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StartseiteKultur heute"Konstruktiv mit der Vergangenheit beschäftigen"15.01.2020

Denkfabrik: Dekolonisiert Euch!"Konstruktiv mit der Vergangenheit beschäftigen"

In Berlin finden sich zahlreiche Spuren der Kolonialzeit. Mit dem Modellprojekt "Dekolonisierung der Stadt" sollen sie sichtbar gemacht werden. Das Thema beträfe alle gesellschaftlichen Ebenen, sagte Tahir Della von der "Initiative Schwarze Menschen in Deutschland" im Dlf.

Tahir Della im Gespräch mit Stefan Koldehoff

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Tahir Della von der "Inititiative Schwarze Menschen in Deutschland". (dpa/ Larissa Schwedens)
"Dezentral denken": Tahir Della, Sprecher der "Initiative Schwarze Menschen in Deutschland" (dpa/ Larissa Schwedens)
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Lange Zeit spielte die Kolonialzeit nur eine untergeordnete Rolle in Deutschland. Seit einiger Zeit wird sie nun intensiver erforscht und bearbeitet. Das geschieht zum Beispiel in Museen, in denen Stücke aus jener Zeit gezeigt werden. Aber auch Initiativen wie "Dekolonisierung der Stadt" suchen nach Spuren dieser Vergangenheit. Denn: "Dieses Thema ist ein Querschnittsthema. Das ist nicht bloß begrenzt auf die Museen und Sammlungen, sondern tatsächlich auch in allen gesellschaftlichen Ebenen zu finden. Und wir müssen zusehen, und das ist das Ziel dieses Projektes, inwieweit wir da uns mit dieser Vergangenheit konstruktiv, proaktiv beschäftigten", so Tahir Della, Sprecher der "Initiative Schwarze Menschen in Deutschland" (ISD).

Spuren im öffentlichen Raum

Gemeint seien zum Beispiel Straßen, die nach Verbrechern aus der Kolonialzeit benannt sind, oder Denkmäler, die meist eine eurozentrische Perspektive erkennen ließen. Es gehe auch weniger darum, zentrale Gedenkorte zu schaffen, als vielmehr ein gesellschaftliches Bewusstsein für andere Perspektiven und vor allem für Lücken entstehen zu lassen: "Wir finden diese Spur natürlich in erster Linie (...) im öffentlichen Raum". Zum einen dadurch, wessen wo in welcher Form gedacht wird: "Das sind natürlich aber auch Orte, an denen schwarze Menschen, Menschen afrikanischer Herkunft, gelebt haben, in den Zwanzigern zum Beispiel schon, deren nicht gedacht wird."

Modellprojekt in Berlin

Berlin eigne sich dafür besonders gut, so Tahir Della. Dort startet das Modellprojekt "Dekolonisierung der Stadt", das genau die Spuren kolonialer Vergangenheit untersucht. Als Hauptstadt des Deutschen Reiches und Residenzort Kaiser Wilhelms II. habe die Stadt bei der Aufarbeitung eine Modellfunktion, auch weil die Politik dort viel angestoßen und umgesetzt habe: "Und damit hat Berlin natürlich auf jeden Fall eine Vorreiterrolle, dieses Thema eben auch stadtweit endlich mal zu besprechen."

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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