Enzyklika
Das steht in dem ersten Lehrschreiben von Papst Leo

Papst Leo XIV. hat seine erste Enzyklika veröffentlicht. Das Lehrschreiben trägt den Titel "Magnifica Humanitas" (Großartige Menschheit). Im Mittelpunkt der 100 Seiten langen Abhandlung steht die Künstliche Intelligenz. Ein Überblick.

    Die erste Encyklika von Papst Leo
    Die erste Encyklika von Papst Leo (IMAGO / Catholicpressphoto / MONICA GIULIANI / CPP)

    Schutz der Menschenwürde

    Das Oberhaupt der katholischen Kirche stellt den Schutz der menschlichen Würde im KI-Zeitalter in den Mittelpunkt. Leo betont, dass KI in verschiedenen Bereichen eine "wertvolle Hilfe" sein könne. Vor allem warnt der Papst jedoch vor den Risiken - beispielsweise, dass in erster Linie nur wenige Menschen mit jetzt schon viel Besitz profitieren. "Kleine, sehr einflussreiche Gruppen können Informationen und Konsum lenken, demokratische Prozesse konditionieren und die wirtschaftliche Dynamik beeinflussen."

    Klare Kriterien und Kontrolle für KI

    Deshalb sei es "unerlässlich, dass der Einsatz von KI - insbesondere, wenn es um öffentliche Güter und Grundrechte geht - von klaren Kriterien und wirksamen Kontrollen begleitet wird". Auch der Besitz der Nutzerdaten müsse reguliert werden. Mehrfach betont der Papst, dass KI auf menschliche Werte und Moral ausgerichtet sein müsse. Allerdings nütze auch das nichts, "wenn diese Moral von einigen wenigen bestimmt wird". Vielfach wird das als Kritik an Tech-Milliardären in den USA verstanden.

    "Entscheidung über Leben und Tod keinesfalls Maschinen überlassen"

    Das politische Hauptanliegen des Papstes - Friede und Dialog unter den Nationen - nimmt in der Enzyklika breiten Raum ein. Besonders kritisch äußerte sich der Pontifex daher über die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf Konflikte. Mit KI-gestützten autonomen Waffensystemen sei Krieg in der heutigen Zeit wieder "durchführbarer" gemacht worden.
    Die Entscheidung über Leben und Tod dürfe jedoch keinesfalls Maschinen überlassen werden. Wörtlich heißt es in dem Schreiben: "Daher ist es nicht zulässig, tödliche oder jedenfalls irreversible Entscheidungen künstlichen Systemen anzuvertrauen."

    "Bleiben wir der Wahrheit treu!"

    In seinem Lehrschreiben warnt Leo auch davor, auf KI-Lügen und -Fälschungen hereinzufallen: "Bleiben wir der Wahrheit treu!". Durch die "unaufhörlichen Flüsse von Informationen, Meinungen und Bildern" mit immer raffinierteren Algorithmen könnten Entscheidungen und Vorlieben leicht beeinflusst werden. Auf dem Höhepunkt seines Streits mit dem Papst hatte US-Präsident Trump ein KI-generiertes Bild veröffentlicht, das ihn selbst als Jesus zeigte. Erwähnt wird Trump in der Enzyklika nicht.

    Papst entschuldigt sich für Umgang des Vatikans mit Sklaverei

    Das Oberhaupt von weltweit 1,4 Milliarden Katholiken räumte ein, dass seine Kirche den viele Jahrhunderte dauernden Sklavenhandel erst im 19. Jahrhundert entschieden verurteilt habe. "Dies ist eine Wunde im christlichen Gedächtnis", heißt es in dem Schreiben. "Dafür bitte ich im Namen der Kirche aufrichtig um Vergebung." Frühere Päpste hatten für die Beteiligung von Christen am transatlantischen Sklavenhandel um Entschuldigung gebeten, aber nie dafür, dass der Vatikan den europäischen Herrschern die Unterwerfung und Versklavung Ungläubiger explizit erlaubte.
    Leo äußerte sich im Zusammenhang mit der Frage, was Künstliche Intelligenz für die Arbeitswelt bedeutet. In seinem Text ist von "neuen Formen der Sklaverei" die Rede – beispielsweise in KI-Rechenzentren oder bei der Herstellung von Mikrochips beziehungsweise technischen Geräten wie Computern oder Smartphones. In einigen Weltregionen der Welt arbeiteten auch Kinder und Jugendliche unter gefährlichen Bedingungen. Die Kirche habe die Pflicht, vor gefährlichen Entwicklungen durch verfehlte Anwendung von Technologien zu warnen, wenn diese zu "Entmenschlichung" führen.
    Die offiziellen Rundschreiben gelten als eine Art Regierungserklärung für das Pontifikat eines Papstes. Sie prägen die Haltung der Römisch-katholischen Kirche zu einem Thema immer wieder über viele Jahre hinweg. Bislang ging es in den Lehrschreiben neben dem Glauben meist um Grundsatzfragen wie Krieg und Frieden, soziale Gerechtigkeit, Familie sowie Umwelt- und Klimaschutz.

    Mehr zum Thema

    Die Enzyklika im Wortlaut auf der Internetseite des Vatikan
    Diese Nachricht wurde am 25.05.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.