Sonntag, 23.09.2018
 
Seit 20:05 Uhr Freistil
StartseiteInformationen am AbendGroßbritannien macht russischen Geheimdienst verantwortlich05.09.2018

Der Fall SkripalGroßbritannien macht russischen Geheimdienst verantwortlich

Großbritannien macht nach den neuesten Ermittlungen zwei Agenten des russischen Militärgeheimdienstes für das Skripal-Attentat verantwortlich. Die britische Premierministerin Theresa May sieht nun gezielte Sanktionen gegen den Dienst vor.

Von Friedbert Meurer

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Die beiden stehen nebeneinander in Winterjacken und mit Mützen neben den Einlasspforten und schauen auf einen Punkt oberhalb von ihnen.  (Metropolitan Police / ap)
Das am 5.9.2018 veröffentlichte Standbild einer Überwachungskamera zeigt die beiden russischen Verdächtigen des Giftanschlags von Salisbury am dortigen Bahnhof am 3.3.2018: Ruslan Boshirov and Alexander Petrov. (Metropolitan Police / ap)
  • E-Mail
  • Teilen
  • Tweet
  • Drucken
  • Podcast
Mehr zum Thema

Fall Skripal Von Plausibilität und fehlenden Beweisen

Skripal-Affäre Britischer Botschafter spricht von Novichok-Geheimprogramm

Skripal-Affäre Ergebnisloser Schlagabtausch im UN-Sicherheitsrat

Zwei Fahndungsfotos zeigen die beiden Männer, die den Anschlag mit dem Nervengift auf die Skripals ausgeführt haben sollen. Ihre Namen werden mit Alexander Petrov und Ruslan Boshirow angegeben, vermutlich handelt es sich aber um Decknamen. Beide Männer sind um die 40 Jahre alt und waren zur fraglichen Zeit in Salisbury.

Premierministerin Theresa May gab am Mittag im Unterhaus eine Erklärung ab: "Die kriminaltechnischen Untersuchungen haben ausreichend Beweise erbracht, um gegen zwei russische Staatsbürger Anklage zu erheben wegen Verschwörung zum Mord an Sergej Skripal, dreifachen Mordversuchs, des Besitzes von Novichok und gefährlicher Körperverletzung an Julia Skripal und Nick Bailey."

11.000 Stunden Überwachungsaufnahmen

Nick Baley ist ein Polizeibeamter, der die Skripals als erster auf der Parkbank in Salisbury fand und dabei ebenfalls mit dem Gift in Berührung kam. Die britische Polizei hat, berichtete May weiter, in akribischer Arbeit 11.000 Stunden an Aufnahmen von Überwachungskameras durchsichtet.

Einem Bericht zufolge wurde dann mit Hilfe einer Gesichtserkennungssoftware wurde dann ein Abgleich mit Fotos von aus Russland ankommenden Passagieren an Londoner Flughäfen vorgenommen. So kam Scotland Yard den beiden Männern auf die Spur.

"Sie landeten aus Moskau kommend nachmittags um drei Uhr am Flughafen Gatwick. In ihrem Hotelzimmer in London wurden Spuren von Novichok gefunden."

"Keine Tat von Verbrechern"

May gab außerdem vor, dass die beiden gesuchten Männer Offiziere des russischen militärischen Auslandsgeheimdienstes GRU seien. Das schließe die Regierung aus eigenen nachrichtendienstlichen Erkenntnissen.

"Das war keine Tat von Verbrechern. Sie wurde fast mit Sicherheit von Stellen außerhalb des russischen militärischen Geheimdienstes gebilligt, durch höhere Stellen des russischen Staates."

Die Täter beschmierten den Türgriff des Hauses mit dem Nervengift Novichok. Skripal und seine Tochter, die ihn gerade besuchte, wurden schwer verletzt, überlebten aber den Anschlag. Anders als Dawn Sturgess, eine Einwohnerin von Amesbury nahe Salisbury. Sie benutzte Monate später zufällig Parfüm aus einer im Park weggeworfenen Flasche. Erst in dieser Woche hat die Organisation für das Verbot chemischer Waffen bestätigt, dass es sich bei dem angeblichen Parfüm um die gleiche Novichok-Probe handelte wie bei den Skripals.

Die britische Regierung sieht sich durch die neuen Erkenntnisse darin bestätigt, dass sehr wohl Moskau hinter dem Anschlag mit einem verbotenen Nervengift stehe. Als Konsequenz will die britische Premierministerin Theresa  May mit gezielten Sanktionen gegen den russischen Militärgeheimdienst vorgehen. Der Dienst stelle eine Bedrohung für alle Verbündeten dar.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk