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Startseite@mediasresApple beugt sich chinesischer Regierung28.02.2018

DatenschutzApple beugt sich chinesischer Regierung

Der größte börsennotierte Konzern der Welt gibt klein bei: Apple übergibt heute die Kontrolle über die Daten chinesischer Nutzer an einen lokalen Partner. Datenschützer befürchten, dass damit die Behörden direkten Zugriff bekommen könnten.

Von Steffen Wurzel

Mehrere Kunden beugen sich in einem Pekinger Geschäft über neue Smartphones von Apple (AFP/ Fred Dufour)
Apple übergibt heute die Daten seiner Nutzer an eine chinesische Firma. (AFP/ Fred Dufour)

Apple-Nutzer in China bekamen in den vergangenen Wochen gleich zweimal folgende E-Mail.

"Hallo! Vielen Dank, dass Du iCloud verwendest. Wir haben einige wichtige Informationen bezüglich iCloud in Festlandchina für Dich."

iCloud ist der Online-Speicherdienst des US-Konzerns. Wer ein Telefon, ein Tablet oder andere Produkte von Apple kauft, wird automatisch Mitglied. Ob man den Speicherdienst nutzt, bleibt jedem selbst überlassen. Standardmäßig bietet Apple an, diverse Nutzer-Daten vom Gerät in die Cloud zu kopieren: Kontakte, E-Mails, Kalendereinträge und Kurznachrichten zum Beispiel.

Fast alle Apple-Nutzer in China betroffen

Von Nutzern in China wurden diese hochsensiblen Daten bisher auf Servern in den USA gespeichert. Also vermeintlich sicher vor dem Zugriff chinesischer Behörden. Doch das ändert sich nun.

"Ab dem 28. Februar wird der Betrieb von iCloud-Diensten, die mit Deiner Apple‑ID verknüpft sind, von GCBD übernommen."

GCBD steht für Guizhou-Cloud Big Data, eine staatlich kontrollierte Internet-Firma mit Sitz in der südchinesischen Provinz Guizhou. Von dort aus werden ab heute alle iCloud-Daten von Apple-Kunden verwaltet, die eine chinesische Nutzerkennung haben, eine so genannte Apple-ID.

Betroffen sind also alle Nutzer, die bei der Anmeldung für eine solche Kennung eine chinesische Adresse angegeben haben. Sprich: Fast alle Nutzer in China. Und deren Daten seien ab sofort in Gefahr, warnt Cédric Alviani von der nichtstaatlichen Organisation "Reporter Ohne Grenzen".

"Es besteht nun die Möglichkeit, dass chinesische Behörden direkten Zugriff haben auf alle Daten chinesischer Nutzer, die in der iCloud gespeichert sind."

Nicht vor staatlichem Zugriff geschützt

Apple selbst weist jegliche Verantwortung von sich und verweist auf neue Gesetze zur Cybersicherheit, die in China seit vergangenem Jahr gelten. Carly Ramsey von der Beratungsfirma "Control Risks" in Shanghai:

"Das bedeutet, dass die Daten chinesischer Nutzer nun - anders als vorher - unter chinesische Gesetzgebung fallen. Chinesische Behörden haben damit einen leichteren Zugriff auf diese Daten."

Andere Lage als in den USA oder der EU

Während Apple argumentiert, man habe keine Wahl, werfen Kritiker dem Unternehmen Heuchelei vor. Sie verweisen auf einen Fall vom Februar 2016. Damals weigerte sich Apple, mit der US-Bundespolizei FBI zusammenzuarbeiten und Nutzerdaten eines mutmaßlichen Terroristen zu entschlüsseln. Apple ließ sich damals in den USA als Retter des Datenschutzes feiern.

Anders nun im Falle Chinas. Hier händige Apple die Daten seiner Nutzer nicht nur an die Firma GCBD aus, sondern de facto auch an staatliche Behörden, sagen Kritiker. Und tatsächlich: Zwar gelten auch in China gewisse Datenschutz-Gesetze, im Zweifel aber hat der Staat immer das letzte Wort.

Das ist auch der Unterschied zur EU. Auch dort gelten mit der Datenschutz-Grundverordnung inzwischen Regeln, nach denen bestimmte Nutzerdaten in Europa gespeichert werden müssen. Diese Daten aber sind durch ein funktionierendes rechtsstaatliches System vor staatlichem Zugriff geschützt.

Missbrauch gegen kritische Bürger wird möglich

In China hingegen könnten Sicherheitsbehörden die Daten missbrauchen, um gegen kritische Bürger vorzugehen, warnt Cédric Alviani von "Reporter Ohne Grenzen":

"Seit vergangenem Jahr haben Gerichte in China mehrmals Privatleute verurteilt, weil sie sich in privaten Textnachrichten kritisch geäußert haben. Auch in dieser Hinsicht ist das Verlagern von Daten nach China durch Apple gefährlich."

Wie viele Apple-Nutzer betroffen sind, ist nicht klar. Es dürften mehr als 130 Millionen Menschen sein, allein so viele iPhone-Nutzer gibt es in China.

"Es gibt nur wenige Konzerne auf der Welt, die so mächtig sind wie Apple. Wenn es eine Firma gibt, die China die Stirn bieten kann, dann ist es Apple. Wenn Apple einknickt - welche andere soll denn dann noch Widerstand leisten?"

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