist, bis, ich sage mal in diesem Jahr, ich will mich da gar nicht auf einen genauen Tag festlegen, in diesem Jahr die 100 Millionen Impfdosen zu applizieren, die reichen würden, um Herdenimmunität herzustellen. Viel wichtiger in meinen Augen ist momentan, manche Ressentiments, manche Ablehnung gegenüber der Impfung mit Menschen zu diskutieren. Ich glaube, wenn die Menschen merken, dass die Impfung weniger Risiken mit sich hat, weniger Nebenwirkungen mit sich bringt, dann wird es auch sehr viel mehr Impfwillige geben.

"Kein besonders auffälliges Risikopotenzial"

Müller: Was wir jetzt noch nicht wissen, ob es weniger Nachwirkungen, Nebenwirkungen hat als andere Impfstoffe, die seit Jahrzehnten auf dem Markt sind und viele Jahre erprobt wurden vorher.
Montgomery: Über die langfristigen Wirkungen kann keiner von uns reden, das ist alles Spekulation. Über die kurzfristigen Wirkungen wissen wir inzwischen anhand der Menschen, die das nun schon in Großbritannien, in Amerika, in Brasilien teilweise ja schon bekommen haben, dass mindestens in den ersten Wochen nach der Impfung kein besonders auffälliges Risikopotenzial bei den Impfungen ist. Das ist wie bei anderen Impfungen auch. Auch eine Impfung stößt ja das Immunsystem an, macht etwas in diesem ganzen Komplex von allergieähnlichen Erkrankungen. Also zu erwarten, dass es da überhaupt keine Nebenwirkungen gebe, das wäre illusorisch, aber eine kleine Schwellung im Arm oder auch mal einen Tag Kopfschmerzen, ich glaube, das sind Dinge, die vom Risikoprofil her viel geringer sind als das Risiko einer durchgemachten Erkrankung.
Müller: Bleiben wir noch einmal dabei: Inwieweit räumen Sie da ein Risiko ein, was die langfristigen Folgen anbetrifft?
Montgomery: Von dem Gedanken des mRNA-Impfstoffes her ist das eigentlich – das muss man immer mit diesem Begriff eigentlich sagen – eigentlich relativ unwahrscheinlich, dass es langfristige Auswirkungen geben wird, aber wir haben es bei anderen Medikamenten in der Vergangenheit erlebt, total ausschließen kann man nie alles. Nur noch mal: Das Risikoprofil der Erkrankung, das kennen wir, und das heißt, dass ein Prozent der Erkrankten sterben.
Müller: Aber können Sie das verstehen, wenn jemand sagt, das ist mir zu risikoreich, ich verzichte drauf, ist das okay?
Montgomery: Natürlich kann ich das verstehen. Wir werden deswegen in Deutschland ja auch, solange das nicht alles ausreichend geklärt ist, keinerlei Impflicht oder Ähnliches haben. Darüber führen wir ja schon eine intensive Debatte. Wissen Sie, wenn ich jemanden mit Gewalt und gegen seinen Willen impfe, dann wird der mit Sicherheit mindestens psychologisch eine ganze Reihe von Nebenwirkungen bekommen und macht damit das ganze Verfahren viel schwieriger. Für mich ist es wichtig, jetzt die zu impfen, die sich impfen lassen wollen, und wenn die nach draußen vertreten, dass sie keine Nebenwirkungen hatten, dass ihnen nichts dabei passiert ist oder dass es ihnen danach besser geht und sie vor Risiken geschützt sind, werden auch viele andere nachfolgen.
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Kommentar: Hoffnung in kleinen Dosen
Die Impfungen gegen SARS-CoV-2 in Deutschland haben begonnen. Allerdings sei die zweite Welle noch lange nicht vorbei, warnt Volker Finthammer. Bis die Bevölkerung ausreichend geimpft sei, müssten wir noch viel Geduld und Rücksicht aufbringen.

