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StartseiteCorso"Mischen ist immer gut" 27.06.2019

Debutalbum von EsRAP "Tschuschistan""Mischen ist immer gut"

Die Geschwister Esra und Enes Özem sind das "HipHop-Duo" EsRAP aus Österreich. Als Enkel der Gastarbeiter mischen sie HipHop mit türkisch-orientalischen Sounds. Ihr Debutalbum heißt "Tschuschistan". "Das ist eine Utopiewelt, in der Migranten von überall willkommen sind", sagten EsRAP im Dlf.

EsRAP im Corsogespräch mit Sigrid Fischer

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(hearthemusic)
Esra und Enes vom türkisch-österreichischen Rap-Duo EsRAP (hearthemusic)
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Das rappende Geschwisterpaar aus Wien hat das erste Album fertig. Von einzelnen Songs und Clips im Internet kennen wir sie ja schon: EsRAP, zwei türkische Österreicher – so beschreiben sie selbst ihre Identität. Und um Identität, um Fremdsein im eigenen Land als Kinder der dritten Generation geht es auch in ihren Songs. Rap und Hip Hop sind Ihr Medium, aber auch die türkisch-orientalische Arabeske. Aus beiden wird ihr besonderer Sound. 

"Wir sind stolze Tschuschen"

Esra und Enes Özem sind im Wiener Arbeiterbezirk Ottakring aufgewachsen. Als "Tschuschen" sind sie von Österreichern schon oft bezeichnet worden, die sich damit abwertend über Zugewanderte äußern. In ihren Songs setzen sie das Wort selbst ein, als Ausdruck von Stolz.

Migrant zu sein sei ein komisches Gefühl, sagt Esra, aber es sei auch ihre Identität. In der Türkei denke sie oft: "Wo ist meine Migration hin?". Sie wisse, was "tschusch" sein heißt, sie kenne die Probleme, die damit verbunden sind.

Sie seien oft mit dem Wort konfrontiert worden, bei  kleinen Streits habe man ihnen oft gesagt: " Schleich Dich, Du Tschusch, zurück in Deine Heimat!" Irgendwann reiche es mal, dann sage man: "Halt, stopp, wir sind schon länger in Österreich als Du, wir sind die Tschuschen, wir bleiben, wir sind stolze Tschuschen".

Sie habe immer das Gefühl gehabt, dass Migrant sein etwas Schwaches sei, dabei sei es eine Stärke, sagt Esra. "Als Migrant kann  man zwei Sprachen, man ist doppelt, man kennt zwei Kulturen, das ist positiv." Und das solle man auch den Jugendlichen mitgeben, dass sie nicht weniger sind, sondern mehr, findet Esra.

"Rap ist migrantisch"

EsRAP gehen bei den Donnerstagsdemos gegen Sozialabbau, Rechtspopulismus und Rassismus mit auf die Straße. Das Ibizavideo habe zwar die österreichische Regierung zu Fall gebracht, die Österreicher würden aber immer noch gleich denken.

Ihr Musikmix aus HipHop und türkisch-orientalischer Arabeske hat mit ihrer Kindheit zu tun. "Wir sind mit Arabesken aufgewachsen", sagt Enes - "wer Arabeske hört, muss einen Hintergrund dafür haben." Ihr Vater habe diese Musik als Gastarbeiterkind gehört, im Auto liefen immer entsprechende Cassetten. Und instinktiv rutsche er immer in diesen Stil, sagt Enes, und das beeinflusse auch ihren HipHop.

Wir haben noch länger mit EsRAP gesprochen - hören Sie hier die Langfassung des Corsogesprächs.

"Mein Schicksal ist es, Rap zu machen" singen EsRAP in seinem Song. Esra erklärt den Satz mit der Chancenlosigkeit von Migrantenkindern. Niemand sage:"Geh mal auf's Gymnasium". Arbeiterklasse bleibe eben Arbeiterklasse. Rap und Fußball seien die einzigen Wege, um sich zu beweisen. "Deshalb ist Rap auch migrantisch", sagt Esra, die ein Diplom an der Kunstuniversität gemacht hat. Auch in Deutschland sei Rap zu 90% migrantisch. 

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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