Impfung als Einreisekriterium wäre nichts Neues

Müller: Schauen wir uns, Herr Montgomery, das noch einmal an: Sonderrechte für die Geimpfte? Das wird im Moment ja gerade wieder diskutiert, Horst Seehofer hat das gestern ausgeschlossen, andere Politiker ebenfalls. Jetzt gibt es Fluggesellschaften, wird jetzt immer wieder zitiert, unter anderem die australische Qantas, die da sagt, wir wollen einen Impfnachweis, wer bei uns ins Flugzeug steigt. Ist das wiederum ein sinnvoller Schritt?
Montgomery: Ich glaube, hier muss man einfach Zeitebenen auseinanderhalten. Im Moment, wo man gar nicht allen Menschen die Impfung anbieten kann, verbietet sich ein solches Vorgehen, aber die Diskussion darüber kann man ruhig jetzt schon anfangen. Später einmal, wenn alle Menschen die Chance gehabt haben, sich impfen zu lassen, und wenn wir vielleicht auch wissen, wie Immunität sich im Blut zum Beispiel darstellt, also ob man auch wirklich immun wird, ob man wirklich immun bleibt, ob wir auch gegen alle Mutationen und alle Variationen dieses Virus dann später immun sind, dann kann man zu Schlüssen in dieser Debatte kommen. Im Moment ist das noch viel zu früh, aber was zum Beispiel Privilegien angeht, da weiß ich nicht, ob Horst Seehofer weiß, dass es immer noch Länder in der ganzen Welt gibt, die zum Beispiel die Einreise für Menschen verbieten, die nicht gegen Gelbfieber geimpft sind. Hier gibt es …
Müller: Also das wäre kein Novum.
Montgomery: Das wäre überhaupt kein Novum, sondern es gibt heute Länder, die das schon verlangen – nicht Deutschland, aber andere Länder –, und das müssen wir einfach ganz ruhig und sachlich und dann, wenn alle Fakten vorliegen, diskutieren. Auch ist gut, dass wir über die ethischen Grenzen dieser Debatte heute schon mal anfangen zu denken.
Müller: Impfpass, das war ja ein Vorschlag vom Gesundheitsminister, eben von Jens Spahn, im Frühjahr diesen Jahres, jetzt hat er sich davon distanziert. Also Impfpass für Sie, was Sie gerade gesagt haben, durchaus in einigen Monaten vorstellbar?
Montgomery: Wenn wir wissen, dass diese Impfung wirklich allen angeboten werden konnte, wenn wir wissen, wie die Immunität danach ist, wenn es so eine Immunität wie bei der Grippe ist, bei der dann die Stämme sich andauernd wandeln und sie im Grunde genommen keinen ganz sicheren Schutz haben, dann macht das gar keinen Sinn. Wenn Sie aber eine Sicherheit haben wie bei Masern, wo übrigens auch für Kinder, die nicht geimpft werden, einschränkende Maßnahmen vorgesehen sind – und das halte ich für richtig –, wenn man das dann alles weiß, dann kann man eigentlich auch mit einer viel besseren fundierten Grundlage diese Debatte führen.

Produktion "schon massiv raufgefahren"

Müller: Letzter Punkt für uns heute Morgen: Mehr Produktion, das wird gefordert von vielen Seiten. Haben wir zu wenig in der Produktion?
Montgomery: Wir haben nun mit Mitteln der Bundesregierung übrigens, mit großartigen Subventionen der Bundesregierung die Produktionskapazitäten schon massiv raufgefahren. Ob man in der gegenwärtigen Situation und bei der Komplexität dieser Impfstoffe nun andere Fabriken durch Lizenzvergabe dazu kriegen kann, das auch zu machen, ich glaube, das ist nicht so einfach, da unterschätzt mancher Politiker den chemischen Prozess der Herstellung solcher Medikamente. Das ist jetzt eine aufgeregte Debatte. Ich hab mich gewundert, aus welchen Ecken es dann kommt, dass Vertreter einer freien Wirtschaft dann plötzlich anfangen, von Zwangslizenzen und Ähnlichem …
Müller: Meinen Sie die FDP, Christian Lindner?
Montgomery: Ich meine FDP und Christian Lindner, und ich finde, wir sollten jetzt mal die Kirche im Dorf lassen und sollten sachlich und vernünftig diskutieren und nicht immer nur nach dem politischen Event schauen, mit dem wir irgendeine Form von Aufmerksamkeit erheischen können, die wir sonst vielleicht auf anderem Wege gar nicht mehr kriegen.
